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Herzblatt-Geschichten : Er schaut Sport, ich rette Bären

162 Fahrräder und ein Boot: Hannes Jaenicke lebt mobil. Bild: dpa

Was liebt Jeanette Hain an ihrem Auto? Wie viele Fahrräder besitzt Hannes Jaenicke? Und wie rettet eine „Bunte“-Kolumnistin Braunbären aus russischer Gefangenschaft? Antworten liefern die neuen Herzblatt-Geschichten.

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          Schön, dass wir uns mal revanchieren konnten. Seit langen Jahren liefern uns die Herzblätter Woche für Woche Stoff für diese Kolumne, und nun ist es endlich einmal umgekehrt. Ende Januar berichtete das Wirtschaftsressort unserer Sonntagszeitung exklusiv über ein Schreiben deutscher Künstlermanager an die Musikkonzerne, in dem sie im Namen ihrer Schützlinge – darunter Rammstein, Sarah Connor und Helene Fischer – mehr Geld fürs Streaming einforderten. Gute Geschichte, vielfach zitiert in anderen Medien – aber noch nie so emotional verkauft wie jetzt auf dem Cover von „Die Zwei“.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          „Ein geheimer Brief schockt alle! Helene Fischer – Millionen-Falle! Vertraute sie dem Falschen?“, titelt das Blatt. Der „geheime Brief“ ist das Schreiben der Künstlermanager, der „Falsche“ der Chef von Fischers Plattenfirma. Ein brillanter Dreh der „Die-Zwei“-Redaktion, der unseren Wirtschaftskollegen Ansporn sein sollte, in ihre Aufmacherstory von dieser Woche – es geht um Daimler – so viel Gefühl wie möglich zu packen. Fährt Helene Fischer Mercedes?

          Ganz ohne Opel: Jeanette Hain auf dem roten Teppich

          Dass Jeanette Hain einen Opel fährt, wird keinem Leser der „In“ verborgen bleiben. Das große Foto auf der Seite mit dem Hain-Interview zeigt die Schauspielerin neben einem solchen Wagen, den sie preist, „auch weil er so leise ist“, und auf die investigative „In“-Frage „Was lieben Sie an Ihrem Auto?“ antwortet sie: „Mein Opel ist mein Verbündeter. Ich könnte Holz hacken gehen damit oder im Abendkleid chauffiert werden.“ Ein Hinweis, dass es sich um eine Anzeige handeln könnte, fehlt auf der Seite; vermutlich geht „In“ davon aus, dass alle Leser längst wissen, dass Hain seit Jahren für die Marke wirbt. Bleibt die Frage: Wie hackt man mit einem Opel Holz? Indem man mit dem Ding erst mal alle Bäume umfährt?

          Hains Kollege Hannes Jaenicke wäre damit gewiss nicht einverstanden, engagiert er sich doch seit langem für die Umwelt. „Frau im Spiegel“ erzählt er: „In jeder deutschen Großstadt habe ich zwei Räder stehen.“ In den insgesamt 81 deutschen Großstädten von Berlin bis Gütersloh hätte Jaenicke damit 162 Fahrräder stehen; vielleicht sollte ihm mal jemand stecken, dass man die Dinger auch mieten kann. Demnächst will sich Jaenicke auch noch ein Boot kaufen. Womöglich der Gründungsakt einer ganzen Flotte, jeweils zwei Boote auf jedem größeren deutschen See?

          Beruflich tritt Jaenicke dann naturgemäß kürzer: „Ich habe letztes Jahr so viel gedreht, dass ich mich erst mal erholen muss von schlechten Drehbüchern und mittelmäßigen Regisseuren“, sagt er. Ein freundlicher Gruß an alle Regisseure und Drehbuchautoren der Filme, die Jaenicke letztes Jahr gedreht hat. Vielleicht sollte er es künftig einfach mit guten Büchern und fähigen Regisseuren versuchen?

          Einen philosophischen Satz, der großes Kopfkino anwirft, zitiert „Bunte“-Chef Robert Pölzer in seinem Editorial: „Vertrauen ist die Oase des Herzens, das die Karawane des Denkens nie erreicht.“ Heißt: Wer ständig denkt, wird nie vertrauen? Nur die Dummen dursten nicht? Und besteht eine „Karawane des Denkens“ eigentlich aus den üblichen Kamelen und Eseln oder aus ungleich klügeren Tieren wie Delfinen und Schimpansen?

          Als Tierfreundin zeigt sich Mon Müllerschön, die Kunst-Kolumnistin der „Bunte“: „Wenn mein Mann Sport schaut, rette ich oft heimlich Tiere im Internet. Kürzlich befreite ich einen Braunbären aus russischer Gefangenschaft“, schreibt sie, und weil sie die Sache nicht weiter ausführt, bleiben auch hier viele Fragen offen. Geht eine Braunbärrettung so geschwind, oder guckt ihr Mann viele Stunden oder Tage fern? Wo ist der Bär jetzt? Und warum muss sie so etwas heimlich tun, mag ihr Mann keine Tiere?

          Auf den Dackelfreund David Hockney trifft das gewiss nicht zu. „Als ich den großen Maler in Los Angeles besucht habe, stellte ich fest: Seine Wauzels dürfen sogar im Atelier ihr Geschäft verrichten“, schreibt Müllerschön, „überall dufteten Häufchen.“ Nicht auszuschließen freilich, dass es sich hierbei um eine Kunstaktion handelte, die Arbeit mit besagtem Material hat unter Kunstschaffenden ja durchaus Tradition.

          Unbekannter Umweltfreund: Brad Pitt beim Oscar-Luncheon in Los Angeles.

          Ebenfalls in Los Angeles lebt Brad Pitt – und wird von „Bunte“ gefeiert, weil er zur Verleihung eines Filmpreises nicht nach London reiste: „Nachhaltig: Brad Pitt verzichtete auf Kerosin und blieb in Los Angeles!“ Auch anderswo sitzen Pitt-Fans: „Beim Oscar-Luncheon im Dolby Theatre trug er zur Verwunderung aller Gäste ein Namensschild“, schreibt „In“. „Die Netzgemeinde feiert ihn dafür richtig ab.“ Nichts gegen Brad Pitt, aber unfair ist das schon: Würden wir mit Namensschild herumlaufen oder einfach mal zu Hause bleiben, es würde kein Hahn danach krähen.

          Die nächste Titelstory über einen deutschen Superstar präsentiert „Freizeitspass“: „Helene Fischer – Drama vor der Haustür – Wer kann sie jetzt noch schützen?“ Hintergrund der Sache ist, dass Fischer angeblich ein Haus am Ammersee baut – und „im Landkreis ist das hochgefährliche Corona-Virus ausgebrochen“. Okay, jetzt nicht direkt vor ihrer Haustür, die Patienten leben etliche Kilometer vom Ammersee entfernt, doch „Freizeitspass“ bangt: „Man kann nur hoffen, dass Helene eine Möglichkeit hat, das Weite zu suchen.“ Eine Regierungsmaschine ist bestimmt schon auf dem Weg zu ihr.

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