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Herzblatt-Geschichten : Wenn Frauen zu sehr faxen

Faxt mit Ulrich Matthes: Bundeskanzlerin Angela Merkel Bild: dpa

Angela Merkel und Ulrich Matthes beweisen Sinn für Nostalgie, Angelique Kerber denkt schon an eine Karriere im Privatfernsehen und Til Schweiger ist Hänsel – oder Gretel?

          Den Satz der Woche hat unser Tennis-Star Angelique Kerber gesagt, und zwar zur Reporterin der Bunten: „Ich bin ja jetzt wohl das, was man als prominent bezeichnet, oder?“ Die Frau vom Fach kann das nur bestätigen: „Ja, jetzt sind Sie prominent!“ Gut, dass das geklärt ist. Und bald wird „Angie“, wie Bunte sie vertraulich nennt, erkannt haben, was genau das bedeutet: prominent zu sein.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Es bedeutet zum Beispiel, von Bunte so fotografiert zu werden, dass neben einem ein Bunte-Heft liegt. Oder gefragt zu werden, warum „eine so sympathische, erfolgreiche und gut aussehende Frau wie Sie eigentlich Single“ ist. (Irgendwann, antwortet Kerber, werde sie „bestimmt den Richtigen finden“.) Es bedeutet, obzwar man Single ist, auf dem Cover der Gala über sich lesen zu müssen: „So lebt und liebt die neue Steffi“. Es bedeutet, dass ein Satz über ein befreundetes Paar („Ich freue mich auf die Hochzeit, aber den Termin kann ich nicht sagen“) zur Titelstory in Bild aufgeblasen wird: „Ups! Tennis-Star Angie Kerber (28) hat’s verraten: Bastian Schweinsteiger (31) und Ana Ivanovic (28) wollen heiraten – wohl in diesem Sommer.“

          Ihre ersten Lektionen in Sachen Ruhm dürfte sie also gelernt haben. Wenn wir, Frau Kerber, dennoch ungebetenen Rat loswerden dürften: Ihren „großen Wunsch, einmal bei ,Let’s Dance‘ mitzumachen“, den Sie gegenüber Bunte geäußert haben, sollten Sie sich wirklich erst dann erfüllen, wenn karrieretechnisch echt gar nichts mehr geht. Ratschlag zwei: Halten Sie sich fern von Oliver Pocher. Und nehmen Sie es hin, mit Ihnen unbekannten Leuten verkuppelt zu werden, wie auf dem Cover von In: „Menderes & Angelique – Ihr Liebes-Geheimnis – Was den Dschungel-König und die Tennis-Queen verbindet“. Antwort: natürlich nichts, außer dass beide Single sind.

          Ihre ersten Lektionen in Sachen Ruhm dürfte Angelique Kerber gelernt haben.

          Mit solchen Artikeln hat eine andere Angie schon Erfahrung – und diese Woche kommt eine neue hinzu: „Pikant! Angela Merkel – Sie hat einen heimlichen Freund!“, titelt Die Aktuelle und schreibt: „Eine Kanzlerin hat viele Geheimnisse. Durch einen dummen Zufall kam ihr größtes jetzt ans Licht...“ Hinter Merkels größtem Geheimnis verbirgt sich demnach der geschätzte Schauspieler Ulrich Matthes, der im vergangenen April dem SZ–Magazin ein Interview gab, welches Die Aktuelle – sollte das mit dem „dummen Zufall“ gemeint sein? – anscheinend erst jetzt entdeckt hat. Darin erzählte Matthes, dass er Merkel „alle paar Monate“ ein Fax schicke, worauf sie stets antworte.

          Auf die Rückfrage des Interviewers – „Sie faxen sich?“ – antwortete Matthes seinerzeit lachend: „Das klingt ja fast schon anzüglich!“ Der Aktuellen ist das noch nicht anzüglich genug, weshalb sie die Korrespondenz in die Dunkelheit verlagert: „Nachts schickt sie ihm Faxe...“ Sich heute noch Faxe zu schicken, findet Die Aktuelle „richtig romantisch“ und zeigt neben dem nicht ganz so romantischen Foto eines Faxgeräts das Bild einer lächelnden Kanzlerin: „Denkt Angela Merkel hier an eines der Faxe des Schauspielers?“ Oder vielleicht an die Faxen der Aktuellen?

          Schauspieler Ulrich Matthes: „Das klingt ja fast schon anzüglich!“

          Pikante Konversation betreibt auch Guido Maria Kretschmer. Bevor er sein Atelier verlasse, gucke er, wie Die neue Frau weiß, „alles an, rede mit jedem Kleid und sage: ,Na, Mäuschen, du könntest gut laufen.‘ Herrlich, welch intimes Verhältnis Guido zu seinen Schöpfungen hat!“ Doch darf ein Mann ein Damenkleid einfach „Mäuschen“ nennen? Und möchte man sich als potentielle Kundin bei so einer intimen Beziehung dazwischendrängeln?

          Eine innige Freundschaft pflegen auch Til Schweiger und Fahri Yardim, wie der Bild-Interviewer Norbert Körzdörfer feststellt, dem dazu nicht eine seiner üblichen verunglückten Tiermetaphern einfällt, sondern eine verunglückte Märchenmetapher: „Til & Fahri wirken ein wenig wie Hänsel und Gretel“, schreibt Körzdörfer ohne weitere Erklärung. Haben sie denn mit Brotkrumen geschmissen? Trägt Til Schweiger Zöpfe? Und wer ist dann bitte schön die Hexe – die Filmkritiker?

          „Wie Hänsel und Gretel“: Til Schweiger und Fahri Yardim

          Sein „Ehe-Geheimnis“ offenbart „Bergdoktor“ Hans Sigl: „Niemals im Klinsch einschlafen“, sagt er in Schöne Woche. „Klinsch“, das mussten wir im Duden nachschlagen, ist der unausgebackene Teig von Brot oder Kuchen, und dass man darin nicht einschlafen sollte, ist mal ein vernünftiger Rat.

          Der goldene Klinsch für die unausgebackenste Geschichte der Woche geht an Frau aktuell für ihre Titelstory: „Prinzessin Victoria – Frühgeburt! Baby-Jubel in der Klinik“. Noch ist das Kind nämlich in Mamas Bauch, und der angebliche Jubel in der Klinik bezog sich auf Victorias Entscheidung, ihr Kind ebendort und nicht daheim zu gebären. Alles klar.

          Erster! „Frau aktuell“ legt in der Baby-Berichterstattung vor.

          Ist das Kind dann auf der Welt, wird es sich, wie Angie Kerber, daran gewöhnen müssen, prominent zu sein. So wie Apollo, der zwei Jahre junge Sohn der Sängerin Gwen Stefani, der laut In „im Out-of-Bed-Look“ so „richtig stylish“ aussehe: „So lässig: Apollo trägt über seinem Schlafi eine Trainingshose.“ Erstaunlicherweise ist das exakt der Look, in welchem wir morgens Brötchen holen. Mal sehen, ob die Bäckersfrau uns auch echt stylish findet – oder ob sie uns wieder Klinsch andreht.

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