https://www.faz.net/-hxl-9xqg1

Hadert mit ihren Zähnen: Kate Beckinsale Bild: AFP

Herzblatt-Geschichten : Ich hätte weniger heiraten sollen

Die Horoskope hinken Corona hinterher, Hugo Egon Balder sieht sich als Scheidungs-Experte und Kate Beckinsale als Biber: die Herzblatt-Geschichten.

          3 Min.

          Die ganze Welt hat sich verändert, nur die Horoskope der Herzblätter nicht. „Die Couch lockt, aber Sie sollten sich nicht einigeln“, rät „Bunte“ allen Stieren, dabei sollten doch auch die Stiere genau das: Igel werden. „Umgeben Sie sich mit fröhlichen Menschen“, empfiehlt das „Bunte“-Horoskop den Skorpionen und vergisst, auf den Sicherheitsabstand von zwei Metern hinzuweisen. Zwillingen teilt „Das goldene Blatt“ mit: „Sie brauchen unbedingt Gesellschaft, damit Sie alle anderen mitreißen können.“ Aber wohin, in den Abgrund? „Die Woche ist günstig, um auf unkomplizierte Art interessante neue Kontakte zu knüpfen“, lautet schließlich der „Kosmische Tipp“ in „Gala“ an die Jungfrauen, was die Frage aufwirft: Arbeiten am Ende Kosmos und Corona zusammen?

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Auch manche Prominenten-Story liest man aus heutiger Sicht anders. So haben wir uns richtiggehend erschreckt, als wir im „Goldenen Blatt“ neben einem Silbereisen-Foto die Worte lasen: „Positiv: Trotz der Trennung kann Florian wieder lachen.“ Über das Schlagerpärchen Mross und Woitschack, das seine angeblich für eine Silbereisen-Show geplante Hochzeit verschieben musste, schreibt dasselbe Heft die nun merkwürdig klingenden Worte: „Stefan und Anna-Carina fieberten ihrer Trauung schon entgegen.“

          Auf die neue Lage geht auch Bella Lesnik, Editor at Large bei „Gala“, in ihrem Editorial ein: „Ich singe mit meiner Tochter beim Händewaschen nun seit fast zwei Wochen immer zweimal ,Happy Birthday, Corona‘. Das ist die empfohlene Länge, um sich gründlich die Hände zu säubern.“ Das mag ja stimmen, doch muss es ausgerechnet das Virus selbst sein, das so auf ganz unnötige Weise gefeiert wird – zumal die Umstände und der Zeitpunkt seiner Geburt doch komplett im Dunkeln liegen?

          Wenn die Knochen knacken

          Wir schlagen daher vor, lieber „Happy Birthday, Hugo Egon Balder“ zu singen, das dauert erstens, was nicht verkehrt sein kann, sogar noch etwas länger und ist zweitens viel passender, weil Balder dieser Tage seinen Siebzigsten begeht. „Ich merke eigentlich keinen großen Unterschied zu 60“, lässt er „Frau im Spiegel“ wissen. „Ich komme morgens immer noch schwer aus dem Bett.“ Diese Einstellung stimmt optimistisch: Bei wem schon mit fünfzig ständig alle Knochen knacken, der kann den siebzig oder achtzig viel gelassener entgegensehen.

          Scheidungsexperte: Hugo Egon Balder

          Auf die Frage vom „Echo der Frau“, ob er in seinem Leben besser etwas anders hätte machen sollen, antwortet Balder: „Vielleicht ein bisschen weniger heiraten, das wäre eine Möglichkeit.“ Vergangenes Jahr nämlich hat er zum fünften Mal geheiratet, was „Frau im Spiegel“ zur Frage veranlasst: „Sind Sie mittlerweile ein Ehe-Experte?“ Balders Antwort: „Ganz im Gegenteil: Wenn ich ein Ehe-Experte wäre, wäre ich nicht fünf Mal verheiratet gewesen. Ich bin ein Scheidungs-Experte!“ Das kann ja auch viel wert sein, falls das Thema demnächst wieder anstehen sollte. Übrigens finden wir, dass Balders Behauptung, nach fünf zum Teil recht ausführlichen Ehen kein Ehe-Experte zu sein, von falscher Bescheidenheit zeugt. Manch anderer hat ja gerade fünf Corona-Eilmeldungen im Internet gelesen und hält sich selbst für einen Virologie-Experten.

          Alle Kinder aussteigen!

          „Das neue Blatt“ zitiert derweil den Schauspieler Bjarne Mädel mit den Worten, er finde es toll, wenn Kinder draußen sein und im Matsch spielen könnten. „Sie in der U-Bahn oder in der Innenstadt zu sehen, findet er jedoch befremdlich. Da denkt er: ,Ihr gehört hier irgendwie nicht hin.‘“ Ja, soll man denn alle Kinder bei der nächsten Station aus der Bahn aussteigen lassen? In unseren Innenstädten freilich dürfte man, wenn sich die Entwicklung der letzten Tage fortsetzt, ohnehin bald keine Kinder mehr sehen. Und Erwachsene auch nicht.

          Findet Kinder in der Innenstadt befremdlich: Schauspieler Bjarne Mädel

          Mädels Kollegin Anja Kling ist, wie „Gala“ berichtet, „immer noch beruflich voll ausgelastet, pendelt normalerweise zwischen Filmset und Synchronisation, ohne zwischendurch überhaupt mal Luft zu holen“. Donnerwetter – da wollen wir hoffen, dass zwischen Filmset und Synchronisation nur ein sehr, sehr kurzer Weg liegt. Andernfalls würde sie so ganz ohne Luftholen völlig außer Atem ankommen, was uns bei der Synchronarbeit nicht eben zielführend scheint.

          Eine weitere Schauspielerin, Kate Beckinsale, gehört offenbar zu jenen Menschen, die trotz unübersehbar großer Attraktivität über angebliche optische Mängel klagen. Laut „In“ jedenfalls hat Beckinsale gesagt: „Meine Zähne hatten schon früh die Größe eines erwachsenen männlichen Bibers.“ Wir haben da gleich mal nachgeschaut: Ein erwachsener Bibermann erreicht gut und gern die Größe von einem Meter; Zähne von solcher Länge sehen dann wohl tatsächlich merkwürdig aus.

          Guido Maria Kretschmer erklärt derweil dem „Neuen Blatt“, warum er nicht wie andere Promis draußen Sonnenbrille trage: „Ich kann mich nicht verstecken, weil ich zu viel quatsche. Ich muss nur einen Satz sagen, und die Leute erkennen mich sofort an der Stimme.“ Vielleicht sollte er es dann zusätzlich mal mit einem Mundschutz versuchen.

          So, und wir pendeln jetzt von unserem Home-Office-Schreibtisch in die Küche, um uns einen Tee zu machen. Den Weg dahin schaffen wir locker, ohne auch nur einmal Luft zu holen. Eine etwas größere Wohnung wäre irgendwann doch mal nett.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Einer lernt noch schreiben, einer kann es schon.

          Corona und Gleichstellung : Wir erleben keinen Rückschritt

          Allerorten wird erzählt, durch Corona fielen die Geschlechter zurück in die fünfziger Jahre. Viele Familien erleben das gerade ganz anders. Die Erzählung vom Rückfall ist nicht nur für sie die falsche Geschichte.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.