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Herzblatt-Geschichten : Schwangerschaftstest mit Elefanten

Französischer Flirt: Sieht so ein „verlegenes Schulmädchen“ aus? Angela Merkel und Emmanuel Macron im Januar in Aachen. Bild: AP

Die Kanzlerin flirtet wie ein verlegenes Schulmädchen, Guido Maria Kretschmer macht mit Tipps zur Selbstliebe verlegen, und bei Schwangerschaftsfragen sollte man statt einer Apotheke lieber einen Zirkus aufsuchen.

          Tagelang war „Das neue Blatt“ ganz dicht dran am Unehrentitel des ekligsten Covers der Woche, und zwar mit seiner Aufmachergeschichte „Für ihre Kinder will sie leben – Maite Kelly – Ihr Kampf gegen die schwere Krankheit“. Anders als den Lesern suggeriert wird, ist Kelly selbst kerngesund, engagiert sich aber seit Jahren für die Deutsche Krebshilfe. In letzter Sekunde ist dann aber doch „Die Aktuelle“ noch vorbeigezogen, sie zeigt auf dem Titelbild ihres soeben erschienenen Heftes Spaniens Königspaar neben der Schlagzeile „Schock in Spanien! Königin Letizia – Das Kind ist tot! Wie geht es jetzt weiter?“ Letizias zwei Töchtern geht es gut, die Schlagzeile bezieht sich in Wahrheit auf den in ein Bohrloch gestürzten Julen. Indem sie das tragische Schicksal dieses Kindes für eine kaltschnäuzige Lesertäuschung nutzt, lotet „Die Aktuelle“ neue Abgründe der Schamlosigkeit aus.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Geradezu harmlos wirkt dagegen „Neue Welt“ mit ihrem Gaga-Titel „Damit hat keiner gerechnet – Angela Merkel – Neues Glück mit 64“. Mit einiger Verspätung hat anscheinend auch „Neue Welt“ gemerkt, dass Merkel als Parteichefin zurückgetreten ist und nun angeblich mehr Zeit für ihren Ehemann hat, obwohl sie, wie wiederum „Das neue Blatt“ behauptet, mit Emmanuel Macron gerade erst geflirtet habe „wie ein verlegenes Schulmädchen“. Dabei weiß man doch, dass der Präsident eher auf Lehrerinnen steht.

          Zirkus statt Apotheke

          Ein bisschen verlegen sind wir freilich selbst geworden, als wir der „Neuen Welt“ entnahmen, was genau Guido Maria Kretschmer zur Steigerung der „Begeisterung für sich selbst“ empfiehlt: „Man muss sich gut pflegen, gut eincremen, einfach Kontakt zu sich behalten. Alles am Tag einmal in der Hand gehabt zu haben – das ist ein Tipp von mir.“ Seitdem lässt uns die Vorstellung nicht los, wie Kretschmer seine einzelnen Teile in die Hand nimmt, und zwar wirklich alles von sich – also auch, ähm, die Ohrläppchen. Hauptsache, bei manchen wird die Begeisterung am Ende nicht so groß, dass sie sich selbst gar nicht mehr aus der Hand legen können.

          Berührt sich täglich selbst:  Designer Guido Maria Kretschmer

          Die Grenzen weiblicher Selbstbegeisterung stecken indes die sogenannten Frauenzeitschriften persönlich ab. Am unteren Rand ihrer Titelseite präsentiert „In“ mal wieder die ganze Bandbreite klassischer Körperkritik: „Ruth Moschner – Abnehmen & schlank bleiben – ,Meine neue Glücks-Diät‘“ steht links unten. Und rechts, gleich daneben: „Céline Dion – Schock-Foto – Hungert sie sich krank?“ Sollte Dion es mit einer Glücks-Diät übertrieben haben?

          Sorgen gemacht hat sich auch Hein Simons („Heintje“) um seine Mutter („Mama“), die eine Zeitlang gesundheitliche Probleme hatte, wie er dem „Echo der Frau“ erzählt: „Dann bekam sie Tabletten, die sie nicht vertragen hat. Auf einmal war und sprach Mama ganz komisch, sah kleine Elefanten.“ Nun ja, Heintje, wir wissen ja, was man bei euch in Holland so für „Medizin“ einnimmt, da können dann schon mal ein paar Dumbos hin- und herdüsen. Ohne die Tabletten waren dann aber auch die Elefanten wieder weg – eigentlich schade, ist gewiss ein hübsches Schauspiel gewesen.

          Außerdem sind Elefanten, wie die Zirkus-Chefin Jana Lacey-Krone in „Bunte“ versichert, ganz außerordentliche Tiere, nämlich „so sensibel, dass sie früher als ich wussten, dass ich schwanger bin. Eine Elefantendame legte mir damals den Rüssel auf den Bauch, dann war mir alles klar.“ Gut zu wissen: Wer sonntags einen Schwangerschaftstest machen möchte und alle Apotheken geschlossen vorfindet, kann immer noch schauen, ob in der Nähe gerade ein Zirkus gastiert.

          Kleiner Kerl oder große Frau?

          Schlafprobleme plagen laut „Woche der Frau“ Mary Roos: „Um müde zu werden, liest die Blondine dann Krimis oder Kochbücher. Fatal: Denn statt endlich einzuschlafen, weckt die Lektüre sündige Gelüste. „Ich koche mir dann ganz schlimme Sachen“, gab Mary lachend zu. „Zum Beispiel Kartoffelpuffer – was eigentlich noch schlimmer ist, denn damit kann man überhaupt nicht schlafen.“ Immerhin wecken nur die Kochbücher sündige Gelüste und nicht etwa die Krimis, so dass Roos wenigstens nicht nachts aufsteht, um Verbrechen zu begehen.

          Tut ihrem „kleinen Kerl“ gern gutes: Ruth Moschner.

          Zu Ruth Moschners Glücks-Diät übrigens zählen Kartoffelpuffer nicht explizit. „Ganzheitliches Fasten ist für mich eine ideale Möglichkeit, zu meinem gesunden Bauchgefühl zurückzukehren“, erzählt sie „In“ und düpiert all jene, die beim Fasten erst einmal ein ungesundes Bauchgefühl entwickeln. „Ich bin so fasziniert davon, was mein Körper so alles leistet und erträgt“, sagt Moschner dann noch, „dass ich gar nicht anders kann, als dem kleinen Kerl so viel Gutes zu tun, wie es mir möglich ist.“ Wir dürfen festhalten: Moschners Körper ist nicht nur klein, er ist offenbar auch männlich. Womöglich macht das die Sache ja einfacher.

          Wobei: Auch wir selbst würden ganz gern ein wenig abnehmen, da unser Körper ein zusehends größerer Kerl wird. Jeden Morgen trinken wir jetzt tapfer grüne Smoothies, was unserem Bauchgefühl nicht immer zuträglich ist, im Gegenteil: Wenn uns nicht alles täuscht, dann haben wir heute früh ein paar kleine Elefanten um uns herumtanzen gesehen. War ein ausgesprochen niedlicher Anblick, aber falls sie morgen wiederkommen möchten, sollten sie gewarnt sein: Wenn eines der Viecher uns seinen Rüssel auf den Bauch legt, kann es sich auf was gefasst machen.

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