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Silvester : Das neue Jahr begrüßen

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Was bringt das neue Jahr? Bild: dpa

Ob mit Feuerwerk, Bleigießen oder guten Vorsätzen, der Jahreswechsel hat einen ganz eigenen Zauber.

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          Zum Jahreswechsel werden sogar knochentrockene Realisten abergläubisch. Das jedenfalls hat das Bonner Amt für rheinische Landeskunde bei seinen Forschungen zu alten und neuen Neujahrsbräuchen festgestellt. Und wo in Berlin und New York ausgelassen gefeiert wird, rufen Kirchen und Politiker zum Innehalten und Zurückblicken auf.

          Unter dem Motto "Welcome 2003" feiern voraussichtlich eine Million Menschen Silvester am Brandenburger Tor in Berlins Mitte. Obwohl die Meteorologen für Mitternacht minus acht Grad vorausgesagt haben, warten auf der zweieinhalb Kilometer langen Partymeile vom Boulevard Unter den Linden über den Pariser Platz bis zur Siegessäule laden bei freiem Eintritt sechs Showbühnen, acht Zelte, zahlreiche Imbissbuden und ein 40 Meter hohes Riesenrad auf die Besucher.

          Berlin feiert

          Um Mitternacht wird am jüngst enthüllten Brandenburger Tor ein Feuerwerk gezündet, bei dem innerhalb von zehn Minuten mehr als 1.800 Raketen in den Himmel steigen. Gegen 21.30 Uhr soll eine Hochzeit in spektakulärer Höhe inszeniert werden. Höhepunkte der Feier sind zudem Auftritte der Musikbands Bro'Sis, die Puhdys und Right Said Fred. 16 DJs legen HipHop, House, Rockmusik oder Schlager auf, um bis in den frühen Morgen für Stimmung zu sorgen. Die traditionelle Licht-Show an der Siegessäule fällt allerdings wegen Geldmangels aus.

          Die Berliner Feuerwehr wird in der Silvesternacht mehr als doppelt so viel Personal im Einsatz haben wie sonst üblich. 1.400 Berufsfeuerwehrleute und ehrenamtliche Helfer sollen die erwarteten 1.200 Einsätze bewältigen. Rund um das Brandenburger Tor ist das Rote Kreuz mit 170 Helfern und Ärzten präsent.
          Bereits am Nachmittag begrüßen die Berliner Philharmoniker mit ihrem traditionellen Silvesterkonzert das neue Jahr. Unter ihrem neuen Dirigenten Simon Rattle spielen sie Stücke unter anderem von Leonard Bernstein, Kurt Weill und George Gershwin.

          Sorge in New York

          Sorge vor Zwischenfällen herrscht auch in New York. Aus Furcht vor Anschlägen an Silvester und Neujahr wurden dort die Sicherheitsvorkehrungen drastisch verschärft worden. Vor allem der berühmte Time Square, Zentrum der Silvesterfeiern in der Millionenmetropole, werde streng überwacht, sagte Bürgermeister Michael Bloomberg am Dienstag.

          Es seien mehr Zivilpolizisten im Einsatz, auch Scharfschützen seien in Stellung. Das Tragen von Rücksäcken am Time Square werde verboten, die Kreuzung für den Verkehr gesperrt. Gullydeckel wurden versiegelt und Briefkästen entfernt. Die scharfen Sicherheitsmaßnahmen auch in anderen Stadtteilen bezeichnete Bloomberg als „Preis für ein Leben in einer gefährlichen Welt“. Mehrere tausend Polizisten sind an Silvester und in der Neujahrsnacht im Einsatz, wie der New Yorker Polizeichef Ray Kelly am Montag mitteilte.

          Zwar gebe es keine spezifischen Anschlagsdrohungen, aber es sei besser, auf Nummer Sicher zu gehen, sagte der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg. Zu der Feier werden mehr als 500.000 Menschen erwartet.

          Aufruf zu Gewaltverzicht

          Anlässlich des Jahreswechsels mahnten Kirchen und Politiker vor Gewalt und riefen zu mehr Eigenverantwortung auf. „Ich hoffe, dass die Regierenden stark genug sind, den trügerischen Verlockungen zu widerstehen, durch den Einsatz militärischer Gewalt etwas zum Positiven bewegen zu können“, sagte der EKD-Ratsvorsitzende Manfred Kock in seiner Neujahrsbotschaft. Auch der katholische Bischof von Hildesheim, Josef Homeyer, äußerte sich in seiner Silvester-Predigt besorgt wegen des drohenden Irak- Krieges. Zugleich forderte er in Deutschland ein Umdenken zu mehr Eigenverantwortung der Bürger.

          Abergläubische Riten

          Ab von solchen Überlegungen greift mancher an Silvester aber eben doch gern zu abergläubischen Riten, um sich seines Glückes im kommenden Jahr zu versichern. Das beliebteste Orakel ist dabei nach wie vor das Bleigießen. Beim Bleigießen wird flüssiges Blei in kaltem Wasser erstarrt. Die Formen, die dabei entstehen, sollen dem Betrachter die Zukunft signalisieren. So bedeute ein herz- oder ringförmiges Bleigebilde Glück in der Liebe, teilte das Amt für rheinische Landeskunde mit. Die Tradition des Bleigießens soll bereits in der griechischen Antike üblich gewesen sein. Im Mittelalter habe allerdings der Kirchenlehrer Thomas von Aquin den Brauch als unchristlichen Aberglauben verurteilt: Nur Gott kenne die Zukunft.

          Klassische Glücksbringer wie der Schornsteinfeger, das Glücksschwein oder der Fisch stehen dem Landeskundeamt zufolge bei Silvesterfeiern nach wie vor hoch im Kurs. Der Schornsteinfeger etwa symbolisiere Wohlstand, weil er in Häuser komme, denen es wirtschaftlich gut gehe - schließlich rauche der Schornstein dort noch. Der Fisch galt ursprünglich als religiöses Zeichen, das die ersten Christen als Geheimsymbol für Jesus Christus verwendet haben. Ähnlich sei es mit dem vierblättrigen Kleeblatt: Es stehe nicht nur für Kraft und Vitalität, sondern symbolisiere auch das Kreuz.

          Und ein gutes neues Jahr

          Neu in der Familie der Silvestertraditionen sei das Versenden von Glückswünschen per elektronischer Postkarte oder Mobiltelefon. Beliebt seien dabei Sprüche wie: „Habe bei der Glücksbank 365 Tage Glück, Liebe und Gesundheit auf dein Konto eingezahlt. Viel Spaß beim Ausgeben!“

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