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Herzblatt-Geschichten : Der Mann ist heute die neue Frau

Rekordhalter: Jack White, hier mit Gattin Rafaella, schlägt sogar Mick Jagger. Bild: dpa

Mit dem Status des „ältesten lebenden späten Vaters der internationalen Musikbranche“ stellt bald Schlagerschreiber Jack White einen neuen Rekord auf. Auch bei vielen anderen Promis dreht sich das Leben aktuell um das Thema Kinder.

          Passiert auch nicht so oft, dass uns die Herzblätter ins Grübeln bringen, aber In hat es mit seinem Horoskop für uns Fische geschafft: „In Ihre Beziehung“, lesen wir, „schleicht sich der Alltag wie ein altes Mütterchen zur Hintertür hinein.“ Das mit dem Alltag mag ja stimmen, doch was soll das mit dem alten Mütterchen? Dringen denn, ohne dass die Deutschen es bemerkt hätten, Scharen betagter Damen in ihre Häuser ein, und zwar stets durch die Hintertür? Setzen sie sich dann womöglich in den Lehnstuhl, fangen an zu stricken – und hinterher, wenn sie sich wieder hinausgeschlichen haben, zeugen nur herumliegende Socken von ihrer Anwesenheit? Was du, In, Horoskop nennst, scheint uns ein veritabler Gruselthriller zu sein.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ansonsten bereiten die Blätter diese Woche einem alten Väterchen die Bühne. Wenn nun bald sein Sohn geboren werde, teilt Schlagerschreiber Jack White in Bunte mit, werde er „der älteste lebende späte Vater der internationalen Musikbranche“ sein: „Platz vier belegt Rod Stewart, Platz drei Peter Maffay. Den zweiten Platz mit 73 Jahren hat sich Mick Jagger geschnappt – und auf Platz eins steht Jack White mit 78 Jahren.“ Gratulation zu diesem Charterfolg, der ein Rekord für die Ewigkeit sein könnte; zwar ist es dem einen oder anderen Gangstarapper, wenn er in die Jahre kommt, zuzutrauen, White zu übertrumpfen, doch werden die meisten von denen ja nicht so alt. Whites Ehefrau Rafaella, 34, gibt übrigens auch einen Kommentar ab: Ihr Sohn werde „eine weitere Erfüllung unserer Liebe sein“, auch wenn eine Vaterschaft mit 78 Jahren natürlich „bekloppt“ sei

          Unfallstelle: Unweit des Snadringham Estates verursachte Prinz Philip einen Unfall mit einem Kleinwagen, in dem auch ein Baby war.

          Ein bisschen steht auch zu befürchten, dass White sich auf dem einmal errungenen Titel ausruhen möchte, denn, wie er der Bild-Zeitung sagt: „Eines weiß ich ganz sicher: Ich werde nie Windeln wechseln. Oder den Kinderwagen schieben – das habe ich bei keinem meiner Kinder gemacht.“ Diese Haltung kann man verurteilen oder auch unterstützen – denn was passieren kann, wenn man ältere Herren noch Wagen durch die Gegend steuern lässt, hat soeben in England Prinz Philip, 97, vorgeführt. Offensichtlich höchstselbst hat er mit seinem Land Rover einen Unfall mit zwei Leichtverletzten verursacht und eine Debatte darüber neu entfacht, wie lange Senioren noch selbst fahren sollten. Wir denken ja auch, Philip sollte schleunigst Konsequenzen ziehen – und sich künftig nur noch von Gattin Elizabeth, 92, kutschieren lassen.

          Jack White jedenfalls dürfte keiner jener Herren sein, über die Bild-Kolumnist Franz Josef Wagner als Replik auf Wolfgang Schäuble schreibt: „Wir Männer von heute tragen unsere Babys in einem Gepäcksack vor der Brust, wir schieben sie zum Biomarkt, wickeln sie“, schreibt Wagner. „Manchmal denke ich, dass der Mann von heute die neue Frau ist.“ Schöner hätten auch wir das nicht ausdrücken können, Frau Wagner. Eine nette Formulierung hat aber auch Schauspielerin Jeanette Hain gefunden: „Jeder Mensch, der uns begegnet, selbst der größte Knallkopf, gibt uns die Chance, zu wachsen“, sagt sie dem Echo der Frau. Etwas zu schnell gewachsen wäre freilich die Sängerin Ella Endlich, 34, von der Das neue Blatt behauptet, sie „floh als Teenager aus der DDR“. Bei einer 1984 Geborenen wäre ein derart schneller Reifeprozess wohl nur mit illegalen Wachstumshormonen zu erklären gewesen. Oder hat Endlich einfach zu lange gezögert und erst dann die Flucht ergriffen, als es die DDR längst nicht mehr gab?

          Frühreif oder Wachstumshormone? Sängerin Ella Endlich

          Keinerlei Fluchtgedanken hegt man auf St.Barth. „Hier sind nur Leute, die es wirklich lieben, da zu sein“, sagt das Model Barbara Meier Bunte. „Dadurch ist die Stimmung unglaublich schön.“ In der Tat dürften nur sehr wenige Menschen es hassen, auf einer Karibikinsel voller Luxushotels abhängen zu müssen, da ist die Stimmung dann verständlicherweise besser als, sagen wir, bei uns im Büro.

          Wobei wir natürlich heilfroh sind, nicht beim Neuen Blatt arbeiten zu müssen. Dann nämlich müssten wir, wie es diese Woche eine Redakteurin tut, eine Schlagersängerin dafür schelten, dass sie ihre elf Jahre alte Tochter in vermeintlicher Lolita-Pose „im Internet den Augen Tausender fremder Männer“ aussetze – und das Blatt zur Bebilderung des Artikels dann ebendieses Foto druckt und das Kind damit weiteren Tausenden Blicken aussetzt.

          Neue Post zitiert derweil, was Monacos Fürstin Charlène über ihre kleinen Zwillinge erzählt hat: „Sie lieben die Schule. Gabriella steht sogar samstags auf, weil sie so gerne in die Schule möchte.“ Zwillingsbruder Jacques scheint demnach samstags nicht aufzustehen und den kompletten Tag im Bett zu verbringen, was wir eigentlich viel sympathischer finden.

          „Heidi Klum (45) – Hier kommen sie aus der Klinik – Jetzt braucht sie ihn!“, titelt schließlich Die Aktuelle mit einem Bild des Glamour-Paars Klum und Kaulitz, das angeblich gerade aus „einer Klinik in Los Angeles“ kommt: „Wird sich ihr gemeinsamer Baby-Wunsch nie erfüllen?“ Es wäre eine jener Nachrichten, „die einem den Boden unter den Füßen wegreißen“, schreibt das Blatt, doch ein Blick ins Internet schiebt den Boden im Nu zurück: Laut Daily Mail zeigen besagte Bilder die beiden auf dem Parkplatz vor einem Shopping-Center. Und sollten sie dort versucht haben, sich ihren Wunsch nach einem Baby zu erfüllen, wäre es doch eigentlich beruhigend, dass es nicht geklappt hat.

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