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Herzblatt-Geschichten : Ein Stück weit emotional

Hält sich streng an den Business-Plan für weibliche U-40-Dschungelcamper:Sängerin Indira Bild: dpa

Alles läuft wie gehabt in der Welt der Herzblätter: Indira hält sich an den Business-Plan für für weibliche U-40-Dschungelcamper, Christine Neubauer ist nackt um die Augen und Günther Jauch könnte als Baron endlich mit den Guttenbergs gleichziehen.

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          Liebe Zeitschrift Welt der Wunder: Wir haben dich zwar, wenn wir am Kiosk unser Herzblatt-Paket kaufen, noch nie mitgenommen, finden aber, dass du einen sehr schönen Namen trägst. Deine Titelgeschichte dieser Woche aber hat uns irritiert: „Die neue Dimension des Mobbing“. Die Wunder, scheint es, sind heute auch nicht mehr das, was sie einmal waren. Was würde Welt der Wunder wohl heute zu den sieben Weltwundern zählen? Die Stuttgart-21-Baustelle? Das Dschungelcamp?

          Jörg Thomann
          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Dort läuft alles wie gehabt. Sängerin Indira (31) hält sich streng an den Business-Plan für weibliche U-40-Dschungelcamper und hat sich im Playboy enthüllt, dessen Fotos, wie sie Bunte versichert, selbstredend für „Kunst und Ästhetik“ stünden. Nun ist nicht alles, was künstlich ist, auch künstlerisch, weshalb sich Indiras von Bild befragte Mitbewohner despektierlich äußern: „Ach Gott, wie schlimm!“, entfährt es Rainer Langhans (70) ob der Fotos, auf denen sie aussehe „wie ein umoperiertes Ding“. Indira, die Langhans in Bunte zum „Freund von mir“ erklärte, nennt ihn in Bild nun „verbohrter Greis“ und „verklemmter Giftzwerg“. Wie gesagt: alles wie gehabt. Allerdings fragen wir uns, ob Langhans wirklich das meinte, als er vor der Abreise erklärte: „Mich interessiert eine andere Art von Kommunikation: liebevolles Verhalten.“

          Unvorteilhafte Kleider, Schürze und nackte Augen

          Keine Ahnung, wie liebevoll es zwischen Heidi Klum und Seal so zugeht, jedenfalls wurden sie in einer höchst verfänglichen Situation fotografiert – bei einem Gespräch nämlich, in dem beide nicht lächelten. Klar, dass das die Ferndiagnostiker auf den Plan ruft: „Wir sehen hier Bilder, die für sich sprechen. Heidi, die Arme verschränkt, in Abwehrhaltung. Desinteressiert. Auf Distanz. Als wolle sie sagen: ‚Ist mir doch egal, was du denkst.‘ Seal, wild gestikulierend auf sie einredend“, schreibt Das neue Blatt. Auch Das Neue liegen die Bilder vor, wieder sprechen sie für sich, sagen aber seltsamerweise etwas ganz anderes: „Den Blick gesenkt, die Arme vor der Brust verschränkt, die Augen hinter einer Sonnenbrille verborgen – Heidi Klum (37) wirkt wie ein Häufchen Elend. (. . .) Wild gestikuliert der große Mann vor ihrem traurigen Gesicht hin und her, seine Augen blitzen – und jeder kann sehen: Heidis Seele weint!“ Nun, wir können das ehrlich gesagt nicht so gut sehen, sie trägt ja auch eine Sonnenbrille. Oder wo genau sitzt bei Heidi Klum die Seele?

          Erst kaufte er das Weingut Othegraven, jetzt könnte er auch den Titel bekommen: Günther Jauch
          Erst kaufte er das Weingut Othegraven, jetzt könnte er auch den Titel bekommen: Günther Jauch : Bild: dpa

          Christine Neubauer hingegen wird in Bunte für ihren „Imagewandel“ in ihrem jüngsten Film gelobt, in dem sie mal völlig anders auftritt: „Unvorteilhafte Kleider, Schürze, Mütze, Kopftuch und dazu nackte Augen“, „vorwiegend ungeschminkt“ eben. Ein riskantes Experiment, das aber hoffentlich nicht Auslöser war für das prompt verkündete Aus ihrer Ehe. Einen ersten Dämpfer erlebt auch Trash-Ikönchen Daniela Katzenberger, deren Café auf Mallorca wegen fehlender Genehmigung bis April schließen muss. Halb so schlimm, findet Daniela: „Wenn man zu viel von einer Sache bekommt, ist es auch irgendwann nicht mehr so interessant“, lässt sie die Zeitschrift in wissen. Das können wir, die wir in den vergangenen Monaten deutlich zu viel Katzenberger bekommen haben, nachvollziehen.

          Baron Günther Jauch

          Neue-Welt-Leserin Maria Rosenthal aus Weiden meint derweil: „Viel liest man ja über Udo Jürgens nicht mehr, und wenn, dann sind es Vaterschaftstests.“ Was die Frage aufwirft, wo man denn solche Tests lesen kann und was genau drinsteht. Wir selbst lesen eher die Bunte, etwa das Interview mit Baden-Württembergs Landesvater Stefan Mappus und seiner Ehefrau, in dem der Politiker bekennt: „Ich bin natürlich ein Stück weit emotional, aber Gefühle zu zeigen ist ja nicht prinzipiell negativ.“ Dieser Linie folgt auch der von Bunte befragte Sotheby’s-Auktionator Tobias Meyer: „Ist es sexy, Kunst zu verkaufen?“ – „Sehr sogar.“ – „Warum?“ – „Weil ich der Komplize des Begehrens bin.“ Wohlklingende Worte, getrübt von der Tatsache, dass hier die käufliche Liebe gepriesen wird.

          „Günther Jauch – Sensationelle Enthüllung – Seine adlige Verwandte will ihn adoptieren“, verkündet die Freizeitrevue. Besagte Dame heißt Heike von Othegraven (65), „ist eine Lokalgröße im nordhessischen Wolfhagen“ und hat sich „mit glutvollen Frauenporträts“ und „ihrem Buch ‚Feng Shui im Pferdestall‘“ einen Namen gemacht. In Jauch, mit dem sie über die Großväter verwandt ist, sieht sie den perfekten „Baron von Othegraven“: „Den Titel und unseren Hof jemandem zu vererben, der eine gute Erziehung und möglichst einen solventen Hintergrund hat, wäre wunderbar.“ Dank Adoption könnte Jauch im Duell um den Titel des beliebtesten Deutschen adelstechnisch gleichziehen mit zu Guttenberg; andererseits klänge „Baron Günther“ eher mäßig, und Jauch ist ja schon von der ARD adoptiert worden. Wenn Sie, Frau von Othegraven, also einen anderen Erben suchen: Wir sind gut erzogen und schätzen glutvolle Frauenporträts, sogar mit denen von Indira können wir leben. Das sollte unseren insolventen Hintergrund mehr als aufwiegen.

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