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Herzblatt-Geschichten : Wenn indische Waldesel zittern

Wie zittern indische Waldesel? Moderator Stefan Mross muss es wissen. Schließlich fühlt er sich bei Inger Nilssons Besuch in seiner Show wie einer. Bild: dpa

Die Klatschpresse poliert ihre Texte mit immer neuen Tricks auf. So wird Jörg Pilawa einem violetten Gewittersturm ausgesetzt – und die schwedische Kronprinzessin erhält Überraschungsbesuch auf ihrer Veranda.

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          Auch die Klatschpresse verabschiedet sich jetzt von Helmut Kohl, und zwar auf ihre ganz eigene Art und Weise. „Das neue Blatt“ zum Beispiel, das mit der Schlagzeile aufmacht: „Er starb an gebrochenem Herzen“. Entweder also haben ihn seine Ärzte all die Jahre falsch behandelt, oder man sollte da dringend noch eine zweite Meinung einholen.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          In „Bild“ ruft dem Kohl Norbert Körzdörfer nach, der Meister der misslungenen Tiermetapher, der Cher einen sexy Storch nannte und James Franco einen schmunzelnden Bären, und Körzdörfer greift auch diesmal in die Fauna beherzt daneben. „Sie saßen in der Sauna und fühlten sich verbunden wie zwei Bären“, schreibt er über Kohl und Jelzin. Das ist nicht nur deshalb Quatsch, weil es Bären, die ja nicht mal eben den Pelz ablegen können, in der heißen Sauna kaum aushielten, sondern vor allem deshalb, weil Bären als Einzelgänger bekannt sind, die sich allenfalls in der Paarungszeit mal kurz einander verbunden fühlen. Zu den Tieren, die absolut keine Einzelgänger sind, zählen Katzen, Kaninchen oder Rennmäuse – aber, wir geben es zu, für Kohl und Jelzin wäre das auch kein wirklich passendes Bild.

          Ein tolles Bild hingegen hat „Freizeitmomente“ gefunden, um seine Schlagzeile über Jörg Pilawa stärker nachhallen zu lassen: Hinter Pilawas verstört wirkendem Gesicht und den Worten „Schock-Nachricht – Jetzt spricht er von seinem Ende“ tobt ein Gewitter mit finsteren Wolken und fiesem Blitz. Wir würden da raten, sich schleunigst irgendwo unterzustellen, dann ließe sich das Ende gewiss noch hinauszögern. Im dazugehörigen Artikel freilich geht es überhaupt nicht um ein Unwetter, ja es geht nicht einmal um Pilawas Ende, sondern einzig und allein darum, dass er nicht bis in alle Ewigkeit als Fernsehmoderator arbeiten möchte, sondern irgendwann „der Tag kommen“ werde, „an dem ich aufhöre“. Wir warten nun darauf, dass diese Nachricht bei uns einen inneren Donner auslöst, doch es kommt nicht mal ein Regentropfen.

          Wenn Jörg Pilawa vom „Ende“ spricht, muss „Das neue Blatt“ für den dramatischen Effekt seine Titelseite mit lila Gewitterwolken unterlegen.

          Aber was lässt man sich nicht alles einfallen, um seine Stories aufzumotzen. Nehmen wir „Die Aktuelle“. „Welt-EXKLUSIV-Interview“, titelt sie, „'Die Aktuelle' zu Besuch im Schloss – Daheim bei Victoria!“ Über vier Seiten zieht sich das Gespräch mit Schwedens Kronprinzessin, die über die Liebe zu ihrem Mann spricht, über ihre Kinder Oscar („ein ruhiges Kind, er beobachtet aber alles sehr genau!“) und Estelle, die „voller Leben“ sei, über ihre überwundene Magersucht („Es war eine harte Zeit“) und ihren nahenden vierzigsten Geburtstag.

          „Die Aktuelle“ habe, schreibt das Blatt, Victoria auf Schloss Haga besucht: „Dort führt 'Die Aktuelle' das Interview auf der Glas-Veranda mit Blick in den traumhaften Garten.“ Wir aber fragen uns: Ausgerechnet „Die Aktuelle“ soll Victoria auf ihre Glas-Veranda bitten, ein Blatt also, das so gerne Steine wirft? Das seit Jahren irre Schlagzeilen auch über Schwedens Königshaus druckt, zuletzt meist über Victorias Schwester Madeleine, deren Ehe es gern beendet sähe („Prinzessin, lass dich scheiden!“)?

          Hat die schwedische Kronprinzessin etwa Vertreter der Klatschpresse auf ihre Glas-Veranda geladen? Nein. Da irrt sich „Die Aktuelle“ aber gewaltig.

          Fahndet man ein wenig im Internet, stößt man dann auch schnell auf wortgleiche Passagen aus diesem Interview, das Victoria tatsächlich gegeben hat – allerdings der schwedischen Agentur TT, deren Redaktion uns am Telefon bestätigt, dass sie das Gespräch exklusiv geführt und an andere Medien verkauft hat. Darunter offensichtlich auch an „Die Aktuelle“, die ihren Lesern dennoch unbekümmert suggeriert, jemand aus ihrer eigenen Redaktion habe in den traumhaften Garten blicken dürfen. Seltsam, dass bei einem solchen Scoop dann kein Autorenname unter dem Interview steht.

          Stefan Mross zittert wie ein indischer Waldesel

          Bei dieser Gelegenheit ein Satz zu dir, „Bunte“: Wir hoffen doch, dass du von der Firma Swarovski hinreichend entlohnt wurdest dafür, dass du bei der Schlagzeile „Die große Swarovski-Hochzeit“ den Namen der Braut mit kleinen Glitzersteinchen dekoriert hast. Andererseits: Warum durfte Manuel Neuer kürzlich in den Großbuchstaben, die über seine Hochzeit informierten, nicht für seinen Ausrüster werben? Victoria Swarovskis Hochzeitskleid übrigens war tatsächlich mit 500000 Kristallen besetzt und deshalb leider 46 Kilo schwer: „Es war echt nicht einfach, bei der Trauung immer wieder aufzustehen und sich hinzusetzen.“ Irdischer Besitz kann nun mal eine echte Belastung sein.

          Comedian Oliver Pocher will seinen Kindern Normalität beibringen. Ob er dafür der Richtige ist?

          Finanziell nicht mehr so gut gestellt wähnt sich Oliver Pocher, der sich im Fernsehen darüber beklagt hat, dass er angeblich zu viel Geld an seine Ex-Frau zahlen müsse. Über die gemeinsamen Kinder, die bei der Mutter in Amerika leben, hat er laut Bunte gesagt: „Ich möchte, dass sie genauso oft auch bei mir sind und von mir Normalität lernen.“ Verständlicher Wunsch – aber für Normalität, bei allem Respekt, scheint uns Pocher nicht unbedingt der qualifizierteste Lehrer zu sein.

          Überraschenderweise als Fachmann für exotische Fauna erweist sich Stefan Mross, der, wie Das goldene Blatt berichtet, ob des Besuchs der Pippi-Langstrumpf-Darstellerin Inger Nilsson in seiner Show sagte: „Ich fühle mich so geehrt, ich zittere wie ein indischer Waldesel.“ Auch hier haben wir noch mal das Internet bemüht – und für besagtes Tier keinen einzigen Treffer gefunden. Wir wissen also nicht, ob der indische Waldesel wirklich so stark zittert; sollte es ihn aber wirklich geben, dann dürfte er mit ziemlicher Sicherheit ein Einzelgänger sein.

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