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Herzblatt-Geschichten : Ganz schön provokant

Eine überzeugte Provokateurin: Schauspielerin Maria Furtwängler Bild: dpa

Die Klatschpresse liefert sensationelle Enthüllungen: Schauspielerin Maria Furtwängler kann weder häkeln noch stricken, dafür aber gut kochen. Für Claudia Schiffer bleibt das Beherrschen der Kochkunst hingegen nur ein unerfüllter Lebenstraum. Die Herzblatt-Geschichten.

          3 Min.

          Auf diese Schlagzeile haben wir gewartet: „Maria Furtwängler - Meine wahren Gefühle“, titelt Frau im Spiegel. Heißt offenbar, sie hat bislang stets die falschen gezeigt. Im Interview bezeichnet sich die Schauspielerin als „jemand, der die Grenzen der Konventionen gern überschreitet“. Furtwänglers Ehemann hingegen, Verleger Hubert Burda, ist für sie „jemand, der das macht, was man machen sollte. Er ist eher angepasst.“ Zum Glück aber hat der brave Burda ein wildes Weib an seiner Seite, denn, so Furtwängler: „Ich bin das genaue Gegenteil.“ Maria Furtwängler, die große Unangepasste des deutschen Fernsehens, echt? „Ja, ich suche geradezu die Provokation!“

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Frau im Spiegel sucht diese eher nicht, sondern fragt hübsch unterwürfig: „Viele sehen Sie als Frau, die alles kann. Was gelingt Ihnen nicht so gut?“ Antwort: „Da haben Sie mich aber erwischt! Ich habe einen wirklichen Komplex, den ich jetzt zum ersten Mal verrate.“ Trommelwirbel, Hochspannung, und jetzt kommt’s: „Ich kann weder häkeln noch stricken.“ Und wir hatten schon gedacht, sie sagt: schauspielern. Doch mit ihrer Beichte ist Furtwängler noch nicht am Ende: „Dafür kann ich etwas anderes inzwischen recht gut.“ Und zwar was? Nein, wiederum nicht schauspielern, sondern: „Kochen.“ Dann wird sie eines Tages vielleicht auch noch lernen, zu häkeln, aber bestimmt nur ganz unangepasste, provokative Sachen.

          Trügerische Schlagzeilen

          Kaum haben wir uns von diesen Enthüllungen erholt, folgt schon die nächste, vorn auf der Aktuellen: „Verona Pooth - Familie kaputt! Exklusiv: Was passiert ist!“ Dazu zeigt das Blatt Verona und ihren Franjo, doch um die geht es gar nicht, sondern um Veronas Mutter, die - wie zahlreiche Medien längst berichtet hatten - an Demenz erkrankt ist. „Während eines Gesprächs in RTL-,Exclusiv Weekend‘ wurde Verona von einem Tränen-Kollaps geschüttelt“, berichtet Die Aktuelle. „Die kleine Familie ihrer Kindheit gibt es nicht mehr. Sie ist kaputt, für immer. Das tut so weh!“ Blöd nur, dass Die Aktuelle damit - außer ihrer gewohnt abenteuerlich konstruierten Schlagzeile - gar nichts exklusiv hat. Beziehungsweise „exklusiv“ verwechselt hat mit RTL-„Exclusiv Weekend“.

          Claudia Schiffer: „Ich würde mir wünschen, kochen zu können.“ Bilderstrecke
          Claudia Schiffer: „Ich würde mir wünschen, kochen zu können.“ :

          Einen, nun ja, lockeren Umgang mit diesem Begriff pflegt auch die Freizeitrevue. „Prinzessin Caroline - Exklusiv-Interview - Rührend, was ihre Familie über das neue Baby-Glück verrät“. Denn natürlich hat die Freizeitrevue weder mit Caroline noch mit ihrer Familie gesprochen - sondern, wie innen im Heft zu lesen ist, der Corriere della Sera mit Carolines Sohn Pierre. Nach dieser journalistischen Logik hätte die Freizeitrevue auf ihrem Cover auch „exklusiv“ den Watergate-Skandal enthüllen können, aber das ist ja nicht ihr Themengebiet.

          Hinter alldem nicht verstecken muss sich Woche heute. Schlagzeile: „Helene Fischer - Florian Silbereisen - Endlich! Die Krönung ihres Glücks - Ein Doktor erklärt ihr Geheimnis“. Wer nun an einen Gynäkologen denkt, kennt die Herzblattwelt schlecht. Stattdessen nämlich darf ein promovierter Kulturwissenschaftler, von Woche heute mal eben zum „Schlager-Professor“ befördert, bestätigen, dass Helene nicht nur immens erfolgreich, sondern dank Florian (Woche heute: „die Krönung ihres Glücks“) auch bodenständig und bescheiden ist.

          Auf der Suche nach Ruhe

          So bodenständig wie offenbar auch Claudia Schiffer, die laut Bild auf die Frage nach einem heimlichen Wunsch nicht etwa mit einem Märchenschloss oder dem ewigen Leben kommt, sondern sagt: „Ich würde mir wünschen, kochen zu können.“ So unerfüllbar, liebe Claudia Schiffer, ist der Wunsch doch gar nicht. Sie könnten zum Beispiel bei Maria Furtwängler in die Lehre gehen - möglicherweise hat sie Zeit für Sie, sofern sie nicht gerade wieder Provokationen sucht.

          Die Ruhe hingegen sucht Sylvie Meis, die in den Medien angekündigt hat, mit ihrem Privatleben nicht mehr so oft in den Medien auftauchen zu wollen, und von Bunte gelobt wird: „Die Schrille ist jetzt die Stille“. Auf dem Cover der holländischen Vogue zeige sie sich „nahezu ungeschminkt, nachdenklich, in ebenmäßiger Klarheit“, und über die neue Partnerin ihres früheren Mannes sagt sie: „Solange Sabia im Leben meines Sohnes ist, habe ich eine Verantwortung, was ich über sie sage.“ In Closer freilich sagt sie über Sabia, dass diese „als eine Art Kopie von mir durchs Leben gehen will“, und klagt, dass Sabia nun ausgerechnet immer das Restaurant aufsuche, „wo ich dreimal die Woche lunchen gehe“. So nachdenklich, still und verantwortungsbewusst klingt die neue Sylvie.

          Bild derweil stürzt sich auf Michelle Hunzikers Tochter Aurora, 17: „Sie knutscht, sie raucht - hemmungslos und ungeniert mitten in Mailand . . . Ist das noch altersgerecht?“ Wir sagen: ja, absolut.

          Moment, die Kolumne fast beendet, und kein Wort zu Hoeneß? Hier sind welche, und zwar vom Bild-Kollegen Franz Josef Wagner: „Sie guckten in einen Abgrund, wo alles hinunterfiel“, schreibt er. „Möbel, Haus, ihr lieber Hund.“ Das muss man dann wohl doppeltes Pech für Uli Hoeness nennen. Hoffentlich ist wenigstens dem armen Hund nichts passiert.

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