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Herzbaltt-Geschichten : Wie sehen die denn aus?

Täuschend echt? Die Klitschko-Brüder in ihren Fat-Suits - im Kern gestählt wie immer Bild: obs

Der Schein trügt - das mussten wir diese Woche lernen: Bei Berlusconis Bunga-Bunga-Partys ging es nämlich gar nicht um Geschlechtsverkehr, sondern lediglich um Politik. Andrea Berg pfeift derweil ebenfalls auf den schönen Schein und wirft sich in ihren Pyjama.

          Keine Frage, wir verurteilen das zutiefst, was wir da Tag für Tag aus Italien hören, und wir wünschen Silvio Berlusconi von Herzen, dass sein Volk sich ebenso gegen ihn erheben möge wie diejenigen der Herren Ben Ali und Mubarak. Alles aber, selbst die entsetzlichen Bunga-Bunga-Partys, hat zwei Seiten, und auf die andere weist uns ein Bild-Bericht über Barbara Faggioli (25) hin: Durch ihre Teilnahme an den Orgien „wollte sie Berlusconi angeblich überzeugen, ihr einen Platz im Parlament zu verschaffen. In einem abgehörten Telefonat sprach sie über ihren Plan: ,Bei den nächsten Wahlen muss ein Platz für mich herausspringen. Berlusconi hat schon so vielen Mädchen diesen Gefallen getan - jetzt bin ich dran.'“

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Interessant daran finden wir nun, wie viele junge Italienerinnen offensichtlich ihre Erfüllung darin sehen, Parlamentarierin zu werden. Bei uns wollen ja alle immer nur ins Fernsehen. Guten Gewissens freilich mögen wir Berlusconis Rezept gegen die hiesige Politikverdrossenheit dann doch nicht empfehlen.

          „Inspirierende Glückslüfte“

          An der Italien-Liebe der Deutschen - und der Österreicher - ändert das alles nichts. „Meine inspirierende Glücksluft ist der sinnliche Süden Italiens oder Marokkos“, sagt André Heller im Bunte-Interview und pustet viele weitere inspirierte Töne in die Glücksluft. Zum Thema Tod etwa meint er: „Da ist so viel Sehnsucht in meinem Leben nach dort, von wo ich herkomme, dass ich mich natürlich innig auf die Rückkehr freue, aber zuvor möchte ich meine Reise durch die Polarität dieses faszinierenden Planeten noch humorvoll und hochinteressiert auskosten.“ Uff. Nicht ganz so blumig, aber nicht weniger wahr ist Hellers Satz: „Je mehr man sich selbst liebt, desto mehr kann man die anderen lieben und deren Liebe annehmen.“

          Jetzt ist es raus: Karel Gott war schuld an Beatles-Trennung

          Da sind wir dann wieder bei Berlusconi. Oder bei Elke Heidenreich. Von Bunte befragt nach dem Aus der ZDF-“Vorleser“, erklärt sie: „Ich bin davon überzeugt, dass ich das besser kann, und finde, mehr als drei Jahre nach meinem Rauswurf könnte man mich ruhig mal wieder fragen.“ Selbstbewusst zeigt sich Heidenreich, 67, die verheiratet ist, aber einen 28 Jahre jüngeren Freund hat, auch in Beziehungsfragen. Angst, dass der junge Mann geht, hat sie keine: „Er kann ja auch mich verlieren. Ich bin ja auch keine schlechte Nummer.“

          Rückkehr der Pyjama-Party

          Auch Sängerin Andrea Berg (45) wird mit den Jahren gelassener. „Ich glaube, als Frau macht man einen gewissen Zyklus durch“, sagt sie dem Goldenen Blatt. „Die ersten 20, vielleicht auch 30 Jahre, bist du in einer Erprobungsphase. Du betrügst dich selbst. Weil du versuchst, dich so zu geben, wie der Partner dich wohl gerne haben möchte.“ Mitunter übernimmt das Betrügen ja auch gern der Partner. „Wenn ich mich immer absolut cool gebe, stets top gestylt bin, gibt es irgendwann das böse Erwachen: Dann sieht mich mein Kerl morgens ungeschminkt in meinem Kuschel-Schlafanzug und ergreift die Flucht“, so Berg. „Aber wenn du authentisch bleibst und dann jemanden findest, kann dir nichts passieren.“ Am besten für eine Beziehung also ist es, man lernt sich gleich ungeschminkt und im Schlafanzug kennen.

          Auf unserer Reise durch die Polarität dieser faszinierenden Herzblätter wollen wir nun humorvoll und hochinteressiert die irrsten Titelschlagzeilen der Woche auskosten: Der Sieg geht ans Goldene Blatt für „Victoria & Daniel - JA! Zwillinge“. Besagte Zwillinge nämlich hat nicht Victoria, sondern Mary von Dänemark bekommen. Victorias, gewiss doch, „Leibwächter“ versichert: „Es war fast, als wäre sie selber Mutter geworden.“ Insofern ist die Zeile „JA! Zwillinge“ also nur fast falsch. Knapp dahinter liegt das Echo der Frau mit „Stefanie Hertel - Abschied von ihrem geliebten Papa“. Eberhard Hertel (72) nämlich ist gottlob am Leben, Stefanie will nur demnächst etwas seltener mit ihm auftreten.

          Göttliche Trennung

          Eine echte Enthüllung aber ist die Echo-der-Frau-Story über Karel Gott und John Lennon: „Der Schlagerstar spricht zum ersten Mal über seine Begegnung mit dem verstorbenen Ex-Beatle.“ Tatsächlich zeigt ein Foto, dass Gott Lennon begegnete, als der noch gar nicht tot und sogar noch Beatle war: „Im Beatles-Büro an der Savile Row traf der Sänger Anfang April 1970 John Lennon und dessen Frau Yoko. Wenige Tage später trennten sich die Beatles.“ Deren Geschichte wird nun in weiten Teilen umgeschrieben werden müssen: Es war gar nicht Yoko, Karel Gott ist schuld.

          Dich aber, 7 Tage, müssen wir doppelt rügen: Erst zeigst du ein Foto der Klitschkos, die für einen Werbespot „ordentlich Gewicht“ zugelegt hätten, verschweigst aber, dass beide „Fatsuits“ tragen. Eine Woche darauf klärst du die Sache nicht etwa auf, sondern hilfst deiner Leserin Sabine Wörner aus Reutlingen dabei, sich lächerlich zu machen, indem du ihren Brief abdruckst: „Wie sehen die beiden denn aus? Also ich würde mir für kein Geld dieser Welt so eine dicke Wampe an(fr)essen! Die müssen diesen Werbespot schon sehr nötig haben, dass sie so mit ihrem Körper umgehen.“ Da ist uns beim Lesen glatt der Kaffee auf unseren Kuschel-Schlafanzug gekippt.

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