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Herzblatt-Geschichten : Ein peinliches Gefühl

Carmen Nebel - „Endlich Liebesgeheimnis gelüftet”, dichtete „Echo der Frau” Bild: ZB

Diese Woche dreht sich in den Herzblättern alles rund ums Gefühl: Erika U. aus München schämt sich für ihren dicken Mann, Prinz Daniel von Schweden ist angeblich im Baby-Glück und Schlagersängerin Andrea Berg hat das Gefühl sogar ihren Fans peinlich zu sein.

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          Eine erfolgreiche Woche ist das gewesen für Horst Kraatz aus Bremen, der es auf die Leserbriefseiten gleich zweier Herzblätter geschafft hat. In der Rubrik „Mein Star und ich“ sehen wir ihn im Neuen Blatt neben „Tagesschau“-Sprecherin Judith Rakers, über die er mitzuteilen weiß: „Sie ist ein sehr fröhlicher und liebenswerter Mensch.“ Im Goldenen Blatt begegnet uns Herr Kraatz wieder, diesmal neben Martin Semmelrogge, der „sofort zu einem Erinnerungsfoto“ breit, pardon, bereit gewesen sei. Während Kraatz dort mit vollem Namen auftaucht, erscheint er im Neuen Blatt freilich nur als „Horst K.“, was wir nicht verstehen: Wir selbst hätten uns nicht neben der hübschen Judith Rakers, sondern eher neben Semmelrogge anonymisieren lassen.

          Jörg Thomann
          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Gar nicht liebenswert jedenfalls finden wir, was Erika U. (56) aus München in der Neuen Welt über ihren Ehemann zu sagen hat: „Wo er hinkam, war er der Attraktivste. Heute ist er über 60, hat eine Glatze, einen dicken Bauch, und ich mag mich gar nicht mehr so gern in der Öffentlichkeit mit ihm zeigen. Manchmal schäme ich mich richtig für ihn.“ Zu Recht wird sie dafür gerügt von Ratgeberfrau Klara, der es vorkommt, „als seien Ihnen Äußerlichkeiten wichtiger als die inneren Werte“. Zudem fänden „viele Frauen“ eine Glatze „sehr sexy“, meint Frau Klara, womit sie, wie auch wir ganz persönlich hoffen, ein weiteres Mal recht hat. Da manche Frauen auch einen ordentlichen Bauch zu schätzen wissen und ältere Männer ohnehin populär sind, sollte Erika U. vielmehr stolz sein auf ihren Mann, der gleich alle drei Attribute in sich vereint.

          „Endlich: Liebesgeheimnis gelüftet“

          Mit einer gewissen Erleichterung haben wir übrigens registriert, dass die Romanze zwischen Carmen Nebel und dem Musikproduzenten Norbert Endlich jetzt doch noch jemanden zu einem der blöden Namenswitze inspiriert hat, die wir uns vorige Woche nicht ganz verkneifen konnten: „Endlich: Liebesgeheimnis gelüftet“, dichtet Echo der Frau. Die feinsinnigste Bildunterschrift der Woche wiederum liefert 7 Tage zu einem Foto von Königin Beatrix und dem Sultan von Oman: „Inhalt der Themen waren vor allem gemeinsame wirtschaftliche Interessen.“ Inhalt der Themen: So eine spitzfindige Formulierung kann nur einer echten Herzblatt-Redaktion einfallen, die es gewohnt ist, ihr Heft zwar mit allerlei Themen, aber praktisch keinem Inhalt zu füllen.

          Laut „Echo der Frau” sind Kronprinzessin Victoria und ihr Daniel im „Baby-Glück”
          Laut „Echo der Frau” sind Kronprinzessin Victoria und ihr Daniel im „Baby-Glück” : Bild: dpa

          Ein Meisterstück liefert hier mit seiner Schweden-Titelstory das Echo der Frau ab: „Victoria & Daniel – Baby-Glück! Es ist ein kleiner Prinz“. Doch lesen Sie selbst, mit welchem neuen Dreh das Blatt seine Leser auf den alten Leim führt: „Was für eine süße Baby-Überraschung. Zwar ist es noch nicht offiziell, aber die Spatzen pfeifen es längst von den Dächern. In nur wenigen Wochen schon wird Prinz Daniel (37) einen kleinen Prinzen in seinen Armen halten. Daniel ist überglücklich, denn er soll einer der Taufpaten des kleinen Zwillings-Jungen aus Dänemark werden.“ Ein Glückwunsch auch an die Klitschko-Brüder: Sie wurden laut Bunte bei einer Gala „mit dem Preis der Bergleute geehrt, einem echten Stück Kohle. Dieses symbolisiert die Prinzipien der Kumpels: geradlinig, treu, offen, ehrlich, verlässlich“. Hoffen wir für die Bergleute, dass die Klitschkos als Preis statt eines echten Stückes nicht einen metaphorischen Haufen Kohle erwartet haben und ihrer Enttäuschung in gewohnter Manier Luft verschaffen.

          „Das Gefühl, anderen peinlich zu sein“

          Gleich mehrere Blätter mokieren sich über ein Foto, auf dem Tom Cruises bald fünfjährige Tochter Suri einen Nuckel im Mund trägt. Dabei scheint die Entwöhnung schon vorangeschritten: Ein in Bild abgedrucktes Foto zeigt Suri beim Verzehr einer Süßigkeit namens „Penis Gummies“. Auch damit sind die Leute wieder nicht zufrieden. Wir aber haben für Suris Eltern Verständnis: Hätten sie ihrem Kind, das ansonsten aber wirklich alles hat, ausgerechnet die Tüte mit den lustigen, ähem, Kirschen am Stiel vorenthalten sollen? Das Mädchen wäre doch misstrauisch geworden. Außerdem erinnern wir uns, wie wir unsere kleine Tochter einmal aus logistischen Gründen auf die Herrentoilette mitnehmen mussten, wo sie den Kondomautomaten entdeckte. Sie hat sich sehr gefreut über die Bilder mit den niedlichen Gespenstern.

          Eine interessante Erkenntnis verdanken wir der Neuen Welt: Ihr zufolge hat Andrea Berg schon „11 Millionen Schaltplatten“ (sic) verkauft. Derart viele „zentrale hydraulische Energieverteilungskomponenten eines elektronisch gesteuerten Getriebes“ (www.motorlexikon.de) an den Mann zu bringen ist keine schlechte Leistung für eine Frau, die eigentlich Schlagersängerin ist. Als Musikerin aber hat Frau Berg leider „das Gefühl, anderen peinlich zu sein“, lesen wir. „Ein Andrea-Berg-Konzert besuchen? Ja! Hinterher davon schwärmen? Nein! ‚Alle gehen hin, aber keiner will sich wirklich dazu bekennen‘, beschreibt die rockige Schlagersängerin ihre quälenden Eindrücke.“ Wir hingegen, liebe Frau Berg, sind da die löbliche Ausnahme: Wir nämlich gehen nicht mal hin.

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