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Herzblatt-Geschichten : Einsame Helene

Ist Helene Fischer einsam? Die Klatschblätter machen sich große Sorgen um den Schlagerstar. Bild: dpa

Meghan Markles Vater plaudert über die politischen Vorlieben seines Schwiegersohnes, der schwedische Adel hat nichts zu lachen und erst recht nichts zu lächeln, und auch Schlagersänger brauchen Liebe. Unsere Herzblatt-Geschichten.

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          Seit vielen Jahren gibt es ja die segensreiche Lebenshilfesendung „Bauer sucht Frau“, die der traurigen Tatsache Rechnung trägt, dass unseren vielbeschäftigten Landwirten kaum Raum für Romantik bleibt: Sie stehen mit den Hühnern auf, ackern auf dem Acker, strampeln sich im Stall ab und gehen auch mit den Hühnern ins Bett – und weil Letzteres natürlich nur im übertragenen Sinn zu verstehen ist, fühlen sie sich zuweilen recht einsam. Dank der RTL-Sendung hat so mancher Bauer nun eine liebe Bäuerin an seiner Seite und manches Paar sogar ein kleines Bäuerchen.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Angesichts dieser reichen Ernte lag es nahe, dass RTL einen ähnlichen Service auch für andere Menschen anbietet, deren Berufswahl sie ähnlich schwer vermittelbar macht: Investmentbanker, Kopfgeldjäger, AfD-Politiker, Klatschheftredakteure, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Die neue RTL-Show, von der wir durch die Bild-Zeitung erfahren, richtet sich aber an eine Klientel, die wir nicht auf der Rechnung hatten. Heißen wird sie „Schlager sucht Liebe“, und weil wir uns zunächst verlesen hatten, dachten wir: Selbst schuld, wer als gewalttätiger Mensch keinen Partner findet. Doch dann merkten wir, dass gar nicht von Schlägern, sondern eben von Schlagern die Rede ist: In der von Beatrice Egli moderierten Sendung „hoffen einsame Schlagersänger nach ,Bauer sucht Frau‘-Vorbild auf den/die Richtige“. Ja, ist denn dieses Berufsbild derart auf den Hund gekommen? Veteranen mit rührigem Liebesleben wie Udo Jürgens, Drafi Deutscher oder Stefan Mross müssten sich da im Grab umdrehen, das heißt, Mross natürlich nur im Bett. Was mag den heutigen Schlagerstars beim Liebeswerben im Wege stehen? Ihr voller Terminkalender, ihre Frisuren oder, am wahrscheinlichsten, ihr Gesang?

          Doch wer hätte das gedacht: Sogar jener Schlagerstar, der am ehesten der Gattung der eierlegenden Wollmilchsau zuzurechnen ist, kennt bäuerliche Einsamkeit. „Diese Einsamkeit ist verrückt“, hat Helene Fischer laut Neuer Post in einem Radio-Interview den Moment beschrieben, in dem sie nach einem Konzert ihr Hotelzimmer aufsucht. „Ich schotte mich ab, damit ich wieder zu mir komme. Trotzdem ist es das Schönste und Wichtigste, auch direkt, nachdem ich in mein Zimmer gekommen bin, mit Florian zu telefonieren.“ Solche Sätze sind für die Schlagzeilenbastler der Herzblätter eine Steilvorlage. Neue Post etwa titelt: „Schock-Beichte – Helene Fischer – Warum sie jetzt dringend Ruhe braucht“. Die neue Frau schreibt: „Helene Fischer – So einsam! Sie braucht Flori mehr denn je“. Woche heute teilt mit: „Helene Fischer – Erschütternder Hilferuf! Große Sorgen um die schöne Sängerin“. Klarer Punktsieger diese Woche jedoch dürfte Freizeitwoche sein mit ihrer Schlagzeile: „Helene Fischer – Tragödie im Tour-Hotel – Oh Gott! Wie soll es jetzt nur weitergehen?“

          Diese Frage stellt sich auch, wer der Titelstory der Aktuellen ansichtig wird: „Aufregung in Schweden – Victoria – Bitte nicht! Hat Klein Oscar die schreckliche Krankheit geerbt?“ Klatschheft-Kenner freilich wissen längst, von welch schrecklicher Erbkrankheit die Rede ist: der in Schwedens Königsfamilie verbreiteten Legasthenie. „Manche Schweden sehen bereits Anzeichen dafür, dass der kleine Oscar in ernster Gefahr ist“, schreibt Die Aktuelle. „Denn er lächelt in der Öffentlichkeit so gut wie nie.“ Und das bestimmt, weil der Zweijährige die ganze Zeit grübelt, wie er mit einer Lese- und Rechtschreibschwäche zurechtkommen wird. Oder leidet er auch noch an einer Lächelschwäche?

          Sieht so eine glückliche Familie aus? Die Klatschblätter vermuten die erste Krise bei Harry und Meghan.

          Das Lachen vergangen scheint auch dem Herzogspaar Harry und Meghan zu sein. „Ihre erste Krise – Skandal am Königshof! Bekommen sie den peinlichen Schwiegerpapa unter Kontrolle?“, titelt Gala. Gott, so schlimm ist Prinz Charles ja nun auch wieder nicht! Aber es geht gar nicht um ihn, sondern um Meghans Vater Thomas Markle, der gerade ein Fernsehinterview gegeben hat und darin nicht nur baldigen Nachwuchs für die Tochter angekündigt, sondern auch von politischen Diskussionen mit Harry berichtet hat. Bunte zitiert ihn: „Ich stehe Trump kritisch gegenüber, aber Harry riet mir, ihm eine Chance zu geben. Zum Brexit sagte mein Schwiegersohn, dass ich doch offen für dieses Experiment sein solle.“ Wenigstens hat Thomas Markle nicht auch noch verraten, ob Harry Putin und Kim Jong-un ebenfalls klasse findet oder ob die Queen für Markus Söder schwärmt.

          Viel friedlicher geht es im deutschen Adel zu. Erbprinz Carl Ferdinand und Elna-Margret Prinzessin zu Bentheim und Steinfurt haben ihr zweites Kind bekommen und „Gala exklusiv und als Erste über die Geburt des Mädchens informiert“, welche „zu Hause im Schloss“ erfolgte und offenbar völlig unkompliziert war: „Sie glich eher einem gemütlichen Abend im Kerzenschein“, teilt Elna zu Bentheim mit. „Sogar unsere Hunde schauten immer mal wieder nach mir.“ Komisch, dass andere Frauen aus einer Geburt immer so eine große Sache machen, aber die haben vielleicht auch kein Schloss und keine helfenden Hunde.

          Der erste einsame Schlagersänger, der die Hilfe von RTL in Anspruch nehmen wird, steht laut Bild derweil auch schon fest: Er heißt Tim Toupet. Und ein erster Schritt hin zur Zweisamkeit könnte für ihn ein neuer Künstlername sein, der nicht so deutlich auf ein körperliches Manko hinweist. Wie wäre es mit Emil Echthaar?

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