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Herzblatt-Geschichten : Kopfkino mit der Kanzlerin

Nachdem die Regierungsmaschine einen Defekt aufweist fliegt Angela Merkel mit dem Linienflugzeug ohne Ehemann Joachim Sauer zum G-20 Gipfel nach Buenos Aires. Bild: dpa

Die Kanzlerin fliegt einfach ohne ihren Mann, und Tom Kaulitz verhält sich auf einem Kindergeburtstag zu infantil. Unsere Herzblatt-Geschichten.

          Wir alle streben nach dem Glück, nach einem erfüllten Privatleben und nach Anerkennung im Beruf, und wir alle scheitern dabei ab und an. Das ist meistens zu verkraften, bei manchen aber nimmt es immer wieder tragische Züge an. Nehmen wir Christian Wulff: Noch gar nicht so lange ist es her, da schien er alles erreicht zu haben, was ein Mann sich erträumen kann – toller Job, hübsches Häuschen, junge und schöne Frau. Nur wenig später war er, dank eigener Tapsigkeit, aber auch einer ziemlich gnadenlosen Öffentlichkeit, fast alles wieder los – Amt, Ehre und auch seine Frau. Und wir müssen gestehen, dass wir, als Christian und Bettina wieder zusammenfanden und sich im Oktober 2015 zum zweiten Mal, und diesmal kirchlich, das Jawort gaben, durchaus gerührt waren davon, wie sich zwei verletzte Seelen gegenseitig Halt gaben.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Doch auch das ist Geschichte, vor ein paar Wochen haben sie sich wieder getrennt – und rasch wurde bekannt, dass Bettina Wulff einen neuen Freund hat. Und zwar, das ist das Risiko eines bildungsbürgerlichen Haushalts, den Musiklehrer ihrer Söhne; sie selbst singt in einem von ihm geleiteten Chor. Für den Boulevard war das wie vorgezogene Bescherung, und als der Mann sich kürzlich bei einer von Frau Wulff moderierten Veranstaltung zeigte, bekam die zahlreich angereiste Presse sogar ein paar Statements von ihm („Ich habe keine Sekunde darüber nachgedacht, ob ich Bettina begleite oder nicht“, Gala). Eine wiederum tragische Note bekommt die Sache dadurch, dass Christian Wulff Anfang dieses Jahres wieder zum Präsidenten gewählt worden ist – zum Präsidenten des Deutschen Chorverbands. Dass er als solcher jetzt ohne spürbare Bitterkeit die Bedeutung des Musikunterrichts preist und die der Chöre für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, verdient Respekt. Wir wünschen ihm jedenfalls, dass er all die Weihnachtskonzerte gut übersteht – und irgendwo tief in uns drin hegen wir die Hoffnung, dass es dereinst vielleicht doch noch zum dritten Jawort der beiden kommt. Wir zumindest wären gerührt.

          Treffen auf dem Hockeyplatz

          Eher geschüttelt hat uns die Bunte-Schlagzeile „Georg Gänswein – Mein Besuch bei Michael Schumacher“. Da bemüht sich die Familie des verunglückten Rennfahrers seit Jahren, ihn vor der Öffentlichkeit zu schützen, und ausgerechnet ein päpstlicher Präfekt plaudert mit der Presse – über eine Begegnung, die schon zweieinhalb Jahre zurückliegt. Prompt titelt die Bild-Zeitung: „Deutscher Priester hielt Schumis Hände“. Hätte er mal besser den Mund gehalten, also seinen. Welche Schlagzeile wird der Erzbischof als Nächstes liefern? „Vatikan intim – So sind Benni und Franzi wirklich“?

          Die Vielzahl der aberwitzigen Schlagzeilen, die Enthüllendes über Schumacher versprechen, dürfte sich dank Gänswein nun noch erhöhen. Aktuell versucht es Freizeitwoche mit „Michael Schumacher – Tragischer Rückschlag! Sein Sohn ist in großer Gefahr“. Die Auflösung: Schumachers Sohn Mick, der Rennen in der Formel3 fährt, wollte zum Saisonabschluss in Macau gern gewinnen. Aber: „Tragisch: Die Realität hat ihn jetzt eingeholt – er wurde nur Fünfter! Ein schlimmer Rückschlag für ihn!“ Und die Gefahr? Eine Rennfahrerkollegin hatte einen Unfall, der gottlob noch glimpflich verlaufen ist.

          Damals noch als Ehepaar: Christian Wulff mit seiner damaligen Frau Bettina Wulff im Oktober 2017

          Apropos Unfall. Über die Kronprinzessin der Niederlande schreibt Das goldene Blatt: „Nachmittags tobt sich Amalia dann beim Hockey aus. Aber oft, heißt es, trifft sie auch Oma Beatrix“ – autsch! Doch in Beatrix’ Alter, mit Verlaub, sollte man sich auch nicht mehr auf Hockeyplätzen verlustieren.

          Schwarzbraune Haselnüsse

          Darf man sich aber, wie Heidi Klums Freund Tom Kaulitz bei der Party ihres zwölfjährigen Sohnes, noch auf einer Hüpfburg amüsieren, obwohl man schon 29 ist? Gala zeigt Verständnis, weil Tom „selbst nie ein richtiges Teenagerleben führen konnte“, zieht aber trotzdem eine Psychotherapeutin zu Rat. „Er sollte sich erwachsen verhalten“, mahnt diese. „Humor ist schon wichtig. Aber Sympathie und vor allem den Respekt von Kindern gewinnt man nicht mit Rumblödeln.“ Doch vielleicht hat Tom ja den Respekt der anderen Gäste erlangt, indem er hinterher mit haushohem Vorsprung das Eierlaufen gewann.

          Päpstliche Plaudertasche: Georg Gänswein sorgt für Schlagzeilen.

          Und auch diese Schlagzeile bleibt uns nicht erspart: „Heino & Hannelore – Ihr pikantes Doppelleben“, schreibt Freizeitwoche. Denn: „Öffentlich schwärmt der gelernte Konditor von einer anderen Frau. Sie ist blond wie seine bessere Hälfte, um einiges jünger – und er hat ihr sogar ein Lied auf seinem neuen Album ,...und Tschüss!‘ gewidmet. ,Bilder im Kopf (Angie)‘ heißt der Song, den er für Angela Merkel (64) geschrieben hat.“ Das wäre erstaunlich, wenn sich die Kanzlerin mit ihrer angeblichen schwarzgrünen Neigung von schwarzbraunen Haselnüssen locken ließe. „Ob Hannelore weiß, dass ihr Schatz ein glühender Verehrer unserer Staatschefin ist?“, fragt Freizeitwoche, und wir fragen uns: Ob Freizeitwoche weiß, dass Merkel gar nicht Deutschlands Staatschefin ist?

          Die schönste Boulevard-Schlagzeile über die Kanzlerin liefern diese Woche aber die Kollegen von Spiegel online, die über ihre beschwerliche Reise zum G-20-Gipfel titeln: „Merkel fliegt Linie – Ehemann muss zurückbleiben“. Das ist dann nur noch ein kleiner Schritt bis zu „Angela Merkel – Bittere Trennung – Sie hat ihn verlassen“.

          Auf der Hüpfburg amüsiert: Tom Kaulitz an der Seite seiner Lebensgefährtin Heidi Klum.

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