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Herzblatt-Geschichten : Knuffe mich mal kumpelhaft

Weiß, wie man Frauenherzen gewinnt: Wolfgang Niedecken Bild: dpa

Sollte man Frauen möglichst lang warten lassen? Wie romantisch war der G-7-Gipfel? Und wie gefährlich sind reisende Römer? Die Herzblatt-Geschichten.

          3 Min.

          Joachim Sauer dürfte es momentan ziemlich gut gehen. Zumindest dann, wenn er sich die Fotos angeschaut hat, die am Rande des G-7-Gipfels vom sogenannten Damenprogramm gemacht wurden: Schwer vorstellbar, dass Angela Merkels Ehemann es genossen hätte, sich mit den Politikergattinnen auf eine vom ehemaligen Skiläufer Christian Neureuther angeführte Nordic-Walking-Tour zu begeben.

          Jörg Thomann
          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Er habe, erzählt Neureuther Bunte, den Damen viel erklärt: „Bayern ist ein Paradies, hier wachsen Orchideen und Alpenrosen, das Knabenkraut und die Waldhyazinthe.“ Es geht doch nichts über Völkerverständigung an der frischen Luft, auch wenn die Kommunikation herausfordernd gewesen sein mag: „This is a forest hyacinth. And look here, a boy cabbage.“ Neureuther jedoch schwärmt: „Ich habe mich in die vier Frauen verliebt.“ Womit es eine Frage der Zeit ist, bis das erste Herzblatt die Titelstory bringt: „Rosi Mittermaier – Wie kann er ihr das antun? Ihr Mann liebt vier andere“.

          Lässiges Lächeln

          Bei den Politikern selbst sparte man auch nicht mit Emotionen. So hat Bunte beobachtet, wie „Joe Biden Olaf Scholz freundlich über den Arm streicht und kumpelhaft knufft“. Ob Scholz zurückgeknufft hat? Der Kanzler jedenfalls, schreibt Franz Josef Wagner in der Bild-Zeitung, sei beim Gipfel „ein anderer Olaf Scholz“ geworden: „Als Gastgeber der Großen wurden Sie selbst groß. Fließend sprechen Sie Englisch, Sie wirken lässig, beim Händeschütteln, beim Lächeln.“ Beim Lächeln lässig wirken, das würden wir auch sehr gerne, bei uns sind aber nur selten ganz Große zu Gast. Ob Joe Biden auch mal bei uns vorbeischauen könnte? Und, da Ihre Leute ja eh alles mitlesen: Sie, Putin, sind natürlich nicht mitgemeint. Sollten Sie bei uns eines Tages mal einmarschieren wollen, rechnen Sie nicht mit kumpelhaftem Knuffen.

          Knuffige Kumpel: Biden und Scholz
          Knuffige Kumpel: Biden und Scholz : Bild: dpa

          Ein weiterer Brief Franz Josef Wagners erzählt von Boris Becker. „Seine Zelle hat die Größe eines Schuhkartons. Ein Mithäftling hat sich gerade erhängt. Der Geruch in dem Gefängnis ist furchtbar.“ Ähm: Kann es sein, Wagner, dass Sie leicht dramatisieren? Gelesen hat man zuletzt nichts davon, dass sich im Hunter­combe-Gefängnis jemand erhängt hätte. Aber wo der Brief schon so spektakulär anfängt, wollen wir ihn einfach mal fortschreiben: „Missmutig nagt Boris an dem trockenen Kanten, den es als Brot vom Vormonat in der Knastbäckerei so billig gibt. Die nachmittäglichen Schusswechsel der Wärter mit den revoltierenden Drogenbaronen nimmt er kaum noch wahr. Der Tunnel, den er begonnen hat zu graben, ist schon 3,25 Meter tief, leider hat er irgendwo im Sand seinen Löffel verloren, aber mit Fingernägeln und Zähnen geht es ebenfalls leidlich voran.“

          Vergleichsweise undramatisch sind die Fragen, die Frau im Spiegel Hannelore Hoger stellt. „Was essen Sie gern?“ etwa, oder „Haben Sie Lieblingstiere?“ Darauf gibt Hoger eine erstaunlich ausgefeilte Antwort: „O ja. Ich mag Berggorillas, Löwen, Krähen, Raben und Elefanten. Alles schlaue Tiere.“ Wir haben nun vor, ähnlich originell zu reagieren, sollten wir mal nach unserem Lieblingstier gefragt werden. „Das Braune Buschkänguru“ käme als Antwort gut rüber, wobei wir nicht wissen, ob dieses Tier nicht vielleicht ein wenig dumm ist.

          Ein südländisches Gen

          Hogers Kollegin Christine Neubauer, die gerade ihr sechstes Jahrzehnt vollendet hat, zeigt sich in Bunte überzeugt: „Wie 60 werde ich erst aussehen, wenn ich 100 bin.“ Woraus man schließen könnte, dass sie sich momentan das Aussehen einer Zwanzigjährigen bescheinigt. Was Liebe und Leidenschaft betrifft, wähnt Neubauer ein „südländisches Gen“ in sich und kann dies auch belegen: „Ich habe mal Ahnenforschung in meiner Familie betrieben, und da stand bei einigen Kindern ein Fragezeichen, wenn es um den Vater ging. Vor allem in den Orten, an denen die Römerstraße vorbeiging.“ Eifersüchtige Ehemänner dürfte dies veranlassen, nach durchreisenden Römern Ausschau zu halten.

          Ein Lokal in der Emilia-Romagna hat Bunte mit dem Schauspieler Tom Wlaschiha besucht und stellt fest: „Der Kellner trägt ein Shirt mit der Aufschrift ,#NoSpaghettiBolognese‘. Ein kleiner Gastro-Protest gegen örtliche Kulinarikkonventionen.“ Als Deutsche müssen wir hoffen, dass das keine Schule macht. Kellnershirts mit „#NoGetrennteRechnungen“ oder „#EsHeißtNichtLatteMatschiato“ fänden wir gar nicht komisch.

          Seine Frau auf Reisen kennengelernt hat, wie er Frau im Spiegel erzählt, Wolfgang Niedecken. Am Kölner Flughafen hatte er mit seiner Band „einen Riesenspaß, weil wir für unseren Auftritt einen Kuhschädel dabeihatten, den wir immer wieder durch den Gepäckscanner laufen ließen. Das hatte eine große Schlange hinter uns zur Folge, in der auch meine Frau stand.“ Heißt: Wenn man Frauen nur lang genug warten lässt, wird sich schon was ergeben? In dieser Logik sind die langen Schlangen an unseren Flughäfen zu begrüßen: Etliche Romanzen dürften jetzt dort beginnen. Und man muss nicht mal einen Kuhschädel mitbringen.

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