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Herzblatt-Geschichten : Jetzt verbietet die Kanzlerin auch noch Ostern

Kein Ostern? Danke, Merkel! Bild: AFP

Die „Bild“-Zeitung schwelgt in Erinnerungen an Ostern im Bikini, Jürgen Drews will keine Nacktszenen drehen, und der Mann von Verona Pooth kann sich „top verpflegen“. Die Herzblatt-Geschichten.

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          Das muss man wohl schlechtes Timing nennen. Die Sängerin Lana Del Rey und Sean Larkin, die laut „Bunte“ seit vergangenem Oktober ein Paar waren, haben ihre Beziehung beendet. „Grund der Trennung: die vollen Terminkalender der beiden“, weiß „Bunte“. Hätten sie doch nur noch ein wenig gewartet! Nun hocken die beiden, jeder für sich, partnerlos in ihren Wohnungen und gucken traurig in ihre leeren Terminkalender.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Noch trauriger hat wohl nur der Redakteur der „Bild“-Zeitung geguckt, als er folgende Schlagzeile formulieren musste: „Merkel – 5. Amtszeit wegen Corona?“ Es ist ja auch niederschmetternd: Da müht sich das Blatt seit Monaten, ach was, Jahren, die Kanzlerin aus dem Amt zu schreiben, wirft ihr Tag für Tag vor, entweder nichts oder das Falsche zu tun, verzehrt sich nach einem Sebastian Kurz oder wenigstens Friedrich Merz – und muss nun mitansehen, dass die Natur in ihrer Grausamkeit da womöglich was dagegen hat. Die Umfragewerte der Union steigen, und die Klatschblätter drucken Zeilen wie „Besonnen durch die Krise – Angela Merkel – Sie geht mit gutem Beispiel voran“ („Freizeitwoche“) oder „Angela Merkel – In der schlimmen Krise – Bloß gut, dass wir Angie haben!“ („Woche heute“). Es ist zum Haareraufen.

          „Kein Osterfeuer, kein Hase“

          Bei ihrem neuesten, verzweifelten Vorstoß fährt „Bild“ daher allerschwerstes Geschütz auf: Jetzt verbietet die Kanzlerin auch noch Ostern. „Ostern wie es immer war fällt aus!“, ächzt das Blatt auf seiner Titelseite, druckt daneben ein Merkel-Bild und klagt: „Kein Osterfeuer, kein Hase“. Moment mal, wir dachten, durch Tiere würde das Virus gar nicht übertragen? Der Hase darf also gern weiter vorbeihoppeln, allerdings hat er zumindest bei uns seit jeher enormen Sicherheitsabstand gehalten.

          „Bild“-Kolumnist Franz Josef Wagner schreibt an das „liebe Ostern 2020“ einen Brief und behauptet: „Da Du nun ausfällst (Eiersuchen, Schokohase), bleibt uns die Erinnerung.“ Noch überraschender als die Nachricht, dass Merkel nun auch Schokohasen verbietet, ist Wagners Mitteilung, welche Erinnerungen er persönlich mit Ostern verbindet: „Zu viel Alkohol, Ehekrach, zu viel Bikinis.“ Es ist ein Jammer, dass so schöne Traditionen jäh unterbrochen werden. Danke, Merkel!

          Möchte beim „Bergdoktor“ mitspielen: Jürgen Drews

          Ob auch Jürgen von der Lippe, der Mann mit den zu vielen Hawaiihemden, sich an zu viele Bikinis erinnert? „Themen wie Sex und Partnerschaft sind für Sie kein Tabu“, stellt jedenfalls der „Bunte“-Interviewer fest und fragt: „Wie wichtig ist Leidenschaft im Alter?“ – „Sehr wichtig!“, entgegnet von der Lippe. „Sie hat nur andere Prioritäten. Statt Sinnentaumel und erotischer Raserei eher mal eine schöne Pizza.“ So betrachtet, dürften viele Deutsche eine leidenschaftlichere Beziehung führen, als ihnen selbst bewusst ist.

          Bernie Ecclestone hingegen zieht der Pizza weiterhin die Raserei vor, wie es sich für einen ehemaligen Formel-1-Boss auch gehört: Er wird, wie „Bild“ weiß, „im Juli wieder Vater, diesmal ist es ein Junge!“ Ehefrau Fabiana ist 46, Ecclestone selbst 89. Jack White, der sich vergangenes Jahr rühmte, mit seinerzeit 78 Jahren der älteste junge Vater im Musikbusiness zu sein, muss nun hoffen, dass Ecclestone nicht auch noch eine Platte herausbringt.

          Jürgen Drews, gerade 75 geworden, hegt statt später Vaterschaft einen anderen Traum: Er möchte beim „Bergdoktor“ mitspielen. „Und eins muss von Anfang an feststehen“, informiert er „Frau im Spiegel“: „Nacktszenen dreh ich keine!“ Dann dürfte daraus bedauerlicherweise nichts werden, ist doch der „Bergdoktor“ für seine zahllosen Nacktszenen berüchtigt; da würde sich auch ein knackiges Kerlchen wie Jürgen Drews gewiss freimachen müssen.

          Trotzen der Krise: Verona und Franjo Pooth

          Ihre zu vielen Bikinis derzeit nur daheim vorführen kann Verona Pooth, welche die Isolation mit Mann und Söhnen dennoch genießt: „Wir haben so viel Energie. Man könnte eine Glühbirne an uns anmachen“, prahlt sie gegenüber „Gala“, obgleich eine Glühbirne bei vier Personen gar nicht mal so viel erscheint. Gute Ideen haben die Pooths allemal: „Unser Jüngster Roccolito hat angefangen, mir meine eigene Parfüm-Sammlung zu schenken“, erzählt Verona. Eine Idee, die auch uns neue Perspektiven eröffnet: Statt Ostergeschenke für die Töchter zu kaufen, fischen wir einfach alten Kram ganz tief aus der Spielzeugkiste, den sie vermutlich nicht mal wiedererkennen werden.

          Er „hat viel Energie, kann sich gut selbst beschäftigen“, lobt Pooth – nein, nicht Roccolito, sondern Ehemann Franjo. Der kann sich überdies auch „top verpflegen“. Heißt, er kann ganz allein den Kühlschrank aufmachen? Verona selbst, erfahren wir dann noch, kann „darüber schmunzeln“, dass ihre 15 und 8 Jahre alten Söhne „heimlich im Internet Schutzanzüge und Masken bestellt haben, um für einen Besuch bei Oma und Opa ausgerüstet zu sein“. Da wird sie sicher herzhaft lachen, wenn demnächst auch noch 30 Tonnen Klopapier angeliefert werden.

          Ein neues Geschäftsmodell erprobt Désirée Nick: „Für schlappe 99 Euro werden Sie – oder eine Person Ihrer Wahl – per Videobotschaft beleidigt!“, teilt sie via „Bild“ mit. „Das ist die Demokratisierung der lustigen Häme.“ Ob die Kunden vorab wunde Punkte angeben müssen oder ob Nick allein nach Optik vorgeht, bleibt offen. Allen Interessenten indes bieten wir an dieser Stelle besagte Dienstleistung ganz umsonst an: Wenn Sie 99 Euro für so einen Mist ausgeben, dann sind Sie eindeutig mit dem Klammerbeutel gepudert.

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