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Herzblatt-Geschichten : Kinders, Kinders

Mit Romantik hat Angelinas Hochzeitskleid wenig zu tun Bild: dpa

Wenn die Bunte Brangelina 17 Seiten widmet, können auch Männer ihren Eisprung fühlen. Wer sonst noch irre Baby-Pläne hegt und was Prinz Harry mit dieser oder jener Herzdame vorhat – die Herzblattgeschichten im Kinderwahn.

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          Dass das Leben-Ressort der F.A.S. am vergangenen Sonntag die Seite 3 für die Frischvermählten Angelina Jolie und Brad Pitt freigeräumt hat, kam ja nicht überall gut an. Auf Twitter schrieb einer: „#FAS Eine Dreiviertelseite für Brangelina. Wir werden alle sterben.“ Ob das nun gezielter Kulturpessimismus war oder nur die Feststellung unser aller Endlichkeit auf Erden: schwer zu sagen. Oder, ganz anders, war dem Tweeter eine Dreiviertelseite noch ZU WENIG? Erhoffte er sich noch eine weitere Aufhellung für seine düstere Weltsicht? Die Bunte jedenfalls legte eine umfangreiche Strecke hin, inklusive neun zum Teil großformatiger Fotos von der Vermählung selbst, die, wie Chefredakteurin Patricia Riekel sinngemäß schrieb, weltexklusiv in Deutschland gezeigt werden durften. Hoffentlich tweetet jetzt mal einer: „#Bunte. 17 Seiten für Brangelina. Der Tod: Vielleicht ist doch noch was zu machen.“

          Bertram Eisenhauer

          Verantwortlich für das Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Dank der Brangelina-Fotos weiß man jetzt außerdem, was man nie anders vermutet hätte: Wenn Menschen erst mal schön sind, sind sie besonders durch Hochzeitskleidung kaum zu entstellen. Das Paar wirkt verliebt, normal, entzückend. Und diese Kids erst! Drei adoptiert, drei leiblich, allesamt bezaubernd. Ich konnte regelrecht meinen Eisprung fühlen, dabei bin ich ein Mann.

          Nur dass Schleier und Schleppe von Jolies Kleid über und über mit kunterbunten Zeichnungen bedeckt waren, die ihre Kinder angefertigt hatten, muss man nicht wie Bunte und Bild für eine geplante superromantische Geste halten; in einem Haushalt mit sechs Zöglingen – das ist mehr als das Vierfache der deutschen Geburtenziffer –, ist da überhaupt irgendwas davor sicher, bekritzelt zu werden? Man kann sich den Dialog vorstellen: „Oh, Shiloh, jetzt hast du Mommys Hochzeitskleid bemalt! Hätten wir dich doch nie adoptiert!“ – „Ich bin adoptiert?“ – „Ach so, nein, du ja nicht. Aber manchmal kommt es mir echt so vor.“

          Da kann auch Lady Di nicht mehr helfen

          Doch man kann wahrlich den Überblick verlieren mit dem Nachwuchs. Gerade in der vergangenen Woche wieder: „Baby-Jubel!“ titeln sowohl Echo der Frau als auch Das goldene Blatt; nur dass die einen Albert und Charlene von Monaco, 56 resp. 36, jubeln sehen, weil das Babybäuchlein der Fürstin inzwischen unübersehbar sei, die anderen aber Prinz Harry, 29, und „seine Herzdame Cressida Bonas“, 25, die sich angeblich nach „Fremdflirten“ und Trennung wieder versöhnt haben – was aber mit Babys und Jubel nur insofern was zu tun hat, als Harry in einem Alter sei, „in dem er vielleicht sesshaft werden und eine Familie gründen möchte“, wie Das goldene Blatt Befunde der Biographieforschung klug zusammenfasst.

          Wer ist noch mal Sylvie Meis und woher hat sie diese irren Ideen? Hier schenkt sie Wowi auf der IFA eine Zahnbürste

          Nur: Ob Harry das weiß mit dem Werden und dem Gründen? Laut Frau im Spiegel verbringt er den Sommer nämlich nicht mit Cressida, sondern mit Camilla Thurlow, 25, einer einstigen „Miss Edinburgh“ und studierten Sportwissenschaftlerin, die für eine Stiftung arbeitet. Blicken wir doch mal auf die Checkliste fürs prinzliche Paarungsverhalten: Camilla hat eine gute Figur – Häkchen. Sie ist charity-erprobt – Häkchen. Brünett ist sie auch: „Ähnlichkeit mit Herzogin Kate“ (Frau im Spiegel) – Häkchen. Nur heißt sie wie seine Stiefmutter – Punktabzug.

          Prinz Harry und Cressida. Passt doch besser als Camilla, oder?

          Ach, wenn doch nur Prinzessin Diana noch am Leben wäre! Ob sie ihrem Jüngsten nicht helfen könnte? Natürlich, Di hatte selbst auch nicht gerade das beste Händchen bei der Partnerwahl.

          Eine Mutter darf auch etwas dicker sein

          Doch während Harry noch gründlich nach der künftigen Mutter seiner Kinder sucht, ist Sylvie Meis, 36, schon weiter: Laut InTouch hat sie einen „irren Baby-Plan“. Ich muss gestehen, ich muss jede Woche aufs Neue einen Kollegen fragen, wofür genau Meis prominent ist, aber der Kollege ist im Urlaub, und ich erinnere mich nur vage: Entweder war Meis selbst mal Fußballprofi, war mal mit einem solchen verheiratet oder saß während eines Spiels in einem Bikini auf der Bühne. Und der „irre Plan“ besteht darin, dass Meis seit einigen Monaten einen neuen Mann an ihrer Seite hat, ein spanisches Model adliger Abstammung, aber schon von einem zweiten Kind redet. Moment, ich schaue das noch mal nach bei InTouch; ja, doch, das ist der, äh, irre Plan.

          Wer in jungen Jahren auf seine Figur achtet, darf als Mutter auch etwas zulegen: Drew Barrymore

          Die eigentliche Sensation der Woche jedoch ist die neue Nachsichtigkeit der Bunten, die sonst wie alle bunten Blätter mit Argusaugen darüber wacht, dass die Promis nicht zu dick (oder zu dünn) werden. Erst kürzlich spekulierte bunte.de etwa darüber, ob nicht die Familie Beckham ein Gewichtsproblem habe. Genauer: Tochter Harper, die gerade mal drei ist. Gnädiger zeigt man sich nun im Fall von Drew Berrymore, die laut „Bunte-Waage“ und einem Paparazzo-Foto ca. 20 Kilo zugenommen hat: „Ja, so sieht das im Normalfall aus, wenn man vor einem halben Jahr ein Kind bekommen hat.“ Bloß gut, dass Drew schon 39 ist und keine drei mehr.

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