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Herzblatt-Geschichten : Die subtile Rache eines ehemaligen Traumpaares

Ein Bild der Vergangenheit: Fischer und Silbereisen sind kein Paar mehr. Bild: dpa

Zehn Jahre waren Helene Fischer und Florian Silbereisen das perfekte Paar. Das Liebesaus fand bereits im Oktober statt, ohne dass die Öffentlichkeit etwas davon mitbekam. Wo waren nur all die Billigblätter, wenn man sie einmal braucht?

          Helene Fischer und Florian Silbereisen schienen als Paar schon immer zu perfekt für diese Welt, und nach ihrer Trennung hat sich das nicht geändert. Normale Menschen würden sich verbittert im Sofa eingraben, Unmengen von Alkohol trinken und sämtliche Instagram-Bilder des Ex entliken, und was machen Helene und Florian? „So kitschig es klingen mag – wir sitzen hier seit Stunden zusammen, lesen Eure Nachrichten und können uns nur ganz herzlich bei Euch für die vielen einfühlsamen Worte bedanken“, teilen sie ihren Fans via Bild mit. So wie andere gemeinsam einen netten Weihnachtsfilm anschauen, verfolgen sie also gerührt die Live-Reaktionen auf das Ende ihrer Liebe. Womöglich halten die zwei gar noch Händchen dabei?

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          So manche nicht so nette Reaktion wird freilich erst kommen. Denn das ist die subtile Rache der beiden, die von der Klatschpresse traktiert wurden wie kaum jemand anders hierzulande: Sie haben ihre Trennung zu einem Zeitpunkt bekanntgegeben, der all die Billigblätter kalt erwischte; deren Redaktionen dürften nun nachhaltig die Weihnachtstage versaut sein. So liegen sie nun am Kiosk herum, das Echo der Frau mit der Schlagzeile „Helene & Florian – Rätsel um ihr geheimes Glück!“ oder Das goldene Blatt mit dem jetzt zynisch anmutenden „JAAA! Wunderbare Neuigkeiten“. Die wunderbare Neuigkeit übrigens besteht darin, dass Fischer in einem Interview gesagt habe, sie wolle sich „ein bisschen Zeit nehmen, um einfach in mich hineinzuhorchen, wo ich hin will und was die nächsten Schritte sind“. Hätte man was ahnen können?

          Der Abgang des Strahlepaars ist auch deshalb ein schwerer Schlag für die Hefte, weil die Leerstelle auf den Titelblättern kaum zu füllen sein wird – nachdem man bereits die Guttenbergs ans Ausland verlor und sich erst Stefan Mross und Stefanie Hertel, dann Bettina und Christian Wulff und später nochmals Bettina und Christian Wulff getrennt hatten. Sicher nicht in Frage für die Nachfolge kommen Cora Schumacher, Ex-Gattin des Ex-Rennfahrers Ralf, und ihr neuer Freund Lenox, der die betagte Leserschaft allein optisch schon verschrecken dürfte, da er nicht nur ganzkörper-, sondern auch ganzkopftätowiert ist. Dass sich inmitten des Bildergewirrs auf Lenox’ Leib auch ein kleines Hakenkreuz findet, erklärt Cora laut Bild wie folgt: „Die Swastika gilt in vielen Kulturen als Glückssymbol, und so ist es seinerseits interpretiert.“ Hätte er sich die Interpretationshilfe besser mal gleich neben das Kreuz tätowieren lassen.

          „Sie schwebt im siebten Himmel“

          Immerhin könnte Coras Freund als Stilvorbild für Florian Silbereisen taugen, der sich einst leichtsinnigerweise ein großformatiges Helene-Fischer-Porträt auf den Oberarm tätowieren ließ: einfach den Rest des Körpers auch noch komplett zupflastern lassen, dann fällt die Helene gar nicht mehr auf. Er kann sich natürlich auch eine neue Freundin suchen, die der alten oder zumindest deren Tattoo-Porträt halbwegs ähnelt. Fischers Kollegin Michelle käme da in Frage, die freilich von der Freizeitwoche wieder mit ihrem Expartner verkuppelt wird: „Matthias Reim & Michelle – Ja, wir lieben uns! Alles über ihren romantischen Neuanfang.“ Klar, dass auch da nix dran ist. Allerdings sind die beiden am Dreh der Story nicht komplett unschuldig – liest man die Sätze, die sie selbst gesagt haben: „Ich kann sie spüren. Ich weiß, wo sie Gänsehaut erzeugen kann. Ich weiß, wo sie nach oben gehen kann.“ Wovon Reim hier redet? Von dem neuen Song, den sie zusammen aufgenommen haben.

          Exklusiv im Neuen Blatt zu lesen sind stets die Schauergeschichten, die es in regelmäßigen Abständen vom „Bauer sucht Frau“-Paar Josef und Narumol zu verkünden gilt: Ob Autounfall, der Tritt einer Kuh oder zuletzt eine Muschelvergiftung, immer stößt dem Paar angeblich Fürchterliches zu, das es dem Neuen Blatt hinterher fröhlich und unversehrt zu Protokoll gibt. Diese Woche ist es wieder so weit: „Drama auf ihrem Hof – Josef & Narumol – Schreckliche Explosion! Danke, lieber Gott, dass wir noch leben...“, titelt das Heft. Demnach soll auf dem Hof der Zentralofen explodiert sein. Statt aber, wenigstens ein einziges Mal, ein Beweisfoto zu drucken, zeigt Das neue Blatt das Ehepaar fröhlich und unversehrt beim Plätzchenbacken und Baumschmücken. Kommt natürlich auch etwas besinnlicher rüber als so ein kaputter Ofen.

          Mit der Besinnlichkeit definitiv vorbei sein dürfte es für Thomas Seitel, der allerorts bislang unwidersprochen als Helene Fischers neue Liebe vorgestellt wird und in Bild mit einem nicht eben vorteilhaften Foto präsentiert wird, entstanden bei einer Rekordjagd: „Thomas Seitel holte 2008 den Guinness-Rekord fürs Überziehen von 82 Unterhosen in fünf Minuten.“ Gut für ihn, dass er sich karrieretechnisch umorientierte und heute als Akrobat seine neue Freundin in schwindelerregender Höhe durch die Luft wirbelt. Davon gibt es überaus ästhetische Fotos, die den Klatschheften die Schlagzeilen frei Haus liefern: „Helene & ihr Thomas – Er trägt sie auf Händen“ oder „Helene – Sie schwebt im siebten Himmel“. Soll uns recht sein, solange wir nie die Zeile lesen müssen: „Arme Helene – Er hat sie einfach fallen lassen.“

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