https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/smalltalk/herzblatt-geschichten/herzblatt-geschichten-das-prinzip-kuh-elsa-11486524.html

Herzblatt-Geschichten : Das Prinzip Kuh Elsa

Hansi Hinterseer wird nicht Vater - könnte aber irgendwann Großvater werden Bild: dpa

Hinter harmlosen Nachrichten verstecken sich Desaster: Hansi Hinterseer könnte irgendwann mal Großvater werden. Und Fürstin Charlene war weg - ist aber wieder da.

          3 Min.

          Kennen Sie die Kuh Elsa? Das ist die aus dem alten Hallervorden-Sketch, wo der Butler dem Grafen die relativ harmlose Nachricht vom Tod der Kuh Elsa übermittelt, hinter der sich - je mehr der Graf nachbohrt - immer größere Desaster verbergen: der Einsturz der Scheune, der Brand des Landsitzes, das Ableben der Gräfin. Die Masche der Herzblätter nun ist es, das Kuh-Elsa-Prinzip umzukehren. Ein Beispiel dafür ist die Titelstory im Echo der Frau: „Hansi Hinterseer und seine Romana - Baby-Freuden - Das Kind verändert ihr Leben“. Nicht nur für Hinterseer-Fans wäre das in der Tat eine bemerkenswerte Neuigkeit, wenn Romana (53) ihm noch einmal Nachwuchs schenkte.

          Jörg Thomann
          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Blicken wir ins Heft, so spricht die Überschrift dort nicht mehr von „dem“ Kind, sondern konstatiert: „Ein Kind verändert alles“. Im Artikel dann lesen wir: „Seine Töchter Laura (23) und Jessica (25) sind seit einiger Zeit in festen Händen, und es würde nicht wundern, wenn sie jetzt ihre Familienplanung vorantreiben würden.“ Halten wir also fest: Hinterseers werden nicht nur nicht Eltern, sie werden noch nicht einmal Großeltern; sie könnten es allenfalls irgendwann mal werden. Von der Schlagzeile bleibt keine noch so kleine Nachricht übrig, „das Kind“ ist - um auf die Kuh Elsa zurückzukommen - nicht mal ein Kälbchen.

          Albert mit Charlene, die keinen Brief geschrieben hat Bilderstrecke
          Albert mit Charlene, die keinen Brief geschrieben hat :

          Meisterlich darin, jede Woche eine neue Kuh durchs Dorf zu treiben, ist Die Aktuelle. „Schock in Monaco! Fürstin Charlene - Sie ist weg! Keine Erklärung, kein Brief, gar nichts!“, schreit sie, und das Erstaunliche ist: Es ist sogar was dran. Charlene hat Albert mehrere Termine allein absolvieren lassen, darunter so bedeutende wie „die ,klassische Woche‘ des Yachtclubs Monaco“ oder „die Feier ,150 Jahre Kunstschaffen‘“ in Roquebrune-Cap-Martin. Und sie hat keinen Brief geschrieben, jedenfalls nicht der Aktuellen.

          Die Dramatik soll ein Foto illustrieren, auf dem Albert die Backen aufpustet und die Fäuste ballt und neben ihm Charlene sich mit geschlossenen Augen zurücklehnt: „Da sah man sie noch zusammen - aber wie! Albert scheint zu explodieren, und Charlene wirkt total verzweifelt.“ Das sieht nach schwerer Krise aus - oder nach einem spannenden Tennismatch. Das Foto nämlich ist, was Die Aktuelle verschweigt, im April 2011 beim Finale des Turniers in Monaco aufgenommen worden, das Albert und Charlene auf der Tribüne verfolgten. Das Neue Blatt hat Charlene derweil schon wieder gesichtet: „Wie schön! Sie ist wieder da.“ Damit dürfte die Kuh vom Eis sein.

          Wo wir schon von Bildern sprechen: Wir finden es ja nett, dass mit Maite Kelly bei „Let’s Dance“ jemand gewann, der nicht über die Idealmaße der Frau, sondern eher über deren Normalmasse verfügt. Das Bild-Foto aber, das Kelly in einer mit fünf Kilo Mäusespeck gefüllten Wanne zeigt, ist doch sehr unvorteilhaft. Und wenn sie selbst sich als „eine Mischung aus Disney und Edith Piaf“ bezeichnet, dann fällt es uns schwer, bei ihr an eine Maus oder einen Spatz zu denken. Mit Florian Silbereisen ziert Maite Kelly auch das Echo-der-Frau-Cover neben der Schlagzeile: „Liebes-Beichte! Das neue TV-Traumpaar im Strudel der Gefühle“. Kuh Elsa, ick hör dir trapsen! Natürlich sind beide im Heftinneren nur Kollegen, die sich mögen, auch wenn sie schwärmt: „Er trägt mich auf Händen!“ Maite Kelly auf Händen zu tragen - das klingt freilich doch nach echtem Liebesdienst.

          Bei Jenson Button sitzt jeder Handgriff wie im Schlaf

          Noch einmal eine Frage an dich, Aktuelle: Trifft die Zeile über deinem Ute-Lemper-Interview - „Die Aktuelle besuchte den Musical-Star in New York“ - eigentlich den Sachverhalt, wenn wir eine etwas längerere Version desselben Interviews vor zwei Monaten in Bunte lasen? Der direkte Vergleich immerhin lässt ahnen, wie beide Blätter ihre Leser einschätzen: In Bunte reagiert Lempers Freund Todd auf die Nachricht von ihrer Schwangerschaft mit „Oh, my God“, Die Aktuelle hat das mal lieber mit „Oh Gott“ übersetzt.

          „Warum ist der Herbst so schön?“, fragt Bunte außerdem Prominente, die von Licht, Luft und Blättern schwadronieren. Wohltuende Ausnahme ist Ferdinand Piëch, der unter den Hobby-Poeten der knallharte Prosaiker bleibt: „Weil die Auftragslage des Volkswagen-Konzerns gut ist.“ Glänzend geht es auch Sänger Demis Roussos, der in Neue Welt sein Anwesen über den Dächern Athens präsentiert: Marmorkamin, opulente Gardinen, Seidentapeten. Ob aber protzende Griechen gut zum Zeitgeist passen? Wenn Roussos Pech hat, drängt man ihn dazu, seine Goldenen Schallplatten in den Rettungsfonds zu schmeißen.

          Den erotischen Kurzroman der Woche hat Gala-Redakteurin Sandra Reitz über ihre Begegnung mit Rennfahrer Jenson Button verfasst. Auszüge: „Ich drücke mich lieber etwas näher an ihn heran und genieße das Gefühl, dem 31-Jährigen total ausgeliefert zu sein.“ - „,Hey, ich mache das seit meinem achten Lebensjahr‘, hatte Jenson mir versichert. Da sitzt jeder Handgriff wie im Schlaf.“ - „Ich war kurz irritiert, weil du gar nicht geschrien hast.“ Was beide gemacht haben, wollen Sie wissen? Ist doch klar: Sie sind zusammen Kart gefahren.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Nicht alle können jubeln: die Spitzenkandidaten Kutschaty, Neubaur, Stamp und Wüst am Sonntagabend im Landtag in Düsseldorf

          Nach der NRW-Wahl : Wie stabil ist die Ampel?

          Die FDP klagt über ihr mageres Ergebnis in Nordrhein-Westfalen, auch die SPD ist unzufrieden. Nur die Grünen glänzen, aber jubeln still. Denn die Ampel soll nicht flackern. Kanzler Scholz will die Ampel-Option in NRW nicht ausschließen.
          Die Corona-Pandemie verändert die Situation sowohl für die Medizin-Auszubildenden als auch für schon praktizierende Ärzte.

          Mediziner in der Pandemie : Was bekommen wir für Ärzte?

          Die Pandemie hat immense Auswirkungen auf die Ausbildung zukünftiger Mediziner. Ein Assistenzarzt und eine Medizinstudentin erzählen, wie das Virus dazu geführt hat, dass sie weniger lernen und welche Sorgen sie sich für die Zukunft machen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.
          Baufinanzierung
          Erhalten Sie Ihren Bauzins in 3 Minuten
          Französischkurs
          Lernen Sie Französisch
          50Plus
          Serviceportal für Best Ager, Senioren & Angehörige