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Herzblatt-Geschichten : Teils sogar sexy Einblicke

Holt sie sich Segen oder Ehetipps? Merkel beim Papst Bild: dpa

Rettet der Papst die Ehe der Kanzlerin? Geht es Frauen beim Fußball nur um nackte Haut? Und blicken wir alle zu oft in den Spiegel? Die Herzblatt-Geschichten.

          3 Min.

          Es ist eine aufregende Zeit, dieser Herbst: Veränderung liegt in der Luft. Selbst der Fortsetzungsroman des Goldenen Blatts wendet sich zeitgemäßen Sujets zu: „Im Herbst sägt Maike mit ihrem Bruder Torben Kaminholz. Da taucht dort im Wald ein Mann auf, der ihren Sägeschein kontrollieren will.“ Eine selbstbewusst mit der Kettensäge hantierende Heldin, das hätte es früher nicht gegeben. Ob Maike ihren Sägeschein dabeihat oder aus Versehen den Segelschein, ob sie dem Fremden ihr Herz schenkt oder nur ein wenig Holz, das lesen Sie bitte selbst nach. Ein Kettensägenmassaker jedenfalls wird sie hoffentlich nicht anrichten, schließlich sind wir im Goldenen Blatt.

          Jörg Thomann
          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Genug angerichtet hat der geschasste Chef der Bild-Zeitung, die sich unter dessen Nachfolger ebenfalls ändern und unter anderem humorvoller werden soll. Da der frühere Bild-Boss zum Lachen stets in den Schützengraben ging, heißen wir dies im Prinzip gut, auch wenn es zunächst nur zu dem Witzchen führt, dass Armin Laschet als NRW-Ministerpräsident seine (sic) „Entlaschungsurkunde“ erhalten habe. So richtig luschtig, ähm, lustig ist das noch nicht; Laschets Nachfolger Hendrik Wüst allerdings dürfte schon zittern, was Bild sich wohl mit seinem Namen einfallen lässt.

          CSU-Frau Dorothee Bär ist ihr Amt als Staatsministerin auch bald los, hat dann aber vielleicht noch mehr Zeit für ihre Kinder, die entscheidenden Anteil daran haben, was Bär in Bunte als ihre „Seelenstreichler“ nennt: „morgendliche Waldläufe und wildes Kinder-auf-meinem-Körper-Herumhüpfen. Bevorzugt um sechs Uhr morgens . . .“ Wir haben mal nachgeschaut: Bärs Kinder sind neun, zehn und 15 Jahre alt – da mag das Herumhüpfen auf der Mama vielleicht deren Seele streicheln, ihren Bauch aber auch ganz schön strapazieren.

          Welche Veränderungen stehen der geschäftsführenden Kanzlerin noch bevor? „Angela Merkel & Joachim Sauer – Letzte Hoffnung in der Ehe-Krise – Jetzt holen sie sich Hilfe von ,ganz oben‘“, schreibt Das Neue. „Ganz oben“ bedeutet hier nicht etwa Frank-Walter Steinmeier, sondern den Papst, zu dem das Paar gereist ist. Während andere Medien behaupten, Merkel habe mit Franziskus über Klimawandel und Kindesmissbrauch in der Kirche gesprochen, weiß Das Neue, der Papst habe ihr in Liebesdingen „ins Gewissen“ geredet: „,Es erfordert Arbeit, um für die Beziehung zu kämpfen und nicht in der Beziehung zu kämpfen‘, riet der Pontifex den beiden.“ Dessen Neuerfindung als Eheberater hat sich offenbar auch zu einer Schlagersängerin herumgesprochen: „Pilgerreise nach Rom – Anita Hofmann – Der Papst soll ihre Ehe retten“, titelt Freizeitrevue. Wir drücken die Daumen, sind aber skeptisch: In Fragen zu Ehe und Beziehungen halten wir ausgerechnet den Papst nicht für den geborenen Experten.

          Gieren nach nackter Haut

          Frauen hingegen haben wenig Sinn für Fußball. Findet zumindest der – männliche – Bunte-Reporter, der Regisseur Simon Verhoeven zu dessen FC-Bayern-Film fragt: „Viele Frauen lesen Bunte, viele von ihnen sind keine Fußball-Fans. Ist Ihre Doku dennoch interessant für sie?“ – „Ich glaube, gerade Frauen bekommen hier private und teils sogar sexy Einblicke geboten, vor allem in der Kabine natürlich“, meint Verhoeven. So sind sie, die Frauen: keine Ahnung von Abseits, doch immerfort nach nackter Haut gieren.

          Schauspielerin Christina Athenstädt gesteht Frau im Spiegel, „dass mir Liebesszenen mit meinem Mann“ – er ist ebenfalls Schauspieler – „schon deutlich peinlicher sind als mit einem fremden Kollegen“. Man fürchte nämlich, „die Leute könnten es damit verwechseln, wie wir privat als Paar sind“. Da hülfe eine Einblendung, wonach es bei dem Paar privat nicht ganz so wild zugeht wie auf dem Bildschirm. Oder, je nachdem, nicht ganz so sanft.

          Diese Liebe begann mit Schmerzen: John Neumeier (r.) und Ehemann Hermann Reichenspurner
          Diese Liebe begann mit Schmerzen: John Neumeier (r.) und Ehemann Hermann Reichenspurner : Bild: dpa

          Eher heftig begann die Liebe des Choreografen John Neumeier zu seinem heutigen Ehemann, einem Herzchirurgen: „Hermann hatte mir 2001 im Ballettzentrum im Vorübergehen seine Visitenkarte zugesteckt, ich solle mich melden, wenn ich mal ein medizinisches Problem habe“, erzählt er Bunte. „Ein paar Tage später war es so weit. Ich war zu Hause mit dem Kopf auf einen Tisch geschlagen und blutete.“ Sollte der Gute das Wiedersehen provoziert haben, kann man seinen Einsatz nur bewundern. „Er kam dann sogar nach Florenz, um die Nähte zu ziehen. Es war so etwas wie die Geburtsstunde unserer Liebe“, so Neumeier weiter. In romantischen Stunden werden beide gewiss zurückdenken: Weißt du noch, wie du mir damals die Nähte gezogen hast?

          Keine leichte Aufgabe ist es auch, sich selbst zu lieben. Wie das gelingen kann, dazu hat Echo der Frau einen überraschenden Vorschlag: Man solle ein paar Tage nicht in den Spiegel schauen. „Spüren Sie stattdessen Ihren Körper mit allen Sinnen, fühlen Sie bewusst die Kleidung auf Ihrer Haut, achten Sie auf Ihre Haltung.“ Nicht auszuschließen freilich, dass Sie in diesen Tagen dann schlecht rasiert, schlecht gekämmt und mit Zahnpastafleck auf dem Kragen ins Büro gehen, aber egal: Es sollen ja nicht die anderen Sie lieben, sondern Sie sich selbst.

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