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Herzblatt-Geschichten : Wie funktioniert Atom-Sex?

Blaublütiger Pilot: König Willem-Alexander Bild: AP

Der niederländische Regent Willem-Alexander ist ein wahrer König der Lüfte. Seit Jahren befördert der blaublütige Pilot unerkannt den niederen Pöbel. Ob Queen Elizabeth mit ihren 90 Jahren da auch auf dumme Gedanken kommt?

          Irgendwas haben wir falsch gemacht. Schmerzlich wurde uns das bewusst, als wir im Neuen Blatt das Doppelinterview mit Jutta Speidel und ihrer Tochter Antonia lasen, welche nach besonderen Kindheitserinnerungen gefragt wird und antwortet: „Oh, da gibt’s diese schöne Erinnerung, dass ich immer, wenn ich ihren Schlüssel im Schloss hörte, schnell das Augustiner aus dem Keller holte. Ich wusste, jetzt braucht Mami erst mal ein Bier.“ Wir hingegen haben es all die Jahre versäumt, unseren Kindern so eine schöne Erinnerung zu verschaffen. Und uns selbst ein schönes Bier.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Was gar kein schlechter Übergang ist zum König der Niederlande. „Verheimlichte Sucht“, titelt Neue Post, „Willem-Alexander: Warum spielt er mit seinem Leben?“ Besagte Sucht, erfahren wir, ist ein Hobby, bei dem der König „immer wieder sein Leben aufs Spiel setzt“, lesen wir. Denn: „Jeden Monat steuert der König mindestens zweimal ein Flugzeug. Für ,klm‘ sitzt er als Co-Pilot bei ganz normalen Linienflügen im Cockpit“, verrät Neue Post und bangt: „Was, wenn der König abstürzt?“ Nicht die Bohne hingegen kratzt Neue Post offenbar das Schicksal der Passagiere, deren Leben nach dieser Logik ja ebenfalls aufs Spiel gesetzt wird – zumal bei einem Co-Piloten, dessen Spitzname früher mal „Prinz Pilsje“ lautete. Wir jedenfalls sind froh, dass wir in den Niederlanden selten Linie fliegen – und hoffen, dass Queen Elizabeth, 90, nicht demselben heimlichen Hobby frönt.

          In die Lüfte zieht es auch die FDP-Politikerin Lencke Steiner, die Frau im Spiegel, warum auch immer, „exklusiv zum ,Base Flying‘ begleiten durfte“. Dabei stürzt man sich an einer Seilwinde ein Hochhaus hinab. Gefragt, was sie aus dem Erlebnis mitnehme, antwortet Steiner: „Zukünftig werde ich mir zu Herzen nehmen, gerade bei dem einen oder anderen politischen Thema einen Schritt weiterzugehen“ – und dann in den Abgrund zu rauschen? Wir dachten eigentlich, die Zeit der Abstürze sei für die FDP für eine Weile vorbei. „Die FDP hat ihre Spitzenleute gebündelt, weil sie mit einem starken Ergebnis in den Deutschen Bundestag einziehen will“, sagt Steiner dann noch, und seitdem haben wir ein hilfloses, fest zusammengeschnürtes FDP–Bündel vor Augen.

          Der neue Mann in Merkels Leben

          Neu gebündelt hat sich, laut Das Neue, auch die Kanzlerin. „Angela Merkel – Neuanfang nach den dramatischen Wochen – Der neue Mann in ihrem Leben“, titelt das Blatt, und wer dessen Berichterstattung über die Jahre verfolgt hat, der kann sich schon denken, wer gemeint ist: Emmanuel Macron. Schon Merkels Begegnungen mit dessen Vorgänger hatten Das Neue zu den abgeschmacktesten Stories animiert. „Zuletzt sorgte vor allem François Hollande bei unserer Kanzlerin für erhöhten Pulsschlag“, schreibt das Heft und behauptet über Merkel und Macron: „Sie können die Hände kaum voneinander lassen.“ Kein Wunder, wisse der Franzose doch, „wie er mit reifen Damen umgehen muss“. Einzig weil wir gern wüssten, was Das Neue sich dann hätte einfallen lassen, bedauern wir es jetzt ein klitzekleines Bisschen, dass die Wahl nicht Marine Le Pen gewonnen hat.

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          Zu vielerlei Phantasien regt seit jeher auch Marilyn Monroe an, die der Bild-Autor Norbert Körzdörfer nun als „Atom-Sex-Bombe“ bezeichnet – was die Frage aufwirft: Wie, Herr Körzdörfer, funktioniert eigentlich Atom-Sex? Oder wollten Sie vielmehr ausdrücken, dass Monroe eine „Sex-Atombombe“ war, und haben sich mal wieder eine Fehlzündung geleistet?

          „Ich mag sterben 2000er“

          Eine Frage haben wir auch an RTL: Hast du tatsächlich eine Nostalgie-Show, wie Frau im Spiegel behauptet, „I like die 2000er“ genannt? Also so, dass automatisch jeder das übersetzen muss: „Ich mag sterben 2000er“? Ja, das hast du ganz bestimmt.

          Sind sie nicht süß die beiden? Angela Merkel und der neue Mann in ihrem Leben: Emmanuel Macron

          Nicht moderieren wird diese Sendung Alexander „Honey“ Keen, denn „die Zeiten, in denen ich Trash-Formate gemacht habe, sind vorbei. Ich will seriöser werden“, versichert er In. Mallorca-Auftritte etwa will er sich sparen: „Dafür liegt seine Musik bei Plattenlabels wie Universal auf dem Tisch.“ Solange sie da auf dem Tisch liegt, ist ja nichts zu befürchten, Hauptsache, das Zeug wird nicht mal irgendwo gespielt.

          Semino Rossi wird philosophisch

          Philosophisch wird es mit dem Sänger Semino Rossi im Goldenen Blatt. „,Ich glaube, das Leben ist eine Reise‘, überlegt er nachdenklich“, und: „Diese Reise hat Kurven, Geraden, manchmal auch Berge.“ Wir finden ja, dass so ein nachdenkliches Überlegen schon etwas mehr zu Tage fördern dürfte als derartige Binsenweisheiten.

          Auf der Reise durch ein Leben voller Binsenweisheiten: Sänger Semino Rossi

          Manchmal aber hat diese Reise auch Schlaglöcher, und dann kommt eine Aktuelle-Story heraus wie diese hier: „Til Schweiger – So wüst lebt er!“ Die Aktuelle nämlich hat sich in Schweigers Wohnviertel umgeschaut und schlimme Zustände entdeckt – dreckige Straßenschilder, schlecht geflickte Straßen: „Dass die Straße vor seiner Haustür zusehends zugemüllt wird, scheint Til Schweiger trotzdem nicht zu stören.“ Die kleinen Schmutzfinken der Aktuellen jedenfalls freut es. Das Verfahren ist bekannt, schon 2013 titelte das Heft: „Günther Jauch – So wüst lebt er!“ Uns hat das auf die Idee gebracht, mal die Zustände in der Münchner Straße in Ismaning zu überprüfen, wo Die Aktuelle residiert: Im Januar wurde dort ein Mann aus Bremen ausgeraubt, im März eine betrunkene Radlerin von der Polizei gestoppt. Weshalb wir hiermit feststellen dürfen: Am wüstesten lebt mit Abstand Die Aktuelle selbst.

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