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Herzblatt-Geschichten : Im Wendekreis der Krebse

  • -Aktualisiert am

Wer im Legoland verewigt wird, gehört zum Club der Superpromis. Bild: AFP

Was haben wir gebangt und gezittert. Junge oder Mädchen? Nein, es ist ein Prinz. So weit sind Albert und Charlene noch nicht, doch das „Echo der Frau“ ist sich seiner Sache ganz sicher sein: ein Grimaldini ist im Anmarsch.

          Es ist an sich ganz richtig, uns hier über die jüngsten Lebensabschnittsschritte der Tina Turner auf dem Laufenden zu halten. Uns von der Rock-’n’-Roll-Fraktion, die noch galant genug ist, von „Miss Tina Turner“ zu sprechen, interessiert das einfach alles. „Die Romantik-Hochzeit des Jahres“ vermeldet gerade die Bunte, die schon wissen wird, was sie tut, wenn sie dieser Angelegenheit sogar ein ganzes Editorial widmet, denn Tina Turners Mann Erwin Bach ist sechzehn Jahre jünger.

          Edo Reents

          Verantwortlicher Redakteur für das Feuilleton.

          „Wobei“, gibt das Blatt wertkonservativ zu bedenken, „nicht der Altersunterschied das Ereignis ist, sondern die Langlebigkeit der Beziehung. 27 Jahre glücklich miteinander.“ Wenn man die Bunte so schwärmen hört, fragen wir uns, ob Erwin Bach bei Beginn dieser Beziehung überhaupt schon auf der Welt war, um dann, wenn wir die Brille abnehmen, festzustellen, dass er doch schon 57 ist. Tina ist 73.

          Wir wollen ihr nicht zu nahe treten, aber damit ist sie, trotz hoffentlich noch lange anhaltender Vitalität, ja, geradezu Jugendlichkeit, wohl doch schon zu alt für ein Ereignis, wie es nun Kate widerfuhr. Halten wir uns an die Bunte: „Ihr kleiner Prinz verzaubert die Welt.“ Aber kaum geboren, schwebt auch schon der Schatten des Problembabys über, wie wir dann doch überraschend schnell erfuhren, George Alexander Louis: „Astrologen sagen, es wird ein sensibles Kind.“ So was kann man bei der Geburt noch nicht so genau wissen, und seit wann hängt der Empfindlichkeitsgrad vom Sternzeichen ab?

          Die vom Blatt eigens auf den Fall angesetzte Astrologin gibt jedenfalls diese Einschätzung ab: „Das Baby wird wie sein Vater ein gefühlvoller, sensibler, phantasievoller kleiner Krebs, der noch mehr emotionale Geborgenheit in der Familie und Ruhe braucht als andere Krebs-Kinder.“ Wir wollen nicht unken, aber eher gibt’s am King’s College hitzefrei, als dass dieser kleine Prinz von Cambridge in seiner Familie auch nur annähernd so etwas wie Ruhe und Geborgenheit findet.

          Die Hochzeit ist Teil einer ausgebufften Werbekampagne. Das neue Album kommt im Herbst. Bilderstrecke

          Wahre Dramen spielen sich unterdessen bei Familie Pooth ab. „Eiszeit“, schlägt, offensichtlich erstmals die Reize der Doppeldeutigkeit auskostend, die aktuelle Alarm, und das im Hochsommer! „Leckeres Eis hat leider viel zu viele Kalorien“, teilt die Zeitschrift gewohnt schadenfroh mit. Nun gut, allzu hochgelegt scheint uns, angesichts der auch hier üblichen Berichte über Krebs, Herzinfarkt oder wenigstens Untersuchungshaft, die Schicksalsmesslatte nicht; wird doch bloß gemeldet, dass Verona Pooth (ehemals Feldbusch) aus Diätgründen kein Eis essen kann, Mann und Kinder aber durchaus.

          Dagegen klotzt, wie man es von ihm auch nicht anders gewohnt ist, Das goldene Blatt: „Eistorten zum Dahinschmelzen“ werden hier, sprachlich ebenfalls recht pfiffig, empfohlen. Davon könnte selbst Verona Pooth naschen, denn Das goldene Blatt listet für ein Stück von der „Karamell-Kuppeltorte“ nur 150 Kalorien auf, das müsste drin sein, und, wer weiß, vielleicht entfaltet diese Kuppeltorte bei der, nach den Fotos zu urteilen: immer noch total knackigen Verona noch ganz andere Wirkungen...

          Die Welt, gerade die des Hochadels, ist schon verrückt: absolut schillernd, das ist klar, aber irgendwie auch sehr uneindeutig, fast wie der Sprachgebrauch der Blätter, die über sie berichten und uns diese Woche den Schweiß besonders auf die Stirn treiben, als wären die ganzen Hochzeiten, Todesfälle, Geburten und sonstigen Partys nicht schon genug. Da versucht die aktuelle, Fürstin Charlene eine tiefe persönliche Krise anzudichten, um aber mit der sehr richtigen Erkenntnis zu schließen: „Denn nur Geduld und Liebe kann eine verletzte Seele wieder heilen“; in diese Kerbe haute vergangene Woche auch schon die Bunte.

          Und was lesen unsere tränennassen Augen im Echo der Frau? Offenbar ist doch alles in Butter, Charlene und Albert seien sogar schon „am Ziel ihrer Träume“. Denn es ist ein Wunschbaby in Sicht, zwar wohl noch gar nicht gezeugt, aber Charlene will da jetzt Nägel mit Köpfen machen: „Es wird geschehen.“ Albert soll schon ganz feucht geworden sein - in den Augen, wie das Blatt entschärfend versichert.

          Ob nun schwanger, krank oder sensibel - das Leben unserer Promis nimmt sich dagegen doch recht bieder aus. Heidi Klum etwa, selbst immer für eine kleine Gehässigkeit gut, steckt in einer stinknormalen Bredouille: „Gemein! Seal will ihr Glück zerstören“ (Das Neue Blatt) - wenn’s weiter nichts ist. Sie hätte sich eben nicht mit ihrem Leibwächter einlassen sollen.

          Oder Stefanie Hertel, die von ihrem Trompeter-Partner Stefan Mross umgesattelt hat auf einen, wie Das Neue Blatt herausgefunden hat, „österreichischen Rock-Gitarristen“, eine Verbindung, die dem Volksmusik-Publikum schon aus geschmacklichen Gründen nicht recht sein kann: „Hetzkampagne“ also. Das hätten wir ihr gleich sagen können: Was Gott geschieden hat, nämlich Rock’n’Roll und Humptata, das soll der Mensch nicht zusammenfügen.

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