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Herzblatt-Geschichten : Eine Apokalypse der Anmut

Gestatten, Archie - genannt „Bubba“ Bild: EPA

Ein Tsunami auf High Heels, eine eigene Wohnung für Sylvie Meis’ Klamotten und ein heikler Spitzname für Archie: die neuen Herzblatt-Geschichten.

          3 Min.

          Das ist sicher nicht ganz einfach, wenn man als Bunte-Journalistin über die Hochzeit von jemandem schreiben muss, der zur Familie des eigenen Verlegers zählt: Da darf nicht einfach ein 08/15-Text über ein „schönes Fest“ herauskommen.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Folglich dürfen wir über die Eheschließung Sabrina Burdas mit einem Grafen in Baden-Baden nicht nur lesen, es sei ein „glamouröses Echo der Belle Époque“ gewesen, bei welchem die Braut aussah „wie Grace Kelly 2“, sondern auch die Beobachtung: „Im Windschatten des internationalen Brautpaares schwebte dessen ebenso stylishe wie kosmopolitische Gäste-Crowd im Kurbad ein.“ Aufgabe achtbar gelöst, könnte man sagen.

          Doch dann gehen mit der Schreiberin die Kutschpferde durch: „Ein Tsunami der Eleganz ergoss sich über Kopfsteinpflaster und Gassen, als man in High Heels von der Stiftskirche zum Empfang in ,Brenner’s Park-Hotel‘ wanderte.“ In der Geschichte der Naturkatastrophen dürfte das der erste Tsunami gewesen sein, der auf High Heels daherkam, und man muss froh sein für Autorin und Leserschaft, dass ihr Text dann bald zu Ende ist. Nicht auszudenken, was da sonst noch alles gekommen wäre: „Noch beim Hochzeitswalzer erschütterte ein Erdbeben der Distinguiertheit das edle Parkett im Tanzsaal, bevor die gesamte erlesene Gesellschaft in einer Apokalypse der Anmut versank.“

          Dem Brautpaar jedenfalls wünschen wir, dass seine Ehe länger hält als die des Schauspielers Rocco Stark, die nach sieben Monaten scheiterte. Jetzt, verrät Woche der Frau, kämpfe Stark „um diese Beziehung mit einer außergewöhnlichen Aktion: Er läuft von Berlin nach München – im Hochzeitsanzug!“ Ein Jahr habe er dafür trainiert: „Ein Mega-Marathon für die Liebe – wie romantisch!“

          365 Tage ohne Sex

          Und nicht nur das: Bild hat Stark erzählt, dass er, ebenfalls seiner Ex zuliebe, „365 Tage keinen Sex mehr hatte, ebenso kein einziges Date“. Da sind wir gespannt, welche Liebesbeweise Stark sich als Nächstes ausdenkt: ein Ganzkörpertattoo, ein Jahr lang ausschließlich Kohlrabi essen, nur noch in Anagrammen reden? Wäre doch gelacht, wenn er die Ehe so nicht kitten könnte.

          Für klare Verhältnisse gesorgt hat derweil Sylvie Meis. „Zum 1.September“, weiß Bunte, „gab sie ihre zweite ,kleine‘ Wohnung neben dem Penthouse auf. ,Drei Zimmer, die ich als Aufbewahrungsfläche für Kleider und Schuhe nutzte.‘ Machte 5000 Euro (!) Kaltmiete im Monat.“ Und noch einiges mehr an Heizkosten, denn als fürsorgliche Fashionista wird Meis gewiss dafür gesorgt haben, dass die guten Stücke es mollig warm hatten.

          Üppige Garderobe: Sylvie Meis

          „Ich wusste, dass es kompletter Irrsinn ist. Aber ich bekam es nie geregelt, die Wohnung zu kündigen, weil mein Leben so hektisch war.“ Nun hat sie es doch getan, sich in ihrer Erstwohnung einen Ankleideraum gestalten lassen und einen Gutteil ihrer Garderobe abgegeben – wäre ja auch schlimm gewesen, wenn die armen Kleider der Obdachlosigkeit anheimgefallen wären.

          Ein Zimmer nur für Socken

          Völlig daneben finden wir die Idee einer Zweitwohnung übrigens nicht; verfügten wir über die finanziellen Verhältnisse einer Sylvie Meis, dann würden auch wir uns mehr Zimmer leisten. Eines für unseren stattlichen Vorrat an Plastik-, Papier- und Jutetüten, eines für vereinsamte Socken, deren Partner eines Tages hoffentlich doch noch aus der Waschmaschine zurückkehren, und eines für all die Pakete unserer Nachbarn, die verlässlich immer dann ausgeliefert werden, wenn wir unseren freien Tag haben.

          Mit ihren Gewändern ganze Schlösser füllen könnten gewiss die Windsors, die ihre Anhängerschaft besonders dann verzücken, wenn sie mal was von der Stange tragen. Ein Foto von Meghan und Sohn Archie in Südafrika versieht Bunte kurzerhand mit Preisschildern und erläutert, dass Archies Socken genauso viel kosteten wie Body und Hose: „Sie sollen zeigen, dass er besonders ist.“ Wirklich erstaunlich, was sich alles durch ein Paar Socken für 18 Euro ausdrücken lässt.

          Für Die Aktuelle wäre Archie selbst ohne Socken etwas Besonderes: „Mit seinem quietschvergnügten Lachen hat der jüngste Windsor-Spross einen ganzen Kontinent erobert. Südafrika im Archie-Glück!“ Auf lange Sicht wird der kleine Eroberer bestimmt noch etliche weitere Kontinente beglücken können, zum Beispiel Ostasien, Nordaustralien oder den Westerwald.

          Meghans neues Feingefühl

          Punkten kann, nach einer längeren Pechsträhne, aber auch Mutter Meghan. „So stammte die Idee, einige Kleider von der letzten Auslandsreise aufzutragen, tatsächlich von ihr“, weiß Gala. „Auch, dass sie ihren teuren Verlobungsring extra ablegte, zeugt von einem Feingefühl, das Meghan bisher nicht unbedingt zugetraut wurde.“ Hauptsache, es kommt am Ende nicht raus, dass Meghan den Klunker einzig aus Furcht abgelegt hat, im armen Afrika beklaut zu werden.

          In Südafrika, so Gala, rutschte Meghan auch „der Spitzname ihres Söhnchens heraus: ,Bubba‘ nennt Meghan den Kleinen.“ Bunte erklärt: „In England wird mit ,Bubba‘ liebevoll der Stammhalter, der erstgeborene Sohn der Familie, bezeichnet. Anders in den Vereinigten Staaten. Dort ist ,Bubba‘ ein Schimpfwort für einen zurückgebliebenen Jungen vom Land, vergleichbar mit dem deutschen Wort ,Dorftrottel‘.“ Auf ein nicht ganz einfaches Mutter-Sohn-Verhältnis lässt dann wohl schließen, dass Meghan aus Amerika stammt.

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