https://www.faz.net/-hxl-145tj

Herzblatt-Geschichten : Sanft verwöhnt von beiden Seiten

Lady Gaga propagiert hier nicht die freie Liebe, sondern Kopfhörer Bild: REUTERS

Lady Gaga bewirbt mit einem zweideutigen Slogan ein eindeutiges Produkt. Schlüpfriges auch bei Harald Schmidt: Dank Brausepulver präsentiert er eine Nabelschau der Grass'schen Art. Mit einem Körperteil in noch tieferen Gefilden hat indes Barack Obama Probleme.

          Es gibt gesellschaftliche Fragen, die sind zu schwerwiegend, als dass ein seriöses Presseorgan es sich leisten dürfte, seinen Lesern eine einzige Meinung dazu aufzunötigen. Für solche Fälle hat die Publizistik das Pro-und-Contra-Modell entwickelt: Zwei Autoren kommentieren den gleichen Tatbestand - der eine lobend, der andere tadelnd.

          Sascha Zoske

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Ein Thema, das gebieterisch nach einer solchen Form der Aufarbeitung verlangte, war das Verhalten von Vicky Leandros auf dem Münchner Oktoberfest. Wie das Neue Blatt dokumentiert, benahm sich die hochrot bedirndlte Sängerin im Festzelt schlimmer als Kutscher Theo in der Schänke zu Lodz: Hemmungslos warf sie sich in die Arme eines Lodenträgers und ließ sich von einem anderen den Fuß küssen, was wiederum dessen Tischnachbarn dazu veranlasste, eine Maß Bier über dem Haupt des Rivalen zu leeren.

          „Schlager bringen mir meine Kindheit zurück“

          Frauke Meinen-Kiewall, stellvertretende Chefredakteurin des Neuen Blatts, findet dieses Verhalten tolerabel („Sie feiert doch nur“), während Redakteurin Lara Kurrer zu dem Schluss kommt: „Das geht gar nicht.“ Wir waren nach Anblick der Fotos zuerst geneigt, Kollegin Kurrer zuzustimmen, haben Frau Leandros aber ganz schnell Absolution erteilt, als wir erfuhren, was sich Harald Schmidt in seiner Show mit Monica Ivancan geleistet hat. Bild resümierte den Vorgang in der Schlagzeile „Schmidt schleckt die Ex von Pocher aus“, die Bunte freute sich über eine „prickelnde Nabelschau“: Unter den Augen von 1,4 Millionen Zuschauern hatte der Gastgeber seine Zunge im brausegefüllten Bauchnabel der ehemaligen Lebensgefährtin seines ehemaligen Co-Komödianten versenkt.

          Schlimmer als Kutscher Theo in der Schänke zu Lodz: Vicky Leandros auf dem Oktoberfest

          Die Rechtfertigung von Herrn Schmidt, er habe eine Szene aus dem Grass-Roman „Die Blechtrommel“ nachstellen wollen, lässt befürchten, dass Fortsetzungen bereits in Planung sind. Bevor die Nummer mit den Aalen im Pferdekopf an die Reihe kommt, schalten wir lieber um zu Kim Fisher. Die Moderatorin und Sängerin hat der Neuen Welt erklärt, warum sie leichtes deutsches Liedgut so toll findet: „Schlager bringen mir meine Kindheit zurück. Wenn ich Roland Kaiser höre, habe ich sofort eine Zahnspange, einen Bademantel aus Frottee, rote Bäckchen und eine Packung im Haar.“

          Hört auf, Obama an den Hintern zu fassen!

          Was uns betrifft, so bekommen wir bei der Musik von Herrn Kaiser Zahnschmerzen, rote Ohren und Haarausfall. Dafür möchten wir eine andere Äußerung von Frau Fisher loben, die sich auf ihr Alter bezieht: „Ich finde die 40 irgendwie sexy.“ Das zeugt von Lebensfreude und ist doch nicht ganz so überdreht wie die Einlassungen von Spice Girl a. D. Mel B., die uns Gala übermittelt: „Mein Körper ist auf 165 Zentimeter verteilter purer Sex - und mein Bauch dabei sicher ein Highlight.“

          Die physischen Hauptattraktionen von Barack Obama sind dagegen nach übereinstimmender Analyse von Echo der Frau und Gala unter der Gürtellinie zu finden. Gattin Michelle sieht die magnetische Wirkung dieser Körperregion auf weibliche Verehrer mit großer Sorge, und auch der Präsident selbst fühlt sich unangenehm berührt, wie er einst nach einer Wahlveranstaltung offenbarte: „Jesus, ich wünschte, die würden endlich aufhören, mir an den Hintern zu fassen!“

          „Wir Blondinen sind gut fürs Fernsehen, aber uns heiratet kein Schwein

          Für uns gäbe es nichts Schöneres, als einmal den Duft der zarten Haut von Demi Moore inhalieren zu dürfen. Das Verlangen nach dieser Gnade wurde ins Unerträgliche gesteigert durch das Betrachten der fünfseitigen Anzeige in Gala, in der für die neueste Parfümkreation von Helena Rubinstein geworben wird und die nur provisorisch als Interview mit Madam Moore getarnt ist. Nicht ganz so erregend finden wir Popgirlie Lady Gaga, auch wenn ein von ihr entworfenes Produkt auf der letzten Seite von Gala mit einer stimulierenden Überschrift präsentiert wird: „Sanft verwöhnt von beiden Seiten.“ Der Text darunter stellt klar: Es geht um Ohrhörer.

          Wahrscheinlich ist das Liebesleben von Lady Gaga ohnehin weit weniger aufregend, als ihre Haarfarbe vermuten lässt. Gottschalks Studiodekoration Michelle Hunziker jedenfalls fordert in der Bunten eine Runde Mitleid für alle hellen Köpfe: „Wir Blondinen sind gut fürs Fernsehen, aber uns heiratet kein Schwein.“

          Noch größer als unser Bedauern angesichts der verschmähten Signora Hunziker ist das posthume Mitgefühl für Michael Jackson. In der Bunten lässt Gabelhochstapler Uri Geller wissen, er habe den Künstler nicht nur hypnotisiert, sondern auch versucht, ihm über einen Bekannten bei der Nasa eine Reise auf den Mond zu verschaffen. Wir möchten hiermit die Frage zur Diskussion stellen, ob es vertretbar ist, Uri Geller mit einem Container rostigen Essbestecks ins All zu schießen, oder ob ein solches Vorgehen Vergeltungsschläge von Außerirdischen gegen unseren Planeten provozieren könnte. Die besten Pro-und Contra-Leserbriefe veröffentlichen wir in der nächsten Ausgabe.

          Weitere Themen

          Gangsta-Rapper als Traumjob Video-Seite öffnen

          Clankriminalität in Neukölln : Gangsta-Rapper als Traumjob

          Für manche Jugendliche ist es attraktiver, Gangsta-Rapper zu werden als eine Ausbildung zu machen, beschreibt F.A.S.-Redakteurin Julia Schaaf die Situation im Berliner Stadtteil Neukölln. Genau da wollen die Behörden ansetzen.

          Topmeldungen

          Wahl von der Leyens : Eine pragmatische Lösung

          Das Europäische Parlament ist über seinen Schatten gesprungen und vermeidet mit der Wahl von der Leyens den Machtkampf mit dem Europäischen Rat. Der Erfolg der CDU-Politikerin sichert auch das Überleben der großen Koalition – fürs Erste.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.