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Skagerrak : Eine Seeschlacht ohne Sieger

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In umgekehrter Reihenfolge aus der Gefahrenzone

Um dem Geschosshagel der Briten auszuweichen, ließ Scheer seine Schiffe um 180 Grad wenden. Der Befehl zur Gefechtskehrtwendung bedeutete laut Jentzsch und Witt, „dass die deutschen Schiffe in Formation mit dem letzten Schiff der Linie beginnend nacheinander über ihre Steuerbordseite vom Feind weg drehten. Es handelte sich dabei um das einzige Manöver, das als adäquate Reaktion auf das ,Crossing the T‘ gelten kann.“ Das riskante Unterfangen hatte Scheer zuvor mehrmals proben lassen. „Schiff um Schiff wendete, und schon bald dampfte die deutsche Flotte in umgekehrter Reihenfolge aus der Gefahrenzone. Nur die stark beschädigte ,Wiesbaden‘ blieb zurück.“

In Sicherheit war die Hochseeflotte damit nicht. Bis zum Einbruch der Dunkelheit gelang es Jellicoe noch zwei Mal, Scheer in Bedrängnis zu bringen. Wieder entzog sich der deutsche Vizeadmiral mit Gefechtskehrtwendungen. Auf beiden Seiten gingen kleinere und größere Schiffe unter. Gegen 21 Uhr endete das Hauptgefecht. In der Nacht kam es zu kleineren Gefechten zwischen den sich kreuzenden Verbänden, bis Scheer wegen immer schlechterer Sichtverhältnisse am frühen Morgen des 1. Juni, dem Himmelfahrtstag, das verbandsweise Einlaufen der Hochseeflotte in die Häfen anordnete.

Wer hatte gewonnen? Wilhelm II. und viele Deutsche reklamierten den Sieg für sich. „Die Tradition von Trafalgar ist in Fetzen gerissen worden“, glaubte Seine Majestät. Die Zahlen schienen ihm Recht zu geben. 2551 gefallene Deutsche standen 6094 gefallenen Briten gegenüber. Die Grand Fleet verlor 14 Schiffe, darunter drei Großkampfschiffe, die kaiserliche Hochseeflotte elf, darunter ein Großkampfschiff.

Flottenchef setzte auf den U-Boot-Krieg

Die Gesamttonnage der britischen Verluste betrug 115.025 Tonnen, die der deutschen 61.180 Tonnen. Das Ergebnis resultierte „nicht zuletzt aus der größeren Treffsicherheit der deutschen Artillerie sowie der besseren Wirkung ihrer Panzersprenggranaten“, schreibt der Militärhistoriker Christian Stachelbeck: „Damit erfüllte sich weder der von den Briten angestrebte Vernichtungssieg noch der von deutscher Seite seit 1914 erhoffte Kräfteausgleich.“ Trotz des deutschen Achtungserfolgs blieb die britische Seeherrschaft strategisch ungebrochen.

Scheer zog in seinem Bericht an den Kaiser eine nüchterne Bilanz. Selbst „der glücklichste Ausgang einer Hochseeschlacht“ werde „England in diesem Kriege nicht zum Frieden zwingen“. Und: „Die Nachteile unserer militärgeographischen Lage gegenüber der des Inselreiches und die große materielle Übermacht des Feindes werden durch die Flotte nicht in dem Maße ausgeglichen werden können, dass wir der gegen uns gerichteten Blockade oder des Inselreiches selber Herr werden, auch nicht, wenn die Unterseeboote für militärische Zwecke voll verfügbar sind.“ Dennoch setzte der Flottenchef alsbald auf den U-Boot-Krieg, der im April 1917 zum Kriegseintritt der Vereinigten Staaten von Amerika führte.

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