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Herzblatt-Geschichten : Wir setzen uns ins Glück

Bei Charlene von Monaco ist alles beim Alten, doch die Klatschpresse hat anscheinend hellseherische Fähigkeiten und weiß jetzt schon, dass die Babys der Fürstin acht Wochen zu früh sind. Bild: AFP

Eigentlich ist alles wie gehabt: Monaco wartet auf die Babys ihrer Fürstin Charlene und Florian Silbereisen spielt nur die zweite Geige. Doch zwischen dem Warten und dem Dauerthema mischt sich auch eine ganze Menge Liebe.

          Wenn eine Zeitschrift folgende Titelstory präsentiert: „Charlene - Acht Wochen zu früh! Die Babys - Die Glanzleistung der Ärzte - Monaco zittert mit der Schwangeren“ - was ist dann geschehen? Da es sich bei der Zeitschrift um Die Aktuelle handelt, kennen wir die Antwort: gar nichts natürlich. Die Babys sind nach wie vor in ihrem Bauch, Monacos Zittern haben sich die Aktuelle-Seismographen zusammenphantasiert, und die renommierten Ärzte „werden auch bei Charlene wieder eine Glanzleistung vollbringen“. So weit alles wie gehabt.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Zu würdigen bleibt aber die Arbeit am Titelfoto. Im September ist Charlene in New York gewesen, wo sie in einem graublauen Kostüm mit auffälligen dunklen Knöpfen auftrat. Eines der Fotos von damals ziert nun Die Aktuelle, nur ist Charlenes Gewand plötzlich seegrün geworden, zudem sind sämtliche Knöpfe retuschiert - so dass es nun aussieht, als trüge sie einen Patientenkittel. Für uns ist das klar die Photoshop-Kreativleistung der Woche, noch vor den Aufnahmen der ölglänzenden Kim Kardashian.

          Judith Rakers hat schon in jungen Jahren viel gelernt. Sie konnte nämlich mit neun Autofahren und mit zwölf mit einer Waffe umgehen. Was genau ihr das für ihre Zukunft gebracht hat, bleibt allerdings fraglich.

          Die Fehlleistung der Woche leistet sich Das goldene Blatt, ausgerechnet auf seiner Seite „Die wundersame Welt des Wissens“. Griechenlands Nationalhymne, lesen wir, „besitzt 158 Strophen. Die deutsche hingegen nur drei.“ Keine Ahnung, ob bei der Griechen-Hymne richtig gezählt wurde, bei der deutschen sicher nicht. Unsere Hymne, Goldenes Blatt, hat nämlich nur eine Strophe. Gut, früher war das mal anders. Und womöglich hat deine ergraute Leserschaft die Änderung noch nicht mitgekriegt.

          Schon in jungen Jahren viel gelernt hat „Tagesschau“-Sprecherin Judith Rakers. Das neue Blatt zitiert aus einem Interview, in dem sie sagte: „Mit neun Jahren hat mein Vater mir Autofahren beigebracht.“ Und: „Mit etwa zwölf habe ich bei Opa das Schießen gelernt.“ Mit 15 hat sie dann beim Banküberfall ihrer Familie den Fluchtwagen gesteuert.

          Unsinn, wir möchten hier keine bösen Gerüchte streuen. Vielmehr hat die Assoziation mit dem Banküberfall unsere eigene Geldknappheit ausgelöst, von der sogar unser Frau-im-Spiegel-Horoskop weiß: „Über Ihre Finanzen scheinen gerade andere Personen oder Institutionen mehr zu bestimmen als Sie selbst.“ Wir vermuten mal, das Finanzamt oder unsere Frau. „Bis zum Jahreswechsel müssen Sie da durch. Immerhin: Die Sterne sprechen nicht von Katastrophen, es geht alles glimpflich ab.“ Das wollen wir hoffen, vielleicht aber sind die Sterne auch einfach nur diskret.

          „Da passt nichts dazwischen“

          Diskretion scheint nicht die Stärke Donald Sutherlands zu sein. Die Bild-Zeitung jedenfalls erfährt vom Schauspieler dies über die Liebe zu seiner Frau: „Ich liebe sie so doll, dass ich sogar ihren Furz erkennen würde, in einem Raum voller Fürze.“ Vielleicht wollen Sie, Mister Sutherland, mit der Nummer noch schnell bei „Wetten, dass . . ?“ auftreten? Eine Chance gibt es noch.

          Ganz eng miteinander sind auch Andrea Berg und ihr Gatte. „Leben ist“, sagt sie dem Neuen Blatt, „mit meinem Mann auf dem Sofa zu sitzen und den ,Tatort‘ zu schauen, mit leckeren Spaghetti in Sahnesoße.“ So richtig appetitlich stellen wir uns das nicht vor, wie die Bergs auf dem Sofa vor der Glotze Spaghetti schlabbern; wären wir dort eingeladen, würden wir uns ungern auf die Couch setzen. „Wenn wir zusammen sind, ist es für mich das Schönste“, schwärmt Berg weiter. „Da passt nichts dazwischen.“ Außer eventuell der eine oder andere Spaghetti.

          Eher eigenwillig finden wir auch, wie sich ein anderes Paar, Claudia Schiffer und Matthew Vaughn, zu Halloween präsentierte: Während Claudia, wie Frau im Spiegel dokumentiert, als Wildkatze ging, kostümierte sich Matthew als „Invisible Man“. Sehr originell ist das wahrlich nicht: Neben einer Claudia Schiffer ist Vaughn schließlich das ganze Jahr über unsichtbar.

          Christine Neubauer findet sich an der Seite ihres Freundes José Campos noch schöner. Er konnte das leider nicht bestätigen. Könnte aber auch an seinem eher mäßig gutem Deutsch liegen.

          Höchstens die zweite Geige - oder das zweite Akkordeon - spielt auch Florian Silbereisen, dessen Bild auf den Titelseiten meist kleiner erscheint als das seiner Freundin. Das neue Blatt zeigt diesmal nur Helene Fischer mit der Zeile „Das Geheimnis um ihren Ring“. Der Schlagerstar, schreibt das Heft, „wirkt ganz verzückt über den Inhalt ihrer Schmuckschatulle. Vielleicht, weil sie beim Anblick des kostbaren Ringes an ihren Langzeit-Freund Florian Silbereisen (. . .) denkt?“ Wir glauben ja eher, dass die Verzückung sich dem Gedanken an die Kohle verdankt, die Fischer von einem Kaffeeröster für das Werbefoto kassiert hat.

          Einen guten Deal gemacht hat auch Christine Neubauer, denn laut Neuem Blatt hat Thailand sie als Werbebotschafterin auserwählt. „Ich liebe die Kleidung, die Gewürze, einfach alles, was es dort gibt“, säuselt Neubauer. „Man kann sich da einfach ins Glück reinsetzen.“ Im Gegensatz zu unseren Gefilden, wo man eher ins Glück reintritt. An der Seite ihres mitgereisten Freundes José „bin ich demütiger geworden“, sagt Neubauer, die zugleich behauptet: „Josés Liebe hat mich noch schöner gemacht.“ Ähm, hätte das nicht besser José sagen sollen? Doch vielleicht reicht dafür sein Deutsch noch nicht. Und zu viel Demut muss halt auch nicht sein.

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