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Singles : Ziegenkäse sucht Sahnetörtchen

  • -Aktualisiert am

Kochen will gelernt sein... Bild: jumpingdinner

Das ist die kulinarische Art der zeitgemäßen Partnervermittlung: Vorspeise bei Jens, Hauptgang bei Sabine, Dessert in der eigenen Wohnung. Beim „Jumpingdinner“ bekochen sich Fremde am heimischen Herd und ziehen von Wohnung zu Wohnung.

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          Noch zehn Minuten. Von einem Parkplatz in der Ottenser Hauptstraße in Hamburg keine Spur. Noch zwei Minuten. Britta ist gelassen, ihr Beifahrer Yuri flucht. Ein schwarzer Smart fährt direkt vor ihnen aus einer Lücke. Endlich. Britta zwängt ihren silberfarbenen Toyota Aygo hinein, ein Fahrradfahrer käme hier nicht mehr vorbei. Vor der Eingangstür suchen beide auf den Klingelschildern nach dem Namen ihres Gastgebers.

          Aus den Lautsprechern dröhnt ein schrilles Summen, der Duft frisch gerösteter Nüsse strömt aus dem Treppenhaus des mehrstöckigen Miethauses entgegen. Oben im fünften Stock wartet Gastgeber Jens an der Tür zu seiner Dachgeschosswohnung, fast pünktlich beginnt das „Jumpingdinner“.

          Ob Frankfurt, München, Hannover oder Hamburg: Singles gibt es überall in Deutschland. So wie es auch in fast jeder größeren deutschen Stadt das „Jumpingdinner“ gibt: Eine Gruppe von einander unbekannten Menschen bekocht sich am jeweils heimischen Herd und zieht zwischen jedem der insgesamt drei Gänge von Wohnung zu Wohnung. Und damit niemand alleine quer durch die Stadt reisen muss, weist der Veranstalter jedem Teilnehmer vor Beginn der Veranstaltung anhand eines zuvor ausgefüllten Fragebogens einen Kochpartner zu. Kosten: 26 Euro, Zeitnot und kulinarische Fehltritte inklusive.

          ...genauso wie das Flirten.
          ...genauso wie das Flirten. : Bild: jumpingdinner

          Ziegenkäse mit Ladehemmungen

          Im Wohnzimmer der Dachgeschosswohnung sitzen bereits zwei andere Teilnehmer des Jumpingdinner, Jörg und Meret, auf dem weißen Sofa mit Stoffbezügen. Eine kurze Vorstellungsrunde, ein Schluck vom Willkommens-Sekt, Funkstille. Jörg und Meret, die einander zuvor ebensowenig wie Britta und Yuri kannten, sind Akademiker, beide mit einer Vorliebe für Musik. Jörg starrt die Drucke von Joan Miró und Salvador Dalí an, Meret sitzt mit gefalteten Händen da.

          Yuri erzählt. Er sei 37, vor über zehn Jahren von Mexiko nach Hamburg gezogen und bereits zum vierten Mal dabei. So wie Britta, 25, die aus der Nähe von Braunschweig kommt. Nicht wegen der Liebe sei sie hier, sondern aus Spaß am Kochen mit unbekannten Leuten. Britta ist, wie die anderen auch, Single.

          Es ist 18.30 Uhr, als Gastgeber Jens und seine Kochpartnerin Anja die Vorspeise bringen: Überbackener Ziegenkäse mit Honig-Topping, dazu Feldsalat und geröstete Pinienkerne. Für die nächste halbe Stunde ist die Zubereitungsart des Ziegenkäses das Gesprächsthema. Von Flirten keine Spur, aber das Essen schmeckt hervorragend.

          Um 19.15 Uhr ist der erste Gang auch schon wieder vorbei. Jörg und Meret müssen weiter nach Blankenese, Britta und Yuri ins abgelegene Jenfeld. Das Gastgeberpaar Jens und Anja muss aufräumen.

          Singlesein ist nur eine Phase

          Laut Online-Partnerbörsen wie Parship.de oder ElitePartner.de gibt es mehr als elf Millionen Singles in Deutschland. Neun Millionen davon surfen nach Angaben von ElitePartner.de regelmäßig im Netz. Die Online-Partnervermittlungen liegen derzeit im Trend. Doch auch Verkuppelevents wie das Jumpingdinner werden immer häufiger für die erfolgreiche Suche nach dem passenden Partner genutzt: „Durch die Face-to-Face-Situation können die Singles aktiv ihren Partner aussuchen. Online wäre das erst mal nicht möglich, hier zählt zunächst die Übereinstimmung der Interessen und Wertvorstellungen, bevor es zu einem Treffen kommt“, erklärt Anna Kalisch von ElitePartner.de den Unterschied.

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