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Herzblatt-Geschichten : Blut und Tränen

Notorische Handyschleuder oder zahmes Supermodel? Naomi Campbell Bild: AP

Wem kann man eher glauben - Trinka oder Effenbergs Claudia? Wer steckt im Schlauch eines Staubsaugers fest? Und was macht Eisbär Knut eigentlich nachts? Diese und andere Fragen beantworten die neuen Herzblatt-Geschichten.

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          Ah, da ist ja das Päckchen mit den bunten Heften. Beigelegt ist ein Leitfaden: „Regel eins: Die Leserinnen und Leser der Kolumne erwarten den Einsatz gewisser Reizwörter, etwa ,Redaktionsassistentin', ,lecker', ,Körbchengröße', ,Häschen' oder ,freimachen'. Regel zwei: Uschi Glas ist 77 Jahre alt.“ Nun denn.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das Problem, wenn man sich nicht kontinuierlich mit den Herzblättern befasst, sind die Informationslücken. So haben wir die erste Folge des im Goldenen Blatt abgedruckten Romans „Ewiger Zauber der Liebe“ verpasst und wissen nun nicht, wie es zu jenem bemerkenswerten Cliffhanger gekommen ist: Sloan DeWilde, der Chef der jungen Chloe, steckt im Schlauch ihres Staubsaugers fest. Nicht so, wie verdorbene Seelen denken mögen; wir sind hier schließlich im Goldenen Blatt. Sondern mit seiner Krawatte.

          Emanzipation selbst im Fortsetzungsroman

          Eine unachtsame Bewegung der saugenden Chloe hat das Malheur verursacht: Anschaulicher lässt sich kaum belegen, dass Männer sich von der Hausarbeit besser fernhalten sollten. Oder auch von den Frauen im Allgemeinen, denn als sich kurz darauf der vom Schlauch befreite Sloan Chloe ein weiteres Mal nähert, fällt ihr ein Parfumflakon aus den Fingern, zerbricht am Boden und nässt seine Schuhe.

          Einfach unzertrennlich: Knut und sein Pfleger

          Es wird den bunten Blättern ja gern vorgeworfen, sie hielten am Gesellschaftsbild vergangener Dekaden fest. Dabei ist die Emanzipation selbst in den Fortsetzungsroman eingezogen, jedenfalls in den vom Echo der Frau: Seine Heldinnen Anna und Stefanie beweisen, dass Frauen heute mehr sein können als Heimchen am Herd, und haben eine eigene Firma gegründet. Und zwar einen Wasch- und Bügelservice. Titel des Romans: „Mit Volldampf ins Glück“.

          Hat Trinka zu tief ins Glas geschaut?

          Weniger praktisch veranlagten Frauen bietet sich ein anderes Geschäftsmodell an: Sie können sich fotografieren lassen, womit Jerry Hall (50) seit Jahrzehnten ihr Geld verdient. Nun wirbt sie, wie Frau im Spiegel dokumentiert, für ein Putzmittel, und weil man ihr selbst dessen Handhabung nicht zutraute, hat sie ihre Haushälterin mit aufs Bild gebeten. Wird demnächst auch die notorische Handyschleuder Naomi Campbell mit ihrem Dienstmädchen posieren? Dessen Verletzungen sollten ja inzwischen verheilt sein.

          Womit wir bei einem ernsten Thema wären: Frauen, die anderen Gewalt antun. Häufig genug sind Männer die Opfer, zum Beispiel Stefan Effenberg, der in Florida einer Dame näherkam, die auf den einladenden Namen Trinka hört. Trinka berichtet Bild von Gewaltexzessen, die Effenberg von seiner Gattin Claudia erdulden musste: „Stefan hat immer noch eine Glasscherbe in seinem rechten Knie stecken.“ Eine Bild später weisen die Effenbergs die Behauptung zurück: „Das ist Bullshit.“ Wem wollen wir glauben? Hatte Trinka zu tief ins Glas geschaut und die bei Effenbergs Auswärtsspiel ertastete Kniescheibe als Scherbe missdeutet? Hat Claudia doch ein übles Foul begangen? Oder ist ihr nur ein Parfumflakon entglitten?

          Schreinemakers' „Kampf der Geschlechter“

          Das einst schwache Geschlecht jedenfalls arbeitet an seiner Aufrüstung. Die zweimal geschiedene Margarethe Schreinemakers (49) lässt Revue wissen, dass sie keinen Mann mehr wolle - aber ein Buch über den „Kampf der Geschlechter“ lese. Weit kann sie indes noch nicht gekommen sein, denn ihren Söhnen (10 und 16) bringt sie noch täglich das Frühstück ans Bett. Uschi Glas (77) teilt Echo der Frau mit: „Ich habe mir vor einiger Zeit Box-Handschuhe und einen Punching-Ball gekauft.“

          Eine Freundin des Faustkampfs ist auch Veronica Ferres, die Henry Maske nach dessen Boxkampf umarmte und, wie Bunte berichtet, Blutspritzer abbekam. Hätte früher eine Dame pikiert „Igitt“ geschrieen, reagiert Frau Ferres pragmatisch: „Diese Hose versteigere ich jetzt für meine Kinderhilfsorganisation Power-Child. Sie ist eine Kostbarkeit geworden.“ So ist das heute: Der Mann muss bluten, und die Frau darf über die Kohle verfügen.

          Nuckern in gemeinsamen Nächten

          Und die Kerle sind heute gern weich und rühmen sich ihrer Tränen. Gunther Emmerlich (62) teilt dem Goldenen Blatt mit: „Wenn ich weinen muss, dann ist mir egal, wo ich bin, wer bei mir ist oder neben mir steht.“ Hape Kerkeling heult laut Bunte ebenfalls häufig und weiß sogar, wo er es zuletzt tat (im Kino) und wer neben ihm saß („zwei Omis“). Traurig auch, dass der völlig überbewertete Eisbär Knut auf dem Cover des Neuen Blatts ausdrücklich nur allen „Leserinnen“ schöne Ostern wünscht. Dabei ist er bislang doch eindeutig dem eigenen Geschlecht zugeneigt und hat, wie sein Pfleger der Bunten mitteilt, in den gemeinsamen Nächten kräftig „genuckert“. Nuckern, erklärt der Bärenfreund auf Buntes Nachfrage, sei ein „Wohlfühlgeräusch“.

          Wenden auch wir uns nun den schönen Dingen des Lebens zu: Wir schmücken unser tristes Großraumbüro mit einem Osterkörbchen. Das Häschen aus leckerer Milchschokolade passt genau hinein, da hat unsere Redaktionsassistentin die richtige Körbchengröße gewählt. Jetzt müssen wir nur noch rasch die Osterkarten freimachen.

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