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Herzblatt-Geschichten : Aber bitte, rasieren Sie sich!

Schwarzgelbe Koalition in Bayern: Horst Seehofer mit Marge und Homer Söder Bild: dpa

„Bild“-Journalist Franz-Josef Wagner ist quasi verliebt in Martin Schulz, wäre da nur nicht sein störender Bart. Richard Gere will seine Partnerin mit Küssen vor Fotografen beruhigen, und Maite Kellys Gatte entwickelt sogar eine Pflegeserie, um seine Liebe zu bekennen.

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          Diese Lovestory hat wahrlich alles, um uns zu fesseln: Schillernde Helden, große Gefühle, krasse Cliffhanger. Wir erinnern uns: Franz Josef Wagner hatte in seiner Bild-Kolumne unverhofft einen Liebesbrief verfasst – an Martin Schulz: „Ich bin quasi verliebt in ihn. Er verspricht mir so viel, aber ich weiß nicht, was“, beichtete er, und: „Verliebte weinen viele Tränen.“ Nur eine Woche später schreibt Wagner Schulz abermals. Der Tränenschleier ist verflogen und er hat etwas bemerkt, das seine Liebe auf die Probe stellt: Schulz trägt einen Bart.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          „Der Wert eines Menschen hängt nicht von Äußerlichkeiten ab“, schreibt Wagner jetzt. „Aber bitte, rasieren Sie sich! Ein Kanzlerkandidat sollte nicht so ein Spinnennetz vor seinem Gesicht haben.“ Und auch keinen „ausgefransten Teppich im Gesicht“, schimpft er weiter: „Ihr Bart irritiert mich. Ich weiß nicht, was er bedeuten soll.“ Wie, fragen wir uns bang, mag die Romanze weitergehen? Wird Schulz für Wagner zum Rasierer greifen – oder ihm wenigstens die Bedeutung seines Barts erklären? Und was wird Wagner kommende Woche von ihm verlangen: die Brille abzusetzen („Ein Kanzlerkandidat darf kein Vierauge sein“)? Sich Haare auf den Kopf pflanzen lassen („Ihr kahler Schädel blendet mich“)?

          Doch nicht nur bei Wagner sorgt Schulz für Unruhe. „Dramatische Wende – Ehe vor dem Aus! Angela Merkel – Martin Schulz – Besiegelt dieser Mann ihr Schicksal?“, titelt Das Neue. Hat nun auch Merkel sich, trotz seines Bartes, in Schulz verliebt? Oder gar Joachim Sauer? Die Auflösung ist banal: Demnach wäre für Merkel eine Wahlniederlage bitter, ein Sieg aber auch, weil sie dann nach wie vor so viel arbeiten müsse, was für ihre Ehe...schnarch. Die aktuellen Umfragedaten lesen sich da spannender.

          „Ihr Bart irritiert mich. Ich weiß nicht, was er bedeuten soll“, schimpft Kolumnist Franz-Josef Wagner mit SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz.

          Was die Menschen wirklich bewegt, meint Bild zu wissen: „Hat er oder hat er nicht...Viele seiner Fans rätseln: Hatte Mode-Designer Guido Maria Kretschmer (51) schon mal Sex mit einer Frau?“ Ach was. Wir fragen uns ja eher: Hat die Bild oder hat sie nicht mehr alle Tassen im Schrank? Bereitwillig plaudert Kretschmer jedenfalls aus seinem Intimleben, unter anderem von einem frühen, nicht ganz so flotten Dreier. „Der Junge ist heute schwul, das Mädchen lesbisch. Wir müssen wohl so schlecht gewesen sein, dass sie danach nie wieder was mit einem Typen wollte.“ Also aufgepasst, liebe Bravo-Leser, was Dr.Kretschmer da sagt: Wenn ihr schlecht im Bett seid, wird euer Partner homosexuell.

          Bestimmt keine Gefahr geht da von Richard Gere aus, der seine Partnerin auf dem roten Teppich der Berlinale „gegen jedes Protokoll“, wie sich Bunte freut, küsste. Und zwar, weil sie sich „sehr zerbrechlich“ gefühlt habe: „Ich bin mir bewusst, dass da eine Milliarde Menschen mit Kameras herumsteht“, sagt er. „Aber gleichzeitig weiß ich auch, dass ein menschliches Wesen neben mir ist und für sie der Moment, in dem ich ihr meine Zuneigung beweise, realer ist als die ganzen Fotografen.“ Mensch, Gere, wenn Sie ihrer Freundin ernsthaft erzählen, dass eine Milliarde Fotografen da steht statt der üblichen zwei Dutzend, dann brauchen Sie sich nicht zu wundern, wenn sie sich zerbrechlich fühlt.

          Weil sie sich „zerbrechlich“ fühlt, gibt Richard Gere seiner Freundin Alejandra Silva auf der Berlinale lieber schnell einen Kuss vor den Fotografen.

          Noch ärger ging es Maite Kelly: „Verheimlichtes Leiden – jetzt verrät ihr Mann unfassbare Details“, schreit es vom Cover der Freizeitwoche. Liegt aber alles schon etwas zurück: 2009 als Musical-Darstellerin habe sie durch die tägliche „dicke Schicht Make-up“ Hautprobleme bekommen, und ihr Mann musste „hilflos mitansehen, wie immer mehr Ekzeme den zarten Teint seiner Frau zerstören“. Worauf der liebende Gatte im Keller ein Labor einrichtete: „Die Liebe zu meiner Frau inspirierte mich zu der Idee, für ihre Haut eine Pflege zu entwickeln, die ihr Leiden ganz beenden sollte“, teilt er mit. Zur Belohnung gibt’s nun die Titelstory der Freizeitwoche: Auf zwei Seiten darf er für seine Pflegeserie werben, die „europaweit erfolgreich im Internet“ verkauft werde – vermutlich weil er nicht nur seine, sondern auch die Frauen ganz Europas liebt.

          Hoffentlich keine Ekzeme bekommt Markus Söder, der zur fränkischen Fastnacht dick geschminkt als Homer Simpson aufgetreten ist: „,Die Simpsons verkörpern die typischen CSU-Wähler‘, witzelte Söder, der für seine ausgefallenen Kostüme bekannt ist. ,Sie arbeiten hart, sind eine großartige Familie.‘“ Ähm, Söder: Tatsächlich ist die Simpson-Familie extrem dysfunktional, und Homer ist ein fauler Sack, der bei der Arbeit im Kernkraftwerk immer einschläft. Aber schön, dass wir nun wissen, was für ein Bild die CSU von ihren Wählern hat.

           

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