https://www.faz.net/-hxl-7jqlk

Herzblatt-Geschichten : Nachträglich nackt gemacht

„Es war ein reines Dirndl-Shooting! Und man hat mich nachträglich ausgezogen“: Alena Gerber Bild: dpa

Bildbearbeitung mit größeren Brüsten und einem fremden brasilianischen Po: Model Alena Gerber beklagt ein skurriles Fotoshooting beim „Playboy“. Und auch Tom Cruise bleibt der Ärger mit der Presse nicht erspart.

          3 Min.

          Da haben wir aber gestaunt, dass das Echo der Frau uns ein, wenn auch ganz kleines, Interview mit einem Superstar präsentiert: „60 Sekunden mit Tom Cruise (51)“. Und dass dabei der Mann richtig hart rangenommen wird, indem er gefragt wird, ob seine Ex-Frau seine Tochter durch die Trennung vor Scientology schützen wollte. „Ich finde eine solche Frage verletzend. Bei uns, wie in jeder anderen Beziehung auch, führten viele Faktoren zur Trennung“, antwortet Cruise und sagt damit ungefähr das Gleiche, was er kürzlich laut einem öffentlich gewordenen Protokoll vor einem Gericht in Los Angeles aussagte.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Nein, Moment: Nicht ungefähr, sondern genau das Gleiche. Und die Frage stellte dort nicht das Echo der Frau, sondern ein Anwalt des Bauer-Verlags, welchen Cruise wegen der Berichte zweier Klatschblätter verklagt hat. Arbeitet der Advokat also nebenbei als Echo-der-Frau-Reporter? Oder, unwesentlich wahrscheinlicher, stibitzt das Echo der Frau schnell mal ein paar Sätze aus einem Gerichtsprotokoll und gibt sie als eigenes Interview aus? Was genau mag dann besagte „60 Sekunden“ gedauert haben: die Passage abzutippen? Die Skrupel zu überwinden? Vielleicht setzt das Blatt seine Rubrik ja kommende Woche fort und druckt den Monolog des früheren Bundespräsidenten vorm Landgericht Hannover ab: „45 Minuten mit Christian Wulff“. Schade nur, dass das Echo der Frau nicht im Bauer-Verlag erscheint, das wäre eine wirklich entzückende Pointe gewesen.

          Krieg gegen die Klatschblätter: Tom Cruise verklagt einen Anwalt des Bauer-Verlags Bilderstrecke

          Böse Machenschaften beim „Playboy“

          Ärger mit der Presse hat auch das Model Alena Gerber. Die Verlobte Sven Hannawalds hat 2008 für den Playboy posiert und beschwert sich nun in Bild: „Es war ein reines Dirndl-Shooting! Und man hat mich nachträglich ausgezogen.“ Zudem seien ihr am Computer „sogar größere Brüste und ein fremder Brasilien-Po anmontiert worden!“ Das weckt einen fürchterlichen Verdacht: Vielleicht wollten all die jungen Damen im Playboy dort lediglich die neue Herbstmode präsentieren, wurden dann aber digital entblättert und mit Körperteilen unbekannter, womöglich gar ausländischer Herkunft ausstaffiert. Der Playboy-Chef weist Gerbers Vorwurf als „völlig absurd“ zurück, und tatsächlich scheint uns die Beweislast bei ihr zu liegen: Man müsste sich das Ganze zum Vergleich halt mal in unbearbeitetem Zustand anschauen können.

          Der ziemlich wild zusammenmontierte Designer Harald Glööckler kündigt derweil gegenüber In seinen Rückzug aus dem Fernsehen an, das der Reality-TV-Star „zu einem gewissen Teil für menschenverachtend“ hält: „Vor einigen Monaten habe ich endgültig entschieden, dass ich genug von meinem Privatleben gezeigt habe und es gerne wieder nur für mich hätte.“ Liebend gern, Herr Glööckler, wir wollen gar nichts davon abhaben.

          „Größte TV-Blamage aller Zeiten“

          Mit einstimmen in die Litanei vom menschenverachtenden Medium kann Waldemar Hartmann, dem laut der zurückhaltenden Einschätzung von Bild die „Größte TV-Blamage aller Zeiten“ widerfuhr, als er bei „Wer wird Millionär?“ als Telefonjoker behauptete, Deutschland habe nie zu Hause eine WM gewonnen – was man, so der bei einer Lesung in Sindelfingen gestörte Waldi, in seinem Buch nachlesen könne. Dessen Titel („Dritte Halbzeit“) wies schon auf eine Mathe-Schwäche hin, nun werden auch Lücken im Sport offenbar. Während der Sindelfinger Buchhändler mit dem entschuldigend gemeinten Hinweis, Hartmann sei beim Telefonat „stocknüchtern“ gewesen, fast schon üble Nachrede betrieb, tröstete sich Waldi mit den Worten: „Die Erde wird sich weiterdrehen und der Ball bleibt eckig.“ Ach was, „rund“ hat er gesagt. Neben der Schmach von Córdoba 1978 ist unsere Fußballhistorie jedenfalls um die Schmach von Sindelfingen 2013 reicher.

          Häufiger stocknüchtern ist das Rockmusikerpaar Avril Levigne und Chad Kroeger, das laut Bunte strengen Regeln folgt: „Nie länger als zwei Wochen getrennt, kein Tropfen Alkohol, wenn wir nicht zusammen sind.“ So eine Abmachung halten wir für riskant, können sich die jungen Liebenden so doch nie sicher sein, ob der Partner sich tatsächlich so sehr über das Wiedersehen freut – oder darüber, dass er endlich wieder saufen darf.

          Miley Cyrus scheint derzeit eher regellos zu leben, was in Intouch ein natürlich anonym bleibender Bodyguard bestätigt. Natürlich mit vollem Namen meldet sich ein alter Intouch-Bekannter zu Wort, „Psychologe Prof. Dr. Alfred Gebert aus Münster“, der über Miley sagt: „Ihr Verhalten ist eindeutig als Schrei nach Aufmerksamkeit zu verstehen.“ Genauso wie Prof. Dr. Geberts Verhalten, mit Binsenweisheiten in Intouch aufzutauchen, womit er, ärgerlich für ihn, längst nicht soviel Gehör findet wie Miley.

          Wieder mit ihren „farbgewaltigen Gemälden“ (Das goldene Blatt) taucht Neu-Malerin Christine Neubauer in den Herzblättern auf. Sie will sie verkaufen, hat aber „mächtig Angst vor der Trennung“, lesen wir: „Bei einigen wünsche ich mir: Hoffentlich interessiert sich niemand dafür!“ Beim Blick auf die Bilder, liebe Frau Neubauer, können wir Sie beruhigen: Ihre Hoffnung ist gewiss nicht unbegründet.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Integrationskurs für Migrantinnen in Würzburg, 5. November 2015.

          Bayerns Integrationskurse : Keine staatliche „Gesinnungspolizei“

          Der Bayerische Verfassungsgerichtshof hat entschieden, dass Bayern eine landeseigene Leitkultur definieren und für diese werben darf. Verpflichtende Bürgerkundekurse für geistige Integrationsverweigerer hat der Gerichtshof hingegen richtigerweise untersagt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.