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Herzblatt-Geschichten : Nachdenklich unter der Dusche

Kennen Sie diesen Mann? Und wenn ja, lieben Sie ihn? Sänger Heino Bild: dpa

Während Schauspieler Manuel Cortez genau weiß, was ihn beruhigt, ist Barbara Schöneberger zwangsläufig von der Baustelle nebenan gestresst. Außerdem gehen die Herzblatt-Geschichten der Frage auf den Grund, wie beliebt Heino wirklich ist.

          Alles nur vorgeschoben. Von wegen, die Wahl in Hessen habe eine Rolle gespielt: Die Geschichtsschreibung ist, was den angekündigten Rückzug Angela Merkels angeht, auf dem falschen Dampfer. Die Wahrheit weiß Frau aktuell: „Muss sie ihre Ehe retten? Angela Merkel – Rücktritt aus Liebe“. Endlich mehr Zeit für den vernachlässigten Gatten möchte sie haben, doch o weh, das könnte nach hinten losgehen, denn Das Neue titelt: „Hält das ihre Ehe aus? Angela Merkel – Ihr neues Leben nach dem Rücktritt“. Wird der überraschte Joachim Sauer auf den Satz seiner Frau, sie wohne hier, bald entgegnen: „Aber doch nicht jetzt, um diese Zeit“? Kann die Ehe das nahende Drama namens „Mutti ante Portas“ überleben?

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Aber wenden wir uns einer wichtigeren Frage zu: Wie bekannt und beliebt ist eigentlich Heino? Bunte hat ihn besucht und schreibt: „Seit 53 Jahren steht der gelernte Konditor auf der Bühne, eine Umfrage ergab, dass ihn 98 Prozent der Bundesbürger kennen und lieben, jung wie alt.“ 98 Prozent der Deutschen lieben Heino? Fake-newsiger hat für unsere Ohren schon lang nichts geklungen. Wir sind mal ins Archiv gestiegen, um zu klären, wann und von wem jene Umfrage durchgeführt wurde. Es muss lange her sein: Schon Anfang der 2000er Jahre ist von Heinos Bekanntheitsgrad von 98 Prozent die Rede, und in einem Text von 1998 heißt es, eine Umfrage vor der Wende unter den Westdeutschen habe einen solchen Wert ergeben. Da sollte Heino dringend mal wieder eine neue Studie initiieren.

          Anders als von Bunte behauptet, ist überdies nie ermittelt worden, dass 98 Prozent Heino auch lieben, im Gegenteil: Mehr als 50 Prozent, ist zu lesen, mögen ihn laut der Umfrage gar nicht. Also, ob von unseren zwei Töchtern 98 Prozent uns lieben oder nur knapp die Hälfte uns mag, das ist schon ein signifikanter Unterschied. Keine der beiden übrigens hat gewusst, wer Heino ist, damit machen die beiden dann wohl die ahnungslosen zwei Prozent aus.

          Beruhigendes Tröpfeln

          Berühmter noch als Heino scheint uns der jetzt 70 Jahre junge Prinz Charles zu sein, den Bild gegen Kritiker zu verteidigen sucht: „Die Geschichte, dass er jeden Morgen sieben unterschiedlich lang gekochte Bio-Frühstückseier vorgesetzt bekommt, damit eines dabei ist, das die Konsistenz hat, die seine Hoheit schätzt, ist Quatsch. Die Wahrheit ist: Die Paläste, in denen Charles wohnt, sind unzureichend geheizt, das Badewasser wird für den Garten zweitverwertet und seine Anzüge (sogar seine Schuhe!) lässt er sich grundsätzlich flicken, statt sich neue zu besorgen.“ Armer Charles! Nicht nur muss er also seit 70 Jahren denselben Anzug tragen, vermutlich badet er auch stets in zweitverwertetem Eierkocher-Wasser. Die nächste Bild-hilft-Aktion wird auf jeden Fall heißen: „Warme Socken für Prinz Charles“.

          Statt zu baden, duscht der Schauspieler Manuel Cortez lieber, wie er Bunte mitteilt: „Das Tröpfeln wirkt so beruhigend und gemütlich. Auch wenn ich nachdenken muss, gehe ich unter die Dusche.“ Das bedeutet, Herr Cortez, Sie springen tagsüber ständig unter die Dusche? Oder müssen Sie nur einmal am Tag nachdenken?

          Wer würde nicht gerne mit ihm Gassi gehen? Hugh Jackman bei der Kino-Premiere von „The Front Runner“.

          Noch einmal überdenken sollte Theresa Schramm die neidvollen Zeilen in ihrem Leserbrief an Bunte: „Die kleine französische Bulldogge von Hugh Jackman hat wirklich Glück: Sie darf mit einem der berühmtesten und erfolgreichsten Schauspieler der Welt Gassi gehen.“ Das darf sie gewiss. Doch würden Sie, Frau Schramm, um Jackman nahe zu sein, es wirklich in Kauf nehmen wollen, eine Bulldogge zu sein?

          Lärm von der Baustelle

          Um einen Hund handelt es sich auch häufiger, wenn ein Klatschheft jemandem „überraschenden Familienzuwachs“ attestiert. Bei der Schlagzeile des Neuen Blatts, „Franz Beckenbauer – Jetzt spricht seine heimliche Tochter“, ist der Dreh ein anderer: „Der ,Kaiser‘ wird überraschend wieder Vater. Denn Joel (18), der älteste Spross von ihm und seiner dritten Ehefrau, hat eine neue Freundin gefunden!“ Also, wenn die neue Freundin seines Sohnes sogleich Beckenbauers heimliche Tochter ist, dann ist Uli Hoeneß wohl sein unheimlicher Zwillingsbruder. Und der Bote, der mal eben ein Päckchen bei Beckenbauers vorbeibringt, mindestens dessen Großneffe.

          Bei Beckenbauers Heimatverein droht derweil neue Unruhe. „Wie meistern Sie den Spagat zwischen Familie und Karriere?“, will In von Jérôme Boateng wissen, und der Weltmeister antwortet: „Ich versuche, alle Termine nach München zu legen, so dass ich genügend Zeit mit meinen Kindern verbringen kann.“ Das wird wieder eine Aufregung geben, wenn der DFB verkündet, dass wegen Boateng künftig alle Auswärtsspiele des FC Bayern nach München verlegt werden.

          Mehr Zeit mit der Familie: Jerome Boateng beim Grand Opening von Münchens neuer Prachtmeile im Oberpollinger

          Und noch mehr Wirbel: „Riesen-Ramba-Zamba vor der Haustür!“, titelt Die Aktuelle, „Barbara Schöneberger – Das hält doch keine Ehe aus!“ Es ist dann aber wieder nur Lärm um nichts: Neben Schönebergers Haus ist eine Baustelle. Ist also am Scheitern so vieler Ehen in Deutschland die Bauwirtschaft schuld? Die Aktuelle zeigt dann noch ein ulkiges Foto der Moderatorin und schreibt: „Hoppla! Was hat Barbara denn mit dem Baseball-Schläger vor...?“ Sie geht gleich auf die Bauarbeiter los, soll das wohl heißen. Wir hingegen denken: Sie ist geradewegs auf dem Weg in die Aktuelle-Redaktion, um da mal so richtig Ramba-Zamba zu machen.

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