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Halloween-Verkleidung : Der nächste kleine Bayern-Aufreger

Twitter-Beitrag vom FC Bayern: Sandro Wagner als Batman, Niklas Süle als Dracula, Robert Lewandowski als Zombie, Jerome Boateng mit Totenkopf – und Rafinha als Scheich mit gefährlichem Paket. Bild: Screenshot/Twitter/@FCBayern

Bayern-Spieler Rafinha hat sich als Scheich verkleidet – mit einem Paket, das offensichtlich an den Sprengsatz eines Selbstmordattentäters erinnern soll. Die Vorwürfe, damit Fremdenfeindlichkeit zu schüren, können da nur mit eingeplant sein. Oder?

          Bis heute fragt sich die Fußballwelt, was Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge vor gut zwei Wochen zu ihrem Auftritt brachte, der zur Realsatire geriet. Mit Verweis auf die Menschenwürde forderten die Bayern-Bosse, ihre Spieler nicht mehr „Altherrenfußballer“ zu nennen, um dann einem ehemaligen Spieler zu attestieren, irgendwann mal „einen Scheißdreck“ gespielt zu haben. Eine mögliche Erklärung: Die Chefs wollten ihre schwächelnden Spieler aus der Schusslinie der Kritiker nehmen und die Empörung auf sich ziehen. Das hat geklappt: Seit der Pressekonferenz haben die Bayern nur noch gewonnen.

          Sebastian Eder

          Redakteur im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Vielleicht dachten sich die Spieler am Mittwochabend deswegen, dass es an der Zeit sei, den Gefallen zu erwidern – und die Empörung zurück auf sich zu lenken. Oder wie ist es sonst zu erklären, dass sich Bayern-Spieler Rafinha an Halloween als Scheich verkleidete und dazu ein Paket mit der Aufschrift „Vorsicht“ in die Hand nahm, das offensichtlich an den Sprengsatz eines Selbstmordattentäters erinnern sollte?

          Der Vorwurf, dass man mit so einer Verkleidung fremdenfeindliche Vorurteile schürt, war relativ naheliegend und wurde unter dem Beitrag des Vereins mit dem Foto auf Twitter auch gleich unzählige Male erhoben. Ein Nutzer schrieb: „Die PR-Abteilung ist mindestens genauso dämlich wie der Spieler, wenn sie denkt, dass es eine gute Idee war, dieses Bild zu veröffentlichen.“

          Aber weil in München keine Fehler gemacht werden, wie wir vor zwei Wochen auf der Pressekonferenz gelernt haben, ist das eine eklatante Fehleinschätzung: Viel mehr war es ein perfekter Schachzug der PR-Abteilung, von der dann doch überraschend großen Empörung über Hoeneß mit diesem kleinen Skandal abzulenken.

          Damit die Aufregung nicht zu groß wird, veröffentlichte Rafinha am Donnerstag auch gleich eine Art Entschuldigung: „Halloween ist ein Gruselfest mit übertriebenen Kostümierungen, es lag nicht in meiner Absicht, irgendjemanden durch meine Verkleidung zu verärgern oder in seinen Gefühlen zu verletzen.“ Sollte ihm das nicht helfen, kann sich Hoeneß am 10.11. revanchieren – und sich zum Beispiel als Hans-Joachim Watzke verkleiden.

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