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Folge der Silvesternacht : Wie sich Frauen jetzt ein Gefühl von Sicherheit kaufen

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Handgreifliche Gegenwehr: Die Trainer Atilla Özden (links) und Steffen Gramskopf führen eine Notfall-Nummer vor. Bild: Wolfgang Eilmes

Nach der Silvesternacht in Köln wächst nun allerorten die Nachfrage nach Selbstverteidigungskursen und Selbstschutzwaffen – besonders bei Frauen.

           „Wir haben die Folgen der Silvesternacht in Köln deutlich zu spüren bekommen“, sagt Tufan Atilla Özden. Er leitet die All-Aacht Akademie für Kampfsport und Selbstschutz im Frankfurter Gallusviertel. In den vergangenen Wochen sei das Interesse an seinen Kursen merklich gestiegen, bei Frauen sogar gut um die Hälfte.

          Das All-Aacht-Kampfsystem, das Özden an der Akademie lehrt, hat sein Vater Sigung Birol Baris Özden vor rund 30 Jahren entwickelt. Heute wird es an 16 Kampfsportschulen in den verschiedensten deutschen Städten unterrichtet. Im Vordergrund stehe der erfolgreiche Nahkampf – für den Fall, dass sich die Konfrontation nicht verhindern lässt. „Wir legen großen Wert auf die Persönlichkeitsentwicklung unserer Schüler“, sagt Özden.

          Gegen Männer zur Wehr setzen

          An der Akademie trainiere von der Hausfrau bis zum Manager fast jeder, es gebe keine besondere Zielgruppe. „Manchmal kommen ganze Familien zu uns“, sagt Özden. Außer der Physis schule das Training auch die Wachsamkeit und Beobachtungsgabe der Schüler. All-Aacht könne jeder erlernen, auch Menschen mit Behinderung. Es gehe darum, in Bedrohungssituationen angemessen zu reagieren und sich dabei im rechtlich erlaubten Rahmen zu bewegen. Gewalt sei dabei stets das letzte Mittel.

          Besonders gefragt ist bei Özdens weiblichen Kunden das Personal Coaching. „Das ist der effizienteste und schnellste Weg, um All-Aacht zu erlernen“, sagt Özden. In diesen Einzeltrainings wird beispielsweise trainiert, was man bei Belästigungen tun kann. Damit sich die körperlich meist unterlegenen Frauen gegen Männer zur Wehr setzen können, lernen sie, Körperschwachpunkte wie die Augen zu attackieren. Solche Techniken seien aber nur für den größten Notfall vorgesehen.Bei Griffen und Würfen mache man sich Hebelwirkungen zu Nutze.

          „Jeder muss wissen, womit er sich am Ende wohl fühlt“

          Die Interessenten kämen hauptsächlich, um für den Notfall vorbereitet zu sein. Ob sie die erlernten Techniken später jemals einsetzen müssen, sei nebensächlich. Es kämen aber auch Menschen, die schon üble Erfahrungen gemacht hätten und nicht wieder zu Opfern werden wollten, berichtet Özden. Die steigende Nachfrage nach seinem Kursangebot hängt für ihn mit einem wachsenden Sicherheitsbewusstsein in der Bevölkerung zusammen. „Früher dachten viele: ‚So etwas wird doch mir nicht passieren!‘“ Das ist heute anders.“ In den anderen fünfzehn All-Aacht-Standorten sehe es kaum anders aus als in Frankfurt.

          Pfefferspray im Einzelhandel

          Vergleichbares berichtet auch Andrea Müller, die Inhaberin von „Waffen und Stahlwaren Dotzert“ in der Nähe der Frankfurter Hauptwache. Mittel zur Selbstverteidigung seien in ihrem Laden in den vergangenen Wochen besonders gefragt gewesen. Das Sortiment reicht vom Verkaufsschlager Pfefferspray über Alarmgeräte bis hin zu Schreckschusspistolen und Elektroschockern. Andrea Müller berät die Kunden. „Jeder muss wissen, womit er sich am Ende wohl fühlt“, sagt sie.

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