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Herzblatt-Geschichten : Schmatzen auf der Tonspur

Deutschlands neues Königspaar - Florian Silbereisen und Helene Fischer. Bild: dpa

Wladimir Klitschko muss wegen zu schlaffer Nackenhaare eine Niederlage einstecken, Daniela Katzenberger fürchtet um ihre jüngere Schwester und Deutschland hat ein neues Königspaar.

          Das Fiese, wenn man sich so lange wie wir mit den Klatschblättern befasst: Deren Denke färbt auf einen ab. Wenn etwa die Woche der Frau aufmacht mit einer Story über Stefan Mross und der Zeile „Seine Frau sagt: ,Hau ab!‘“, dann ärgern wir uns fast, wenn sich daneben noch die Worte finden: „Auszeit auf Befehl“, die sofort die Luft aus der Geschichte rauslassen. Zu viel verraten, Woche der Frau! Oder wenn Markus Lanz, im Auftrag von Bunte, einen „Liebesbrief“ an die Sängerin Adele verfasst, dann sehen wir sogleich die Titelseiten anderer Blätter vor uns, die das zur Folge haben dürfte: „Markus Lanz zwischen zwei Frauen“ oder „Ehe am Ende? Er liebt eine andere!“ Lästig, so was.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Andererseits lernen wir halt immer auch noch dazu. Etwa ein paar neue Wörter, die Ted Linow, Chef einer Modelagentur, in Bunte über seine Klientin Lena Gercke verliert: Sie habe nicht nur „den perfekten Körper, Formen wie gemeißelt“, sie könne sich auch „katalogig bewegen, aber auch editorialmäßig für jedes Hochglanzmagazin der Welt“. Letzteres beschreibt offenbar nicht Lenas Fähigkeit, kluge Leitartikel zu schreiben, sondern ihr Talent, sich für Titelseiten fotografieren zu lassen. Jemanden, der sich katalogig bewegt, stellen wir uns hingegen eher dick und schwerfällig vor. Offen bleibt, ob Gercke sich auch werbeplakatig oder broschürig bewegen kann.

          Model Lena Gercke zeigt ihren katalogigen Gang.

          Allerdings, und hier hören wir eine gewisse Entfremdung heraus, habe Gercke „einfach keine Zeit für ihre Modelkarriere“, klagt Linow: „Lena ist so beschäftigt mit ihren TV-Auftritten und bunten Blättern, dass Termine mit hochkarätigen Labels gar nicht zustande kommen.“ Mit einem nicht ganz so hochkarätigen Label ist Gercke immerhin verbunden: Sie ist, wie wir in Bunte lesen, „Spokesperson für Volkswagen“. Heißt, sie spricht für Volkswagen? Das dürfte gerade ein echter Vollzeitjob sein, und dass sie dann zu nichts anderem kommt, ist ja logisch. Oder, wie wir Modeexperten sagen, katalogisch.

          Als Model arbeiten möchte auch Jennifer, die Schwester von Daniela Katzenberger – genauer gesagt, als „Erotik-Modell“. Daniela passt das gar nicht: „Jennifers Wunsch, berühmt zu werden, ist mittlerweile so groß, dass ich wirklich Angst um sie habe“, erzählt sie Closer. Doch nicht nur um Jennifer, sondern auch um sich selbst sorgt sich das Reality-TV-Faktotum: „Und dann heißt es über mich: ,Das ist doch die Schwester vom Erotik-Sternchen.‘ Das passt so gar nicht in meine Pläne. Ich will doch weg von diesem ganzen Trash-Mist.“ Klar, deswegen gibt sie auch jede Woche Closer ein Interview.

          In ganz anderen Sphären beheimatet sind Helene Fischer und Florian Silbereisen, in denen unsere Republik ihr Ersatzkönigspaar gefunden hat. Wenn sie in einer Show mal gemeinsam Hof halten, dreht alles durch – so wie In, die schreibt: „Ausgerechnet bei der innigen Begrüßung der beiden Stars beim Adventsfest schwenkt die Kamera ins Publikum – wie gemein!“ Das sei der „Aufreger der Woche“, behauptet das Blatt und zeigt stolz „den Kuss, den keiner sehen soll“. Abgesehen natürlich von den Hunderten Zuschauern im Saal. Und von allen, die das Kuss-Foto längst aus dem Internet kennen, etwa von der Bunte-Website, wo die Szene so beschrieben wird: „Kurz danach kommt es zum innigen Kuss der beiden – nur ist der leider lediglich auf der Tonspur zu hören.“ Da müssen sie ja ganz schön geschmatzt haben.

          Mehr gesehen als andere hat auch Henry Maske, der eine verblüffende Erklärung liefert, warum Wladimir Klitschko seinen jüngsten Kampf verloren hat: „Seine Nackenhaare standen nicht mehr hoch“, erklärt er Bunte. Vor der Revanche sollte Klitschko dann vielleicht etwas Gel auftragen.

          Als Sportler muss man immer die Spannung hochhalten - oder waren es doch die Nackenhaare?

          Manchmal genügt, um andere umzuhauen, auch ein Blick. Ein Meister darin scheint der „leise, wunderbare Ulrich“ zu sein, der als Kandidat bei „Bauer sucht Frau“ eine besondere Wirkung auf die Moderatorin hat: „Wenn ich ihm in die Augen schaue, muss ich weinen, weil er mich so berührt“, behauptet Inka Bause im Neuen Blatt. Zum Date mit Ulrich sollten Möchtegern-Bäuerinnen also unbedingt genügend Taschentücher mitbringen. Oder stets den Blickkontakt meiden.

          Tief in die Augen geschaut haben sich auch Opernsängerin Anna Maria Kaufmann und ihr Lebensgefährte, der sie jüngst vom Flughafen abholte. Zu ihrer Überraschung, wie Bunte berichtet, „fuhren sie nicht heim, sondern zu einem Jack-Russell-Züchter. ,Dort durfte ich mir einen Terrier-Welpen aussuchen. Ich wollte schon immer einen Hund – und Eckhard ist der erste Mann, der mir diesen Wunsch von den Augen abgelesen hat.‘“ Wenn Sie jetzt meinen, auch in den Augen Ihrer Liebsten diesen Wunsch zu entdecken, dann schauen Sie lieber zweimal hin. Wäre blöd, wenn Sie sich verlesen und sie lieber zum Juwelier gefahren wäre statt zum Terrier-Züchter.

          Ganz genau hingeschaut wird seit Wochen bei Sabia Boulahrouz, deren Behauptung, schwanger von ihrem Ex Rafael van der Vaart zu sein, ihr nicht jeder abnimmt. Zuletzt ist sie in einer holländischen Fernsehshow gemeinsam mit dem alten Löffelverbieger Uri Geller aufgetreten, weshalb OK! nun auf dem Cover schreibt: „Sabia – Mädchen, Junge oder Kissen? Was Uri Geller OK! verrät!“ Die Antwort lautet: nichts. „Ich behalte Sabias Geheimnis für mich“, sagt Geller nur. Ups! Sorry, dass wir das jetzt verraten haben.

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