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Herzblatt-Geschichten : Sie kann prima logisch denken

Versiert im logischen Denken: Cathy Hummels Bild: dpa

Wie sehr fürchtet die Klatschpresse Putin? Ist die Liebe ein Bumerang? Und hat der geohrfeigte Chris Rock noch Glück gehabt? Die Herzblatt-Geschichten.

          3 Min.

          Die Redaktionen vieler Herzblätter haben offenbar was falsch verstanden. Grundsätzlich wäre das nichts Neues, nur geht es diesmal um Russlands Krieg gegen die Ukraine – und zur Sicherheit noch mal zum Mitschreiben: um einen Krieg. Beim ersten Konzert nach ihrer Babypause hat Helene Fischer mit klaren Worten bekannt, sie „verabscheue zutiefst, was da gerade vor sich geht, und vor allem diesen einen Menschen“ – den einen „Mann, der zu viel Macht hat“.

          Jörg Thomann
          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Klatschblätter hätten viel lieber ein paar Sätze über ihr Kind gehört, doch immerhin war Fischer bei ihrem Statement den Tränen nahe, und daraus würde sich schon was machen lassen.

          Im Bann von Putin

          Zum Beispiel die Schlagzeile von Schöne Woche: „Helene Fischer – Die Trennung bricht ihr das Herz“. Dass das sich auf die zerrissenen ukrainischen Familien bezieht, steht erst weiter hinten. Oder das Cover der Frau mit Herz, das Fischer neben Andrea Berg zeigt: „Helene Fischer – Tränenausbruch – Andrea weiß, warum!“ Wir würden ja denken, Wladimir weiß es viel besser, doch Berg, lesen wir im Artikel, hat auch schon „bei Auftritten das ein oder andere Tränchen weggewischt“. Es ist das übliche Elend, das aber eine neue Nuance erfährt: Kaum ein Blatt druckt das Wort Krieg.

          Bei Frau aktuell taucht „der schreckliche Konflikt in der Ukraine“ auf, in Die neue Frau setzt Fischer nur vage „das aktuelle Weltgeschehen“ zu. Die Chefredakteurin der Frau im Spiegel beklagt im Editorial „die Ukraine-Krise“ und behauptet über Fischer: „Mit russischen und ukrainischen Wurzeln kann sie den Konflikt der beiden Länder gut nachvollziehen.“ Und eben hier scheint das Missverständnis vorzuliegen: Das Verbot, den Krieg Krieg zu nennen, bezieht sich, werte Herzblätter, auf Journalisten, die in Russland arbeiten. Oder hat Putin unser Land etwa schon erobert – oder zumindest eure Redaktionsstuben?

          Auf dem Weg zum Gericht: Boris Becker
          Auf dem Weg zum Gericht: Boris Becker : Bild: AP

          Da ist es fast eine Wohltat, einzutauchen in die wunderlichen Wortwelten des Bunte-Chefredakteurs, der uns diesmal wissen lässt: „Die Liebe ist ein Bumerang. Sie kehrt immer wieder zu dir zurück.“ Womit man sie also getrost wegwerfen kann. „Doch du musst sie erst auf den Weg bringen. Mit Kraft, Geduld und Entschlossenheit. Und du musst ihren Flug aufmerksam verfolgen.“ Klar, denn sonst kriegst du sie, wenn sie zu dir zurückkehrt, mit Karacho ins Gesicht.

          Bankrott und bankrotter

          Immer wieder zurückgekehrt, allerdings in Gestalt wechselnder Frauen, ist die Liebe zu Boris Becker, was für sein Geld leider nicht gilt. Dem Londoner Gericht hat er nun erzählt, dass, als er 2017 für bankrott erklärt wurde, seine Frau „ausgerastet“ sei: „Mein Sohn Elias rief mich an und sagt mir, meine Frau wirft Möbel aus dem Fenster“, hat er laut Frau im Spiegel gesagt. Ob sie dies mit Kraft, Geduld und Entschlossenheit tat und den Flug aufmerksam verfolgte? Wir hätten auch gern gewusst, welche Teile betroffen waren: Handlicheres wie Wanduhren und Stehlampen oder gar Sessel und Anrichte? So oder so scheint uns die Reaktion nicht durchdacht gewesen zu sein, denn anschließend war Becker ja eher noch bankrotter.

          Mit Salz vor Schlimmem bewahrt sich Sophia Loren: „Um sich vor dem bösen Blick zu schützen“, weiß Freizeitwoche, trage sie „immer unter ihrer Kleidung eine Prise.“ Ein Modeschöpfer habe ihr „auf ihren Wunsch hin direkt etwas Salz in den Saum ihrer Kleider eingenäht“. Das kann sich als praktisch auch dann erweisen, wenn man irgendwo fades Essen serviert bekommt: schnell den Saum auftrennen, Salz rein und genießen. Es könnte allerdings sein, dass einen dann der böse Blick trifft, und zwar der von den Gastgebern. Waschen darf man solche Kleider dann natürlich nicht.

          Kaffee in der Milch

          Für eine Influencerin wie Cathy Hummels wäre Salz als Zutat zu banal. Im Gala-Fragebogen erklärt sie, nicht leben zu können ohne „meinen täglichen Filterkaffee mit Hafer- und Sojamilch“, was uns stark verunsichert hat: Hafermilch haben wir zwar zu Hause, offenbar aber den Trend verpasst, dass in den Kaffee jetzt immer gleich zwei Sorten Milch gehören. Um ganz sicherzugehen, haben wir am Morgen in unseren Kaffee Hafermilch, Sojamilch, Reismilch, Haselnussmilch, Mandelmilch und, für die gute Laune, einen Schuss Sonnenmilch gerührt. Hat leider entsetzlich geschmeckt, und kalt war die Plörre auch.

          „Besonders gut“ sei sie, gibt Hummels weiter zu Protokoll, „im logischen Denken“, was manchen überraschen mag, und danach befragt, was sie „mit verbundenen Augen“ hinbekäme, antwortet sie, dass sie dann „sogar einen Kopfstand schaffe“. Wirklich logisch gedacht, mit Verlaub, scheint uns das nicht, denn verbundene Augen dürften beim Kopfstand gar nicht groß stören. Stärker beeindruckt wären wir, sie bekäme den mit verbundenen Armen und Beinen hin.

          Verbundene Arme Will Smiths hätten die Oscar-Gala vor einem Eklat bewahrt. Ausgerechnet Smith bringt Bunte nun als Beispiel für ihre Story über hohen Blutdruck: „Er hat seinen Blutdruck mithilfe einer Fastenkur normalisiert.“ Da kann Chris Rock, den Smiths Ohrfeige traf, ja noch von Glück sagen, dass Smith an dem Abend keinen hohen Blutdruck hatte.

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