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Herzblatt-Geschichten : Nattern im Dschungel

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Ach, wir könnten uns ergötzen an Dialogen zwischen „Porno-Produzentinnen“ und „Gift-Nattern“. Aber auch die Udo-Jürgens-Frage: „Was ist wirklich los in dieser seltsamen Ehe?“, schreit nach medialer Aufmerksamkeit.

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          Hat es nicht etwas Gesundes, wenn wir den dünnen Firnis der Zivilisation abstreifen, wenn wir, statt nur böse Worte auszutauschen, wieder mit den Fäusten aufeinander zugehen? Das dachten wir, als in Baden-Württemberg ein Staatsminister einen anderen Politiker erst „Drecksau“ nannte und ihm dann eins reinhaute. Ja, das hat etwas Herzerfrischendes und wunderbar Unmittelbares. Und dann das Dschungelcamp auf RTL!

          Auch so ein Wahrhaftigkeits-Fanal. Denn wo sonst ergäben sich so unverstellte Dialoge wie die von Bild dokumentierte Auseinandersetzung zwischen „Porno-Produzentin“ Dolly Buster und „Gift-Natter“ Desiree Nick. „Pornostar werden kann doch jeder“, sagte Frau Nick nicht ohne anklagenden Unterton. Frau Buster aber gab zurück: „Und was machst du, du blöder Parasit, du blöder? Lebst vom Lästern, das ist doch abstoßend.“ Und wenig später: „Du bist eine Oma, die einen Scheiß redet durchweg. Und das mit dieser Stimme - das kotzt mich an.“ Ach, wir könnten uns noch stundenlang ergötzen an solchen Dokumenten ungeheuchelter Stutenbissigkeit, doch genau wie Bunte quält uns die Udo-Jürgens-Frage: „Was ist wirklich los in dieser seltsamen Ehe?“

          „Sein männliches Leben ein bißchen neben mir ausgelebt“

          Nachdem Corinna (44), die Gattin des Sängers, sich von Ronald Schill umarmen ließ, hätte die Öffentlichkeit ja nun wirklich ein Recht darauf, die wahren Hintergründe zu erfahren. Liebt Corinna den Krawall-Politiker? Leidet Udo Jürgens sehr? Lassen sie sich jetzt scheiden? Doch Corinna sagt in Bild nur dunkel: „Natürlich reden wir noch hin und wieder über das, was gewesen ist. Aber wir bleiben zusammen.“ Und Bunte blickt ins Archiv und konfrontiert den armen Udo erbarmungslos mit einer Aussage vom August: „Für einen selbst ist ein Seitensprung nach dem Duschen überstanden. Aber wenn der andere es tut, reißt es einem das Herz raus.“

          Jeder Schwerenöter kann das nachvollziehen und wird großes Verständnis dafür haben, daß Udo (70) sich, wie von Neue Revue beobachtet, sofort einer anderen zuwandte. Sie heißt Tina, ist 25 und sieht ganz süß aus, zierlich und blond. Wenn Sie, Männer, jetzt mal wieder neidisch sind und denken, was will die mit dem alten Knacker, dann halten Sie sich fest: „Er kennt sie seit fast zehn Jahren.“ Ja, die Welt ist schon ungerecht. Es werden sich auch nicht viele betrogene Frauen finden, die den untreuen Gatten wieder aufnehmen und dann wie Daniele Thoma über ihren Helmut in Bunte so großzügig anmerken: „Mein Mann hat nun mal sein männliches Leben ein bißchen neben mir ausgelebt.“ Oder nehmen Sie die Frau des Musikers Max Greger. Einmal hat sie ihn, wie er in Bunte treuherzig erzählt, gefragt: „Warst du mir treu?“ Da hat er geantwortet: „Du, sehr oft sogar.“

          „Lendengesteuerter Sing-Rammler“

          Und, Männer, falls wir Ihren Neid noch weiter schüren sollen, erzählen wir Ihnen auch gern die Sache mit Bruce Willis aus Bild. Also, der Hollywood-Star (49) war in Italien, ging mit Kumpels und Bodyguards in eine Disco. Sofort verschwand er in einem Separee. Ein Augenzeuge: „Acht Mädchen wurden ihm vorgeführt. So eine richtige Fleischbeschau. Bruce guckte sich zwei aus, die gleich bei ihm blieben.“
          Sie dagegen, Männer, arbeiten täglich zwölf Stunden, haben eine recht attraktive Frau und zwei etwas schwierige Kinder, Sie geben wirklich Ihr Bestes, aber nie werden Ihnen in der Disco acht junge Dinger vorgeführt.

          Und dann müssen Sie im stern auch noch lesen, was der Schriftsteller Joachim Lottmann über Ihresgleichen sagt: „Der supermotivierte Manager mit seiner Trophäenfrau und den verkorksten Kindern kann sich noch so sehr mit seinen Zwölfstundentagen abstrampeln, es nützt ihm nichts mehr.“ Vielleicht wäre es besser, man würde sich öfter etwas vormachen, sich das Leben und sich selbst schönreden. So wie Sie, Wolfgang Joop. Ihr Foto in Bunte, lieber Joop, ist in seiner gnadenlosen Selbstverliebtheit voll peinlich, und der Faltenwurf unter Ihrem linken Auge sieht irgendwie unnatürlich aus, haben Sie sich da Pölsterchen implantieren lassen? Aber dennoch Hut ab vor Ihrer Ego-Aufbau-Methode: „Wenn ich vor dem Rasierspiegel stehe, wirkt mein Gesicht bei meiner Weitsichtigkeit wie das eines jungen Mannes. Erst wenn ich weiter weggehe, könnte ich sehen, wie ich wirklich aussehe, aber dann bin ich aus dem Zimmer, und die Illusion bleibt.“

          Zum Schluß ein Wort an Dich, dicker Star-Tenor Pavarotti (160Kilo). Dein ehemaliger Manager Herbert Breslin hat ja ein Buch geschrieben. Darin enthüllt er Dich laut Bild als „lendengesteuerten Sing-Rammler“, der sogar in Umkleideräumen den Damen seine Stimmgabel präsentiert habe. Auch sollst Du zu einer gewissen Theatralik neigen. Als Dich 1987 eine Freundin habe verlassen wollen, sollst Du telefonisch gedroht haben: „Ich werde mich aus dem Fenster stürzen.“ Voller Sorge habe sich der Manager an seine Beraterin Giovanna Cavaliere gewandt. Doch Frauen sind klug. Sie hat gesagt: „Da paßt er eh nicht durch.“

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