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Herzblatt-Geschichten : Ich bin leider sehr liebevoll

Leider sehr liebevoll: die Siegerin der Casting-Show Germany’s Next Topmodel Simone Kowalski Bild: dpa

Die Klatschmagazine fragten in dieser Woche, was GNTM-Siegerin Simone Kowalski und ihre Kolleginnen für ihre Schwächen halten. Außerdem erzählt Norwegens Prinzessin Märtha Louise von ihrer Liebe zu einem Schamanen.

          Wird eine Person des öffentlichen Lebens nach ihren Schwächen gefragt, sollte man besser nicht mit einer ehrlichen Antwort rechnen. Kein Mensch würde zum Beispiel sagen: Ich bin ein bisschen doof. Oder: Ich betrüge ab und an meinen Partner. Stattdessen kommt meist etwas, wohinter sich tatsächlich Eigenlob versteckt, nämlich: Ich bin zu ungeduldig. Was eigentlich nichts anderes heißt als: Die lahmen Esel um mich herum können mit meiner Dynamik einfach nicht mithalten.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ganz neue Maßstäbe in dieser Disziplin setzt die frischgekürte Siegerin von „Germany’s Next Topmodel“, und wenn mittlerweile auch sattsam bekannt ist, dass diese Show kaum ein wirkliches Supermodel hervorbringt, fänden wir den Gedanken doch zauberhaft, es würde eine junge Deutsche zum Weltstar reifen, die Simone Kowalski heißt. Von Bild befragt nach ihren Schwächen, antwortet Simone jedenfalls: „Davon habe ich viele. Ich bin leider sehr liebevoll.“ Leider liebevoll? Ja, denn: „Viele Menschen nutzen das gerne aus.“ Simones Beispiel vor Augen, trauen auch wir uns nun, zu unseren Schwächen zu stehen: Wir sind klug, einfühlsam, charmant und witzig, und wenn wir lächeln, haben wir ganz furchtbar niedliche Grübchen. Leider können viele Menschen damit überhaupt nicht umgehen.

          Ob viel Tüll gegen harte Treffer hilft? Topmodel-Kandidatin Sayana

          Die Drittplazierte Cäcilia nennt als Schwäche ihre Lesefaulheit: „Das einzige Buch, das ich gelesen habe, war ,P.S. Ich liebe Dich‘. Hat lange gedauert, bis ich das fertig hatte.“ Vermutlich hatte sie gedacht, statt um ein ganzes Buch handele es sich nur um ein kurzes Postskriptum. Sayana schließlich, die Nummer zwei, beschreibt ihre Stärke: „Wenn etwas Unrechtes, Unterdrückendes, Unterwerfendes passiert, erhebe ich mein Wort.“ Wieso hat sie sich dann freiwillig dem gefürchteten Klum-Regime unterworfen? Eine Schwäche hat Sayana aber auch: „Ich bin sehr emotional. Wenn man mich trifft, fange ich sofort an zu weinen.“ Solange sie das nicht im Griff hat, sollte sie es vielleicht vermeiden, sich mit Menschen zu treffen.

          „Eiskalter Verrat – Bittere Tränen in der Nacht“, titelt Die Aktuelle nicht über Sayana, sondern, Überraschung, über die Bundeskanzlerin. „Es ist kurz vor zwölf Uhr nachts. Draußen weht ein scharfer Wind. Angela Merkel (64) sitzt wie so oft in den letzten Wochen noch an ihrem Schreibtisch im Kanzleramt. Sie ist müde, erschöpft. Und vielleicht weint die immer so kühle Kanzlerin sogar bittere Tränen!“ Und zwar deshalb, weil sich Akronym-Königin AKK ihren Job schnappen wolle. Oder wegen des scharfen Windes, der durch die Ritzen pfeift? So oder so sollte sich Merkel der Konkurrentin gegenüber nicht zu liebevoll zeigen, am Ende nutzt die das noch aus.

          Bitte nicht einengen: Bremer FDP-Kandidatin Lencke Steiner

          SPD-Frau Katarina Barley lässt derweil Bunte über ihre Kindheit wissen: „Es gab immer den Blick über den Tellerrand. Der wurde uns allen in die Wiege gelegt.“ Ähm, was genau: der Blick, der Teller oder der Rand? Fast schon als Haus- und Hofpolitikerin der Frau im Spiegel darf die Bremer FDP-Fraktionschefin Lencke Steiner gelten, die sich einst von dem Blatt beim Base Flying begleiten ließ und nun gefragt wird, ob sie nach der Wahl wohl Wirtschaftssenatorin werde. „Ich möchte für Bremen Verantwortung übernehmen“, antwortet sie. „Dabei darf ich aber nicht in ein enges Korsett gezwängt werden. Um richtig gut zu sein, brauche ich Freiraum, damit ich eigene Ideen verwirklichen kann.“ Liebe Bremer: Engt diese Frau bloß nicht durch ein Ministeramt ein! Lasst sie lieber weiter ungestört Base Flying machen. Dazu passt dieser im Goldenen Blatt erteilte Rat von Andrea Kiewel: „Breiten Sie Ihre Flügel aus und seien Sie der Mensch, der Sie schon immer sein wollten.“ Zum Beispiel ein Mensch mit Flügeln.

          Lange Jahre ganz ernsthaft eine Engelsschule betrieben hat Norwegens Prinzessin Märtha Louise, die sich von solchen Schnurren verabschiedet und laut der Aktuellen den Mann ihres Lebens gefunden hat – den Schamanen Durek, der von ihr schwärmt: „Ich kann ganz einfach in ihren Armen weinen wie ein kleines Baby. Für einen Mann ist das eine große Sache.“ Was Durek außerdem kann: „Wir Schamanen haben Zugang zu Atomen, wir können Atomkerne drehen und so das Alter reduzieren.“ Wenn er es übertreibt, ist er am Ende tatsächlich wieder ein kleines Baby, dann aber bitte nicht heulen. Märtha Louise wiederum sagt: „Ich liebe ihn von einer Ewigkeit zur nächsten.“ Dass es nicht eine, sondern mehrere Ewigkeiten gibt, wird uns ja jede Woche wieder bewusst, wenn wir uns durch ein Herzblatt nach dem anderen quälen.

          Von einer Ewigkeit zur nächsten: Märtha Louise und der Schamane Durek Verrett

          An Komplimenten für seine Freundin Anna-Carina versucht sich im Goldenen Blatt auch Stefan Mross: „Sie ist wie ein Lottogewinn – nur noch viel schöner.“ Da wird Anna-Carina geschmeichelt sein, dass sie attraktiver ist als ein Haufen Geldscheine. Immerhin spart sich Mross den Nachsatz: „Auch wenn man sich mit ihr natürlich viel weniger kaufen kann.“

          Im gleichen Heft erfahren wir dann noch von Peter Maffays Vater, dass Dackeldame Trixi seinem Sprössling fast die musikalische Karriere versaut hätte: „Sie war geradezu allergisch auf allzu hohe Töne. Sie steigerte sich jedes Mal in eine solche Rage hinein, dass sie am Ende keinen anderen Ausweg sah, als Peter ins Bein zu beißen. Dieser wiederum verließ dann das Zimmer, womit das Geigenüben ein abruptes Ende hatte.“ Dass Maffay schließlich Sänger wurde, hat Trixi freilich nicht verhindern können. Schlauerweise singt er ja auch eher tiefe Töne.

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