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Herzblatt-Geschichten : Bloß (k)ein Baby

Sie sind ja ganz süß, haben aber leider kein Anrecht auf den spanischen Thron: Letizia mit ihren Töchtern Leonor (links) und Sofia Bild: AFP

Miese Stimmung allerorten: Bei Mary und Frederik von Dänemark hängt der Haussegen schief - ein Baby soll's richten. Falls es ein Junge wird, könnten sie ihn gleich an Letizia von Spanien weiterreichen. Denn die verweigert sich weiterem Nachwuchs.

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          Nach einer Woche rund um den Selbstmord Robert Enkes kehrt die Glanzpapierwelt des Adels und des Vorabendserienpersonals nur zögerlich zurück ins Blitzlichtstüberl der aufgeräumten Verlogenheit. Seelische Tiefdruckgebiete sind Teil des Geschäftsmodells, weswegen manche Blätter wildentschlossen wirken, jetzt Depressions-Tacheles zu schreiben, tief einzutauchen in die manische Schattenwelt dieser Volkskrankheit! Niemand ist vor ihr gefeit, schon gar nicht im November, der förmlich nach Niedergeschlagenheit schreit.

          Hannes Hintermeier

          Verantwortlicher Redakteur für das Feuilleton.

          Nach Andre Agassis Geständnis wäre zum Beispiel auch längst die Monaco-Steffi fällig. Aber die ist noch nicht so weit. Obwohl sie 7 Tage als „verbittert“ und „fast sogar schon depressiv“ beschreibt. Die monegassische Prinzessin verlässt ihre Wohnung nicht mehr, ihr Ferienhaus in den Bergen ist verwaist. Auch der niederländische Kronprinz Willem-Alexander von Oranien-Nassau starrt derzeit antriebslos aus dem Bürofenster. Eine „regelrechte Depression“ diagnostiziert Echo der Frau. Und Das neue Blatt schreibt tapfer gegen die Konkurrenz an, die schon Verlobungsglocken zu hören glaubt: Alarm, in London quält sich Kate Middleton, die mit Prinz William nicht klarkommt - oder er nicht mir ihr. Laut Bulletin zeigt Kate die gleichen Verhaltensauffälligkeiten wie ihre verstorbene Schwiegermutter Diana.

          Beim nächsten Windhauch bricht sie auseinander

          Und was hilft dagegen? Man holt sich wie Elmar Wepper einen Mischling aus dem Tierheim. Oder man legt sich wie Simone Thomalla statt Bier Champagner in den Kühlschrank und Frischfleisch ins Bett, einen neunzehn Jahre jüngeren Liebhaber (ein Torwart, allerdings Handball). Diesen Akt der Generationenversöhnung belohnt die Bunte mit der Titelstory und vielen faltenlosen Fotos. Möglich wäre es auch, dem Beispiel der dänischen Kronprinzessin Mary und ihres Mannes Frederik zu folgen, welches Das goldene Blatt enthüllt. Die beiden haben sich nach einer Krise nämlich wieder berappelt. Und wie? Auf dem Weg eines Konfliktbewältigungsbeischlafs wurde ein „Versöhnungs-Baby“ gezeugt, mit dem alles wieder gut werden soll. Das war immer schon eine geniale Strategie, ein Kind als Beziehungskitt.

          Ob Kinder wirklich Beziehungen kitten können? Bei Kronprinz Frederik von Dänemark und seiner Mary scheinen schon die ersten zwei wenig genützt zu haben
          Ob Kinder wirklich Beziehungen kitten können? Bei Kronprinz Frederik von Dänemark und seiner Mary scheinen schon die ersten zwei wenig genützt zu haben : Bild: REUTERS

          Immerhin: Die Dänen freuen sich aufs Baby. Das würden die Spanier theoretisch auch, aber nur, wenn das Kind den richtigen, den XY-Chromosomensatz aufwiese. Zwei Töchter sind schon da, aber kein Sohn. Die vormals attraktive Letizia sieht aus, als würde sie beim nächsten Windstoß auseinanderbrechen; sie verweigert dem Bericht im Echo der Frau zufolge die Nahrungsaufnahme, will keineswegs schwanger werden, „aus Angst“, wieder „nur“ ein Mädchen zu bekommen. Vermutlich glaubt Prinz Felipe immer noch, dass die Spermien das Geschlecht des Kindes festlegen. Dieses grandioseste Täuschungsmanöver der Medizin ist ein Schachzug des Matriarchats, das den Männern wenigstens das Gefühl geben will, noch irgendetwas entscheiden zu können. Eines Tages wird es einen Nobelpreis für die Entdeckung hageln, dass die weibliche Eizelle entscheidet, welches Spermium sie zur Verschmelzung zulässt. Der spanische Thronfolger kann sich also mit Woody Allen entspannt zurücklehnen: Er ist der Boss, aber Letizia ist der „decision-maker“.

          Herzinfarkt, Schlaganfall und blamable Eier-Attacke

          Zukunftsmusik. Wie die Thronbesteigung des Prinzen Charles. Glaubt eigentlich irgendwer, dass das noch was wird? Mal eine Anfrage richten an: Her Majesty The Queen, Buckingham Palace, London SW1A 1AA, United Kingdom. Denn auch der Duchess of Cornwall, vulgo Camilla, dämmert, was Letizia längst weiß: Heirate nie in eine Königsfamilie. Zum Glück für uns Leser ist Donna Camilla robust genug, um sogar die Windsors vorzuführen, wie Das neue Blatt berichtet: „Herzattacke - aber Camilla hört nicht auf, ihn zu quälen.“ Bei einer gemeinsamen Reise nach Kanada - Staatsoberhaupt ist seine Mutter Elizabeth - erlitt Prinz Charles einen Herzinfarkt, andere schreiben: einen Schlaganfall; ein Gallenleiden wurde gleich mitdiagnostiziert. Und was tut Madame? Tritt im Pelz vor Tierschützer, erzählt einer alten Freundin, wie toll ihre erste Ehe mit Andrew Parker Bowles war. Und dann wird sie auch noch mit Eiern beworfen. Shocking!

          Und wo bleibt das Positive? Die Jugend sieht ihre Zukunft derzeit in der Berufsgruppe Blutsauger. Gala geht vor den „absurden Dimensionen“ des Hypes um die neuen Vampir-Stars von „Twilight-New Moon“ anbetend in die Knie. Und der älteren Generation macht Maria Hellwig, die Leni Riefenstahl der Volksmusik, Mut. Nach einer Schulteroperation singt sie zu Weihnachten wieder im MDR. Das neue Blatt liefert indes fotografisch keine Gewissheit, ob die Hellwig noch lebt oder von Madame Tussauds ausgeliehen wurde. Immerhin wäre sie erst neunundachtzig Jahre jung gewesen. Jopi Heesters wird demnächst hundertundsechs, er will fünf Tage durchfeiern. Recht so, das schafft auch in der alternden Gesellschaft Catering-Arbeitsplätze. In diesem Alter hat man die Depressionen der mittleren Jahre bestimmt längst vergessen.

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