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Herzblatt-Geschichten : Politik ist wieder sexy

Politik ist wieder sexy geworden: Philipp Rösler, der Doktor mit dem Lausbubencharme Bild: dpa

Ein schneidiger Baron, ein Doktor mit Lausbubencharme und ein fescher Naturbursche mischen das Kabinett ordentlich auf. Und Carla Bruni wünscht sich offenbar ein Kind. Ob sie dafür auch dreieinhalb Millionen Euro Erfolgsprämie kassiert?

          Wir hätten es nach dem öden Wahlkampf nicht erwartet, aber es ist offensichtlich: Regieren macht wieder Spaß, Politik ist wieder sexy geworden. Das fängt schon damit an, wer alles im Kabinett sitzt: Karl-Theodor zu Guttenberg, der schneidige Baron. Philipp Rösler, der Doktor mit dem Lausbubencharme. Norbert Röttgen, der fesche Naturbursche. Rainer Brüderle, der, äh, tja, und all die anderen eben. Insofern verwundert es uns nicht, welches traute Paar uns vom Titelblatt der Neuen Welt entgegenstrahlt. Auf einer dieser hundsmiserablen Fotomontagen, die sonst Prinz X mit Prinzessin Y verkuppeln, tauschen Angela Merkel und Barack Obama neckische Blicke über der Schlagzeile „Neue Hoffnung für Wohlstand und Frieden“.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Merkels Rede vor dem Kongress, lesen wir, habe „in vielen die verloren geglaubte Hoffnung auf Wohlstand und Frieden neu geweckt“. Es scheint also, als werde der unsinnige Krieg der Deutschen gegen Amerika endlich beendet. „Sie wollen die Welt verändern“, juchzt die Neue Welt, der so ein Plan schon wegen ihres Namens sympathisch sein muss, „und alle sind sicher: Gemeinsam werden sie es schaffen!“ Gegendarstellungen von Mahmud Ahmadineschad, Oskar Lafontaine und Fox News dürften in Vorbereitung sein. Von einer noch süßeren Romanze kündet die Bunte, die unseren Außenminister bei seinem ersten Treffen mit der Kollegin in Washington begleitet hat: „Immer wieder lächelt sie ihm zu, sie suchen den Blickkontakt“, notiert sie. Und zitiert Guido Westerwelle mit den Worten: „Als das offizielle Gespräch vorbei war, standen wir eine geraume Zeit allein im Vorraum. Da wurde aus Freundlichkeit Herzlichkeit.“ Nicht auszudenken, was noch daraus hätte werden können, wenn sie sich hingesetzt hätten. Beim folgenden Treffen in Berlin jedenfalls haben die beiden der Bunten zufolge „schon Küsschen ausgetauscht“.

          Sie sei die „heimliche Herrscherin“

          Das klingt fast schon so heiß wie die Liaison zwischen Sarkozy und Carla Bruni. Sie träumt laut dem Goldenen Blatt davon, nochmals Mutter zu werden: „Ich würde gern, aber ich weiß nicht, ob es mir mein Alter erlaubt.“ Wir meinen: Als erwachsene Frau und Première Dame muss sie doch nicht erst ihren Vater fragen! Oder meint sie gar Sarkozy selbst? Wie die Bunte spekuliert, ist freilich eher der Präsident seiner Gattin „hörig“: Sie sei die „heimliche Herrscherin“. Das war ja angeblich auch bei den Clintons so, als Bill noch präsidierte, und so ist es womöglich auch bei den Guttenbergs, unseren aktuellen Politlieblingen Nummer eins. Stephanie zu Guttenbergs Gespräch mit Gala entnehmen wir, dass sie eine noch größere Begabung als ihr Gatte ist. Sie ist attraktiv, spricht fließend etliche Fremdsprachen und kann nicht nur den Wasserhahn reparieren, sondern auch „das Radio, wenn es nicht allzu kompliziert ist“. Gut befreundet ist unser „Glamourpaar“ (Gala) übrigens mit Tom Cruise und Katie Holmes. „Und ich kann Ihnen nur sagen“, versichert Stephanie, „die beiden sind auch nur Menschen.“

          Karl-Theodor zu Guttenberg, der schneidige Baron

          Ziemlich menschlich geht es tatsächlich in deren Ehe zu. So hat Cruise seiner Gattin, wie Gala mitteilt, „dreieinhalb Millionen Euro Erfolgsprämie in Aussicht gestellt“, wenn sie wieder schwanger werde: „Sollte das Kind bis 2011 auf die Welt kommen, überweist er das Geld.“ Dagegen kann Ursula von der Leyen mit ihrem kümmerlichen Elterngeld einpacken. Laut Frau im Spiegel hat der Ehevertrag des Paars eine Laufzeit von drei Jahren und muss nun neu verhandelt werden. Im Bewusstsein, dass ihr Marktwert gestiegen ist, will Katie demnach neben den jährlich 170.000 Euro, die sie für ihre Unterstützung Scientologys einstreicht, eine Prämie von 370.000 Euro haben. Außerdem verlange sie eine Aufstockung ihres Mode-Etats von 500.000 Euro im Jahr auf 1,3 Millionen. Da sage noch einer, dass sich Liebe nicht lohnen könne.

          Ihre Antwort war ernüchternd

          Lange dürfte es also nicht dauern, bis wir über Katie Holmes jene Schlagzeile lesen, die Das Neue Blatt über die Sängerin Angela Wiedl druckt: „Sie wird noch mal Mutter“. Im dazugehörigen Text erklärt Wiedl dann zwar nur, dass sie sich Nachwuchs wünsche, doch der „Star-Astrologe“ Manfred Gregor meint: „Einen besseren Zeitpunkt wird es aus astrologischer Sicht für die Babyplanung nicht geben.“ Damit dürfte die Sache geritzt sein. Echo der Frau verrät derweil die 26 „größten Geheimnisse“ über Wiedls Kollegen Andy Borg. 25 sind stinklangweilig, eines aber interessant: Borg hört in Wahrheit auf den schönen Namen Adolf Andreas Meyer, der bei den Volksmusik-Fans bestimmt viel besser ankäme als der anglizistische „Andy“.

          Mit der Frau im Spiegel unterm Arm haben wir übrigens unsere Gattin mal auf das Thema Ehevertrag angesprochen. Wir seien ja in unserer Ehe ein echter Leistungsträger, haben wir gesagt, und würden das gern entsprechend belohnt sehen: 100 Euro monatlich, wenn wir unsere Socken wegräumen, 200 Euro, wenn wir den Wasserhahn reparieren, plus 1000 Euro Erfolgsprämie, wenn hinterher das Bad nicht schwimmt. Ihre Antwort war ernüchternd: Sie hat uns eröffnet, dass wir ablösefrei gehen könnten.

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