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Flaggenstreit in Neuseeland : Silberfarn statt Union Jack

  • Aktualisiert am

Noch flattert Union Jack vor dem Parlamentsgebäude in Wellington Bild: AFP

Die Neuseeländer sollen über eine neue Nationalflagge abstimmen. Viele Bürger, allen voran der Premierminister, wollen sich so noch mehr von der alten Kolonialmacht lösen. Manch Insulaner aber hängt sehr am Union Jack.

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          Schon seit Jahren schwelt der Flaggenstreit in Neuseeland, nun ist endlich klar, wie die Nation dabei zu einem Ergebnis kommen will. Die Bürger Neuseelands sollen in den kommenden beiden Jahren in zwei Referenden über ihre Nationalflagge abstimmen, die in ihrer jetzigen Gestalt seit mehr als 100 Jahren verwendet wird.

          Der konservative Premierminister John Key, der den britischen Union Jack von der Fahne verbannen will, teilte am Mittwoch mit, bis zum kommenden Jahr solle eine parteiübergreifende Kommission mehrere Vorschläge für eine neue Flagge vorlegen, aus denen dann in einer ersten Volksabstimmung einer ausgewählt werden solle. In einem zweiten Referendum im Jahr 2016 sollten die Wähler dann die Wahl zwischen der bisherigen und der ausgewählten neuen Fahne haben.

          Die derzeitige Flagge mit dem blau-weiß-roten Union Jack in der oberen linken Ecke und vier Sternen auf blauem Grund steht der Meinung des Premierministers nach für die Ära des Kolonialismus – also eher für das Vereinigte Königreich als für Neuseeland. „Unsere Flagge ist das wichtigste Symbol für unsere nationale Identität und ich glaube, dass jetzt die richtige Zeit für Neuseeländer ist, über eine neue Gestaltung nachzudenken, die besser unseren Status als moderne unabhängige Nation zeigt.“

          Geht es nach dem Premierminister soll so auch bald die Flagge Neuseelands aussehen
          Geht es nach dem Premierminister soll so auch bald die Flagge Neuseelands aussehen : Bild: dpa

          Als positives Beispiel führt Key gerne Kanada an, das ebenfalls lange den Union Jack auf seiner Flagge hatte und dann mit dem Ahornblatt ein Symbol gefunden hat, mit dem sich die ganze Nation identifizieren kann. Genaue Vorstellungen, wie dies auch in seinem Land gelingen kann, hat Key schon. Er wünscht sich ein silbernes Farnblatt auf schwarzem Grund. Dieses Symbol tragen bereits Nationalmannschaften wie das Rugby-Team „All Blacks“.

          Auch wenn John Key die Sache mit der Flagge besonders am Herzen liegt: Die Frage beschäftigt tatsächlich viele in Neuseeland. Die Opposition hatte beim Bekanntwerden von Keys Plänen sogar zugesagt, diese selbst umzusetzen, sollte Key die Parlamentswahlen verlieren. Weil sich seine Nationale Partei im September aber durchsetzte und ihm eine dritte Amtszeit ermöglichte, darf Key die Sache selbst regeln. Ohne Kampf funktioniert das nicht. Schon vor einigen Monaten hatte etwa der Präsident des Veteranenverbands gesagt: „Es gibt keinen Grund, die Flagge zu wechseln. 32.000 Neuseeländer haben unter dieser Flagge ihre Leben geopfert und viele tausend mehr haben unter ihr gedient.“

          Die Chancen, dass ihm sein Volk am Ende folgt, sieht Premierminister Key bei 50 zu 50 – was in Anbetracht von Meinungsumfragen aber eher optimistisch geschätzt ist. Wie der „Guardian“ aber anerkennend analysiert, ist John Key eines schonmal gelungen: dass die Flaggen-Frage in Neuseeland losgelöst von anderen Themen diskutiert wird. In Australien, wo der Union Jack auch regelmäßig zur Diskussion gestellt wird, soll mit der Flagge auch immer gleich die Queen als Staatsoberhaupt abgeschafft werden.

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