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Herzblatt-Geschichten : Im Herzen war ich nie blond

Eine Frau, ein Kontinent: Christine Neubauer Bild: dpa

Christine Neubauer feiert ihren 60. Geburtstag, die „Bild“ vergisst zu ihrem Siebzigsten einige Weggefährten und Heike Makatschs Partner klaut ihre Blusen: die Herzblatt-Geschichten.

          3 Min.

          Herzlichen Glückwunsch, liebe Bild-Zeitung! Du feierst Deinen Siebzigsten und könntest mithin längst in Rente sein, was Dir mancher auch innigst wünschen dürfte. Wir zählen nicht dazu, weil wir wissen, was wir an Dir haben: Ohne Bild wäre diese Kolumne ja fast undenkbar.

          Jörg Thomann
          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Auf Deinem Titelblatt vom Freitag hast Du eine Vielzahl Prominenter abgebildet, deren Weg Du begleitet hast. Offenherzig-treue Zuträger sind darunter wie Lothar Matthäus, Harald Juhnke, Franz Beckenbauer und Thomas Gottschalk, dazu noch Chaplin, Elvis und die Monroe und, selbstironischer Insidergag, Günter Wallraff. Wo aber ist Dieter Bohlen, mit dem Du in all den „DSDS“-Jahren in perfekter Symbiose – vertrauliche Infos gegen freundliche Presse – lebtest? Wo sind jene Menschen, die Du zu Deinen Geschöpfen machtest, um ihnen skandalisierende Schlagzeilen im Dutzend zu widmen, wie „Deutschlands frechster Arbeitsloser“?

          Wo sind sie alle?

          Wo sind Rainer Wendt und Heinz Buschkowsky, bei denen Du 24/7 empörte Zitate abrufen kannst über verfehlte Sozial- und Migrationspolitik? Wo sind Streeck, Stöhr und Schmidt-Chanasit, die Corona-Experten Deines Herzens? Wo ist Richard Grenell, Trumps von Dir stets hofierter Deutschland-Botschafter? Wo ist Sebastian Kurz, den Du einst mit den Worten „So einen brauchen wir auch“ bejubeltest? Dass Angela Merkel nicht dabei ist, überrascht nicht. Dafür aber Lindner, Söder und von der Leyen – und niemand von SPD oder Grünen, womit Bild getreulich die eigene politische Linie abbildet.

          Bild: F.A.Z.

          Anders als die jungen Damen, die Bild früher zu zeigen pflegte, treten die Kandidatinnen für eine neue Aktion nicht mehr barbusig auf: „Bild sucht Sommer-Girl und -Boy“ – und zwar in ebenjenem Sprachmischmasch, der nahelegt, dass die Bild-Leserschaft zwar die englischen Wörter für Junge und Mädchen kennt, nicht aber dasjenige für Sommer. Eine „fröhliche, freche, frische Fotobewerbung“ eingeschickt haben auch Zwillinge: „Jessica (28, l.) aus Leipzig ist 11 Minuten älter als ihre eineiige Zwillingsschwester Jennifer: ,Darum bin ich eher vernünftiger.‘“ Seltsamerweise will sie trotzdem ebenfalls Bild-Sommer-Girl werden.

          Prügel statt Pommes

          Eine aufsehenerregende Schlagzeile hat Bild schon am Mittwoch geliefert, „Gewalt-Alarm in unseren Freibädern“ – und darüber die Zeile „Früher Pommes – heute Prügel“. Heißt das denn, in den Bädern kriegt man keine Pommes mehr? Prügel scheint uns da kein rechter Ersatz zu sein, selbst wenn es die umsonst gibt.

          Ein zweites Mal Ja zu ihrem Franjo gesagt hat, wie sie ebenfalls in Bild ausbreitet, Verona Pooth. Sie passt sogar noch in ihr altes Brautkleid von Chanel, das sie einst von Karl Lagerfeld bekam: „Die Chanel-Box, in der es geliefert wurde, war so groß wie meine erste kleine Wohnung, als ich mit 19 Jahren ausgezogen bin“, erzählt sie. „In die Schachtel hätte ich einziehen können.“ Hoffentlich hat sie die irgendwo aufbewahrt, in schlechteren Zeiten könnte sie sich noch als nützlich erweisen.

          Kleiderlieferantin ihrer Familie: Heike Makatsch
          Kleiderlieferantin ihrer Familie: Heike Makatsch : Bild: AP

          Kostenbewusst scheint auch die Familie von Heike Makatsch zu denken. Gala lässt sie wissen, dass in ihrem Schrank „Kleider, Blusen und Hosen hängen, die schamlos von jedem Mitglied der Familie – ohne zu fragen – angezogen werden“. Jedes Mitglied, das schließt dann neben ihren drei Töchtern auch ihren Partner und Kollegen Trystan Pütter ein. Werden wir mal beim nächsten Roten-Teppich-Termin drauf achten, wie ihm Makatschs Kleider und Blusen stehen.

          Der Fehler ihres Lebens

          Eine Stilveränderung hat einst Jennifer Aniston vorgenommen, die in Bunte zitiert wird: „Ich hatte als Kind wunderschöne Haare bis zur Taille. Meine Mutter erlaubte mir, sie mit 13 abzuschneiden. Das war der größte Fehler meines Lebens!“ Dabei war sie immerhin mal mit Brad Pitt verheiratet, der sie mit Angelina Jolie betrog. Wäre jedenfalls lustig gewesen, wenn all die „Friends“-Fans mit einem „Rachel“-Cut rumgelaufen wären, der aus Haaren bis zur Taille bestand.

          Laut Frau im Spiegel hat Aniston unlängst wieder einen Fehler gemacht, der ihr einen Shitstorm einbrachte. Hollywood, habe sie gesagt, sei heute voll von Menschen, die „berühmt fürs Nichtstun“ seien wie „Monica Lewinsky oder Paris Hilton“. Dieser Shitstorm scheint verdient: Lewinsky ist ja nicht berühmt geworden, weil sie etwas nicht getan hätte.

          Wie Bild ihren Geburtstag gefeiert, aber erst ihren sechzigsten, hat Christine Neubauer. Über ihren José sagt sie Gala: „Bei uns ist immer was los, da prallen zwei Kontinente und Mentalitäten aufeinander.“ Wenn dem so ist, dann müssten durch den Zusammenprall ja irgendwo neue Gebirge entstanden sein, da sollten Geowissenschaftler mal nachforschen. Über die Phase, in der sie ihre Haare blond trug, sagt Neubauer: „Das war ein Spaß, ein Abenteuer, im Herzen war ich nie blond.“ Das können wir nachvollziehen. Auch wir nämlich haben im Herzen gar nicht diese sehr, sehr hohen Geheimratsecken. Im Herzen haben wir wunderbares volles Haar.

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