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Sicherheitspanne am Münchner Flughafen : „Sie hätte ihn nicht aus den Augen lassen dürfen“

  • Aktualisiert am

Bild: reuters

Nach dem Sprengstoffalarm am Münchner Flughafen fahndet die Polizei weiter nach dem Besitzer des Laptops, der den Alarm ausgelöst hat. Die zuständigen Behörden gehen davon aus, dass eine Mitarbeiterin der privaten Sicherheitskontrolle nicht korrekt gearbeitet hat.

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          Nach der Sicherheitspanne auf dem Münchner Flughafen fahndet die Polizei weiter nach dem Mann, dessen Laptop-Computer den Sprengstoffalarm ausgelöst hat. Es könnte sich um einen Geschäftsmann mittleren Alters handeln, sagte Bundespolizei-Sprecher Thomas Borowik am Donnerstagmorgen in München. Der Mann wurde bislang nicht gefunden und könnte gleich nach dem Alarm den Flughafen in einer Maschine verlassen haben. Die Fahndung läuft weiter.

          Die schwere Sicherheitspanne am Münchner Flughafen ist nach Einschätzung des Regierungspräsidenten von Oberbayern, Christoph Hillenbrand, auf das Fehlverhalten einer Mitarbeiterin der Sicherheitsfirma zurückzuführen. Die Frau habe sich nicht an die Dienstanweisung zu Kontrolle gehalten, sagte Hillenbrand am Donnerstag in München. Die Frau hätte den Passagier, der am Mittwoch mit einem sprengstoffverdächtigen Laptop in den Sicherheitsbereich verschwand, „nicht aus den Augen lassen dürfen“. „Das ist eindeutig so vorgeschrieben, so wird geschult“, sagte der Behördenleiter. „Dieser Fehler darf nie passieren, aber er darf sich auch nie, wenn er passiert ist, wiederholen.“

          Bayerns Verkehrsminister Martin Zeil (FDP) fordert eine sofortige lückenlose Aufklärung der Sicherheitspanne. „So etwas darf an einem Flughafen nicht passieren. Die Sicherheit an bayerischen Flughäfen, gerade auch am internationalen Drehkreuz München, hat für mich allerhöchste Priorität“, sagte Zeil am Donnerstag in München. Seinem Ministerium ist die Regierung von Oberbayern als zuständige Luftsicherheitsbehörde unterstellt. Auch Zeil hatte gesagt, alles deute auf ein individuelles Fehlverhalten von Mitarbeitern der Sicherheitskontrolle hin. „Nach Aufklärung des Sachverhalts müssen die notwendigen Konsequenzen mit aller Schärfe und Präzision gezogen werden“, forderte Zeil. „Die Fehlersuche läuft weiter auf Hochtouren.“

          Große Teile des Terminals wurden gesperrt, dadurch kam es zu zahlreichen Verspätungen

          Kein Verdacht auf Straftat

          Die Staatsanwaltschaft hat Vorermittlungen eingeleitet. „Wir versuchen, den Sachverhalt aufzuklären, um herauszufinden, ob ein strafbares Verhalten vorliegt“, sagte der Sprecher der zuständigen Landshuter Staatsanwaltschaft, Ralph Reiter, am Donnerstag. Es gebe bislang keinen konkreten Verdacht, dass es sich um eine Straftat handele. „Aber das ist gerade der Sinn von Vorermittlungen, dass man erst einmal klärt, was ist los und worum geht es.“

          Bei der Sicherheitskontrolle schlug ein Scanner gegen 15.30 Uhr positiv auf Sprengstoff an, als das Notebook des Mannes überprüft wurde. Der Mann ergriff offenbar seinen Computer, lief weiter in den Abflugbereich und verschwand spurlos. Möglicherweise bekam er nicht mit, dass eine weitere Überprüfung anstand.

          Große Teile des Terminals wurden für mehrere Stunden gesperrt. Es kam zu zahlreichen Verspätungen.
          Auch die Auswertung der Videoaufnahmen von Überwachungskameras brachte die Ermittler nicht entscheidend voran, wie ein Polizeisprecher am Donnerstagmorgen sagte. Inzwischen werden die Sicherheitsvorkehrungen am Flughafen kritisch beleuchtet. Die Gewerkschaft der Polizei und Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) zeigten sich sehr besorgt über die Panne.

          Sicherheitsvorkehrungen auf den Prüfstand stellen

          De Maizière sagte, er nehme den Vorfall „sehr ernst“. Er kündigte die Untersuchung „sämtlicher Umstände dieses Vorgangs mit allen Beteiligten an“. Danach müssten am Flughafen München „gegebenenfalls Konsequenzen“ gezogen werden, sagte der Minister. Wenn sich Fehler ergäben, „die struktureller Art“ seien, könnte dies auch für andere deutsche Flughäfen gelten.

          Der für die Bundespolizei zuständige Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Josef Scheuring, forderte, die Sicherheitsvorkehrungen auf deutschen Flughäfen auf den Prüfstand zu stellen. Eine derartige Sicherheitslücke könne sich ein Airport nicht leisten, sagte Scheuring. „Wenn man jemanden kontrolliert, muss man ihn auch festhalten können.“ Zwar sei das Münchner Geschehen aus der Distanz nur schwer zu beurteilen. Es sei aber naheliegend, dass entweder zu wenig Personal am Kontrollschalter zur Verfügung stand oder aber die Ausbildung der Leute mangelhaft war.

          Forderung nach mehr Sicherheitspersonal

          FDP-Landtagsfraktionschef Thomas Hacker forderte mehr Sicherheitspersonal. Erneut zeige sich, dass die Technik funktioniere, wenn Fehler passierten, dann durch fehlende Personalausstattung, sagte Hacker. Das habe man auch schon bei ähnlichen Fällen in den Vereinigten Staaten gesehen. „Ein Nacktscanner hätte das gestern nicht verhindert und hätte auch den Anschlagsversuch in Amerika nicht verhindert“, erklärte der FDP-Politiker und fügte hinzu, nötig sei eine „Verstärkung des Personals, keine neuen Gesetze“.

          Bei der für die Sicherheitskontrollen am Münchner Flughafen verantwortlichen Regierung von Oberbayern gab es am Donnerstagmorgen eine Krisensitzung zu dem Vorfall. Ergebnisse sollten im Laufe des Vormittags bekanntgegeben werden.

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