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Herzblatt-Geschichten : Gefühlt wie Berti Vogts

Wladimir Klitschko, hier mit seiner Freundin Hayden Panettiere, will auch nach der Geburt der gemeinsamen Tochter kräftig zulangen. Bild: dpa

Zum Jahreswechsel erwartet uns eine wahre Gewaltorgie in der Klatschpresse: Männer dürfen ungestraft ihre Gattin ermorden, Herbert Grönemeyer wird zum brutalen Schläger und Wladimir Klitschko setzt als Vater auf Härte. Dabei ist der Name mancher Promikinder schon Strafe genug.

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          Dass die Klatschpresse ihre Leserschaft nicht sonderlich schätzt, haben wir uns längst gedacht aufgrund ihrer Stories, die Woche für Woche Verstand und guten Geschmack beleidigen. Der Kurzkrimi, den uns nun Neue Welt vorsetzt, hat uns dann aber doch erschüttert.

          Jörg Thomann
          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Held der Geschichte ist Rainer, der seine Gattin Gesa erschlägt, und zwar deshalb, „weil dieses Weib Abend und Abend neben ihm strickte. Rainer hasste das Klappern der Nadeln.“ Dass das Verbrechen ungesühnt bleibt, dafür sorgt die „ultramoderne Allesbrenner-Heizung“ im Keller. Kann es sein, Neue Welt, dass Deine Redaktion mit solchen Splatter-Phantasien ihren Hass auf die betagten, friedlich strickenden Leserinnen auslebt?

          Nicht zu viel gestrickt, sondern zu viel geklickt haben diejenigen, die sich jüngst den Zorn Herbert Grönemeyers zuzogen. Am Flughafen, behauptet Freizeitrevue, habe sich der Sänger einen Ausraster geleistet und einen Fotografen „krankenhausreif“ geprügelt. Grönemeyers Anwalt hingegen erklärt, er habe lediglich versucht, die aufdringlichen Fotografen „körperlich wegzudrängen“, und sie auf keinen Fall „mit seinen Händen“ geschlagen. Auf den Fotos sieht es auch eher so aus, als habe er dafür seine Tasche benutzt. Zu sehen sind die Bilder in mehreren Heften, so auch in Closer, dort ulkigerweise in einer Rubrik namens „Stars Live“.

          Uli und Susi verliefen sich im Wald

          Wir als Gewaltverächter finden ja schon einen Satz bedenklich, wie ihn laut Freizeitrevue gerade Wladimir Klitschko ausgesprochen hat: „Als Papa werde ich noch härter schlagen“ - selbst wenn er sich, wie wir hoffen, nicht auf seinen Erziehungsstil bezieht, sondern auf den Boxring. Freizeitrevue zeigt mehrere Bilder des Ehepaars Klitschko mit Töchterchen Kaya und setzt mutig das Wort „Exklusiv-Fotos“ hinzu, auch wenn die Aufnahmen in nahezu sämtlichen bunten Blättern gedruckt werden. Die gleiche Prozedur bei Albert und Charlène von Monaco mit ihren Zwillingen: „Rührende Exklusiv-Fotos“. Was, Freizeitrevue, ist denn da exklusiv? Die schlechtere Druckqualität?

          Es ist ok, es tut gleichmäßig weh? Herbert Grönemeyer ist eben doch nur ein Mensch.
          Es ist ok, es tut gleichmäßig weh? Herbert Grönemeyer ist eben doch nur ein Mensch. : Bild: Fricke, Helmut

          Mutterglück auch für Sängerin Alicia Keys, die ihren Sohn, wie es scheint, nach ihrem Lieblingsschauspieler, ihrem Lieblingsboxer und ihrer Lieblingsband benannt hat: Genesis Ali Dean heißt der Knabe. Nachdem ihr erster Sohn schon Egypt heißt, dürfte sie bei Genesis freilich weniger Phil Collins als die Bibel im Kopf gehabt haben, die ja mit dem Buch Genesis beginnt. Wenn sie die biblische Tradition fortschreiben möchte, kennen wir bereits die Namen ihrer nächsten vier Kinder: Exodus, Levitikus, Numeri und Deuteronomium.

          Friedfertig sieht der auch nicht aus: Sportler des Jahres Robert Harting
          Friedfertig sieht der auch nicht aus: Sportler des Jahres Robert Harting : Bild: dpa

          Erfreulich ist der Jahresbeginn auch für Uli Hoeneß verlaufen, der nun Freigänger ist und dafür, wie Bild es formulierte, bei einem Waldspaziergang mit seiner Frau schon „trainiert“ hat. Für den Haus-Kolumnisten Franz Josef Wagner ein märchenhafter Anblick: „Das Einzige, was auf dem Foto nicht friert, ist die Beziehung Uli und Susi“, schreibt er. „Ich glaube, dass sie an so was gedacht hat: Komm Uli, wir sind Hänsel und Gretel und finden heraus aus dem Wald.“ Und wer, Wagner, ist dann bitteschön die Hexe? Das Finanzamt? Und das Lebkuchenhaus das Gefängnis?

          Dort soll Hoeneß ja reichlich abgenommen haben, doch das dazugehörige Diätprogramm mag man nicht jedem empfehlen.

          Die coolen Lyrics von Sokrates

          Mit dem Gewicht ist es ja stets so eine Sache, wie man auf dem Cover von Closer sieht: „Noch schneller, noch leichter - Die neuesten Schlank-Rezepte“ steht dort und direkt darunter: „Lena Gercke: Mager-Schock! So dünn war Lena noch nie!“ Womöglich zu viele Schlank-Rezepte ausprobiert? Aber auch Männer wollen heute möglichst attraktiv sein, weshalb sich mit Diskuswerfer Robert Harting ein weiterer Prominenter neues Haar ins Haupt einsetzen und dabei von Bild begleiten ließ. „Ich konnte meine Platte am Hinterkopf nicht mehr sehen“, sagt Harting - und, etwas uncharmant: „Ich habe mich ein bisschen wie Berti Vogts gefühlt - nur größer.“ Auf den Fotos sieht es so aus, als habe sich Harting nach dem Eingriff wie üblich das Trikot zerrissen, doch der mit seinem Blut getränkte Umhang war ohnehin vorne offen.

          Hat sich über die Trennung von Mesut Özil offenbar mit dem Studium antiker Philosophie hinweggeholfen: Mandy Capristo
          Hat sich über die Trennung von Mesut Özil offenbar mit dem Studium antiker Philosophie hinweggeholfen: Mandy Capristo : Bild: dpa

          Nicht im OP-Saal, aber am Strand in Thailand ganz nah gekommen ist Gala der Sängerin Mandy Capristo. „Wenn sie selbst ein Lied wäre, wie würde wohl der Titel lauten? Darauf antwortet Mandy nach einigem Nachdenken mit Sokrates: ,Wer glaubt, etwas zu sein, hat aufgehört, etwas zu werden.‘“ Hat ja echt coole Lyrics drauf, dieser Sokrates, da müssen wir gleich mal in den nächsten Plattenladen, um zu schauen, was der sonst so gemacht hat.

          Lena Gercke, mit Sami Khedira liiert, liest dagegen lieber die neuesten Schlank-Rezepte.
          Lena Gercke, mit Sami Khedira liiert, liest dagegen lieber die neuesten Schlank-Rezepte. : Bild: dpa

          Und wenn Sie noch keine Vorsätze fürs neue Jahr haben, können Sie sich inspirieren lassen vom Schauspielerpaar Barbara Wussow und Albert Fortell, die der Neuen Post mitteilen: „Wir arbeiten an unserem Schlaf-Wach-Rhythmus. Wir versuchen, jeden Tag etwas früher ins Bett zu gehen.“ Ausgehend von einer Schlafenszeit von 24 Uhr würden es beide, wenn sie jeden Tag nur eine Minute früher ins Bett gingen, bis zum Jahresende um kurz vor 18 Uhr in die Kiste schaffen. Viel Erfolg dabei!

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