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Herzblatt-Geschichten : Archie, Bürschi und Chewbacca

Kein Fake-Baby: der echte Archie. Bild: AP

Warum der Klatschpresse mit erdichteten Schwangerschaften so viel wohler ist als mit tatsächlichen, hat das Beispiel Archie mal wieder gezeigt. Zum „Grummelprinzen“ wurde unterdessen ein kleiner Schwede. Die Herzblatt-Geschichten.

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          Unsere Gedanken gelten heute natürlich allen Müttern, ganz besonders aber der Mutter von Ross Antony. Wie er mit ihr den Tag verbringt, hat der Sänger „Schöne Woche“ verraten: „Morgens gibt es Blumen und ein ausgedehntes Frühstück. Das zieht sich dann durch den ganzen Tag. Ihr wird jeder Wunsch erfüllt.“ Am Ende des Tages hat Mutter Antony dann vermutlich nur noch einen Wunsch: mit dem Frühstücken endlich mal aufhören zu dürfen.

          Jörg Thomann
          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Jürgen Drews wiederum dankt im „Neuen Blatt“ seiner Mutter dafür, dass sie ihm einst einen „klitzekleinen Dackel-Welpen“ schenkte: „Bürschi hieß sie, ein Mädel!“ Wenn Hundemädels in seiner Familie „Bürschi“ getauft wurden, darf Jürgen Drews selbst wohl froh sein, dass man ihn nicht „Brigitte“ oder „Monika“ nannte. Ähnlich unbekümmert, was festgelegte Geschlechterrollen angeht, zeigt sich „Die Aktuelle“ in ihrer aktualisierten Ausgabe zum royalen Baby: Sie verkündet die Geburt eines Bürschis („Unser kleiner Prinz ist da!“), zeigt aber auf dem Titelblatt groß ein Mädel – nämlich, wie ganz klein dabeisteht, ein Kinderbild der Mutter („Meghan: so süß!“).

          Klein-Archies Beispiel zeigt wieder einmal, warum der Klatschpresse mit erdichteten Schwangerschaften so viel wohler ist als mit tatsächlichen: Führen sie dort ganz allein die Regie, müssen sie sich hier stets mit der Realität messen und sehen dabei oft furchtbar alt aus. Selbst „Bunte“ verspricht auf dem Cover „Die ersten Fotos“, muss aufgrund des frühen Redaktionsschlusses ein Archie-Bild jedoch schuldig bleiben. Zu den Blättern, die an Archies statt kurzerhand ein Fake-Baby zeigen, zählt „Freizeitwoche“, deren kleingedruckter Hinweis, ihr Titelblatt zeige „Fotokompositionen“, schon fast nach einer schöpferischen Leistung klingt; warum nicht gleich eine Fotosymphonie? „Freizeitrevue“ wiederum behauptet, sie „erfuhr exklusive Details und wie der kleine Schatz heißen soll“, und schreibt: „Nun warten alle voller Spannung auf einen kleinen James, Arthur oder Alexander. Oder eine süße Diana, Grace oder Allegra.“ Viel Spaß dann noch beim Warten, dürfte sich alles noch etwas hinziehen.

          Verstorben am 30. April 2019: Peter Mayhew, bekannt als der zottelige Chewbacca.
          Verstorben am 30. April 2019: Peter Mayhew, bekannt als der zottelige Chewbacca. : Bild: dpa

          Ein ebenso spannendes Thema wie Vornamen sind Nachnamen. Ihr ehemaliger Gatte, klagt Doris Schröder-Köpf in der „Freizeitwoche“, ach Quatsch, in der „Zeit“, „vertritt die Ansicht, dass immer nur die aktuelle Ehefrau seinen Namen tragen soll“, und habe sie aufgefordert, den Namen Schröder abzulegen – „ein völlig absurdes Ansinnen“. Schröder weist das via „Bild“ zurück und hält den Vorwurf seinerseits für „an Absurdität nicht zu überbieten“. Wenn das so ist, dann könnte er sich doch generös zeigen und sich selbst fortan nach seiner aktuellen Ehefrau Gerhard Kim nennen. Doris Schröder-Köpf wiederum könnte sich als kleines Zeichen der Versöhnung ihren Geburtsnamen an die erste Stelle setzen. Wir vermuten freilich, dass Gerhard Schröder auch den Nachnamen Köpf-Schröder als Angriff begreifen würde, womöglich gar auf seine körperliche Unversehrtheit. Bei den Lesern, die an dieser Stelle noch einen Namenswitz zu Kramp-Karrenbauer erwarten, müssen wir uns entschuldigen, uns fällt gerade keiner ein; bitte wenden Sie sich in dieser Sache vertrauensvoll an Bernd Stelter.

          Mit dem bösen Spitznamen „Grummelprinz“ bedacht hat der Boulevard den kleinen Schwedenprinzen Oscar, dessen Geschichte nun eine erfreuliche Wendung nimmt: „Selbstbewusst – Er lacht nur, wenn er will“, stellt „Adel aktuell“ fest. Mit einem solchen Selbstbewusstsein sind wir leider nicht gesegnet und lachen manchmal, obwohl wir das gar nicht wollen. Zum Beispiel darüber, wie „Gala“ mit der traurigen Nachricht vom Tod des „Star Wars“-Schauspielers Peter Mayhew umgeht, der „sich als zotteliger Chewbacca in die Herzen der Fans“ gespielt habe, „doch sein Gesicht kannte kaum jemand“. Und das wird unter den „Gala“-Lesern auch so bleiben, denn statt jetzt endlich, wie alle anderen, Mayhews Antlitz zu präsentieren, zeigt das Blatt ihn wieder nur als Chewbacca.

          Grundsätzlich schwer verständlich finden wir ja auch die Editorials von „Bunte“-Chef Robert Pölzer. „Sicherlich ist es immer leichter, sich von einem Partner zu trennen. Leichter jedenfalls, als eine Beziehung zu pflegen“, schreibt er (was insbesondere für Pölzers Partnerin, so er eine hat, interessant sein dürfte). „Geduldig ihren Tank mit Energie, Sinn, Aufmerksamkeit und Glücksmomenten aufzufüllen.“ Denn dann läuft sie wieder, die Beziehung, jedenfalls für die nächsten 500 Kilometer. „Nicht die Glücklichen sind dankbar“, schließt er. „Es sind die Dankbaren, die glücklich sind.“ Die Glücklichen dagegen sind nicht dankbar und also – nicht glücklich? Ist uns echt zu kompliziert.

          Von noch mal ganz anderem Kaliber ist natürlich Franz Josef Wagner, der in „Bild“ zum Thema Artensterben sinniert: „Frösche tot, Insekten tot, Pflanzen tot, Vergissmeinnicht tot, Gänseblümchen tot, das Summen der Wespen tot. Das Grillen in den Bäumen verstummt.“ Das wäre wirklich entsetzlich: Dürfen wir Deutschen nicht mehr in den Bäumen grillen? Da hören wir schon den Wutbürger-Aufschrei. Doch vermutlich hat Wagner einfach nur gedacht, dass man das Geräusch, das die Grillen machen, Grillen nennt. Wie ja auch die Schaben schaben, die Wanzen wanzen, die Hamster hamstern und die Vögel, äh, ebenfalls Geräusche machen – und der Kollege Wagner beim Schreiben seiner Kolumne womöglich einen gezwitschert hat.

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