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Herzblatt-Geschichten : Alle wissen: Ich bin Single

Ein Fuchs, dieser Waalkes, hier bei einer Preisverleihung im September 2018: Anstatt den Boulevardblättern der Nation einen Scheidungsskandal zu liefern, nimmt der Komiker seine Trennung einfach mit Humor. Bild: dpa

Für Otto Walkes sind Scheidungen erfolgreich abgeschlossene Ehen, die Queen hilft mit ihrer Wohltätigkeitsorganisation vor allem sich selbst und Thomas Gottschalk greift Dieter Bohlens Hautmentalität an. Die Herzblatt-Geschichten.

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          Deutschlands Jugend ist gerade nicht zu beneiden. Erst gab’s mal wieder schlechte Noten bei der Pisa-Studie und dann, als wäre das nicht genug, einen Brief von Franz Josef Wagner. „Liebe leseschwache Schüler“, hebt der Bild-Postillon an. „Jeder fünfte 15-Jährige in Deutschland kann nur einfache Sätze lesen und verstehen.“ Jeder fünfte 15-Jährige – oder, wie es unsere auch im Rechnen nicht ganz vorn rangierenden Schüler formulieren würden: knapp 30 Prozent.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Nun ist Wagners Ansatz, sich gerade via Bild an die leseschwache Jugend zu wenden, grundsätzlich nicht verkehrt, einfache Sätze finden sich da ja reichlich. Was aber macht Wagner mit seinem Brief? „Ich las Mark Twains Huckleberry Finn und fuhr mit dem Finger den Mississippi hinauf“, schreibt er. „Buchstaben führten uns zum Amazonas und den Gebirgen des Himalaja.“ Mississippi! Amazonas! Himalaja! Mensch, Wagner: Angesichts solch furchterregender Wörter haben die leseschwachen Schüler Ihr Blatt doch längst in die Ecke gepfeffert, stattdessen das Handy gezückt und sich zu Focus online gerettet.

          Erfolgreicher oder erfolgloser Abschluss der Ehe?

          Das Talent, unschöne Wörter durch erfreulichere zu ersetzen, besitzt Otto Waalkes. Statt sich dem herrschenden Narrativ zu beugen, wonach seine Ehen gescheitert seien, erklärt er Gala: „Ich war ja zweimal verheiratet und habe diese Ehen erfolgreich abgeschlossen.“ Daran sollten sich alle ein Beispiel nehmen, die in ihren eigenen, quälenden Ehen einfach kein Ende finden können.

          Ihre Beziehung gleich zweimal erfolgreich abgeschlossen haben Bettina und Christian Wulff. Man sollte meinen, nach den misslichen Erfahrungen der Vergangenheit habe der junge Altbundespräsident die Nase voll davon, dass öffentlich sein Privatleben diskutiert wird, das Gegenteil aber scheint der Fall zu sein. Laut Bunte nämlich erklärte Wulff nun in einer Talkshow: „Ich bin Single und habe ja den Vorteil, dass das alle wissen. Von daher muss ich das nicht zusätzlich über ein Datingportal bekanntmachen.“ Vielleicht verrät er in der nächsten Talkshow auch, wie genau er diesen Vorteil zu nutzen weiß. Und wie oft.

          Seine Verflossene Bettina – sie ist, wie alle wissen, nicht mehr Single – hat derweil ein neues Buch geschrieben, gemeinsam mit einem befreundeten Pfarrer. Wie Bunte berichtet, trägt es den Titel „Anders als gedacht: Wie ich lerne, was wirklich zählt“, und was uns besonders gefällt, ist der demütige Präsens: Sie hat es nicht etwa schon gelernt, nein, sie lernt es erst noch. Auch wir erkennen für uns damit völlig neue Chancen auf dem Buchmarkt: „Wie ich lerne, wie man Millionär wird“ oder „Wie ich lerne, die Weltformel zu knacken“ wären verlockende Titel, die gleichwohl nicht leichtfertig versprechen, dass das Ziel auch erreicht wird.

          Wohltätigkeit im Buckingham Palast

          Sehr sympathisch finden wir auch die Vorankündigung des Verlags, die Bunte zitiert: „Eine nachdenkliche Bettina Wulff schreibt über Irrtümer, Krisen und neue Perspektiven.“ Wie gern würden wir Entsprechendes mal von, beispielsweise, einem nachdenklichen Peter Handke lesen, doch die meisten Großautoren betrachten sich ja eher als Vordenker.

          Der spätere Großautor Ulrich Wickert ist als Student, wie Bunte berichtet, einem Buchclub beigetreten, quittierte die bei ihm eintrudelnden Rechnungen dann aber mit den Worten: „Empfänger nach Tübingen verzogen“. Ebendort lebte seinerzeit ein Namensvetter Wickerts, ein Theologe. Ob der damals für ihn die Rechnungen zahlte, weiß der Moderator nicht; so oder so hoffen wir, dass er ein signiertes Exemplar seines Bestsellers „Der Ehrliche ist der Dumme“ irgendwann auch nach Tübingen geschickt hat.

          Wer ist denn nun wer? Die Obama-Family  in harmonischen Tönen im Juni 2017.

          Apropos Ehrlichkeit: Bunte überrascht mit einem Foto, auf dem „Mitarbeiter des Royal Collection Trust, einer von der Queen gegründeten Wohltätigkeitsorganisation“, im Buckingham-Palast „den opulenten Weihnachtsbaum“ schmücken. War das so gedacht, dass die Wohltaten dieser Organisation der Queen selbst zugutekommen? Die Krise des Königshauses dürfte das noch verschlimmern.

          Bohlen lacht heute faltenfrei – via Emojis

          Von ihrem Glanz nichts eingebüßt haben hingegen die Obamas. Ein von diesen veröffentliches aktuelles Familienfoto druckt neben vielen anderen auch In und seufzt: „Kinder, wie die Zeit vergeht!“ Am verblüffendsten findet das Blatt, „wie groß ihre Töchter Sasha (r., 18) und Malia (21) inzwischen geworden sind! Vor allem die Ältere ist im schwarzen Kleid mit sexy Make-up kaum wiederzuerkennen.“ Dass In die Ältere kaum wiedererkennt, dürfte freilich in erster Linie daran liegen, dass Malia auf dem Foto rechts steht. Die in dem schwarzen Kleid ist Sasha.

          Mit dem Älterwerden seinen Frieden gemacht hat Thomas Gottschalk, der im Fernsehen laut Bild offengelegt hat, dass er täglich acht Tabletten schluckt: „Drei für den Blutdruck, eine gegen Asthma, eine gegen Allergien, bei den anderen weiß ich das nicht so genau.“ Womöglich gegen Vergesslichkeit? Botox gegen seine Falten zu nehmen, das allerdings lehnt Gottschalk ab – mit der Begründung: „Sonst ende ich wie Bohlen.“

          Der auffallend faltenfreie Musiker ist von seinem Leib-und-Magen-Blatt prompt mit diesem Satz konfrontiert worden. Bohlen, lesen wir, nahm „Gottschalks Klatsche mit Humor und schickte auf die Bild-Anfrage als Antwort drei vor Lachen weinende Smileys“. Verständlich und zugleich etwas tragisch, dass Dieter Bohlen Zuflucht zu den Emojis sucht: Ob er selbst zu solcher Mimik nicht mehr in der Lage ist?

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