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Siamesische Zwillinge : Tabea starb bei der Operation: Trauer nach der Trennung

  • Aktualisiert am

Die Gemeinde von Tabeas Eltern trauert um das tote Mädchen Bild: dpa/dpaweb

Trauer und Hoffnung: Nach der dramatischen Trennung der Siamesischen Zwillinge aus Lemgo ist Tabea gestorben. Die Ärzte setzen nun ihre ganzen Hoffnungen auf das Überleben der einjährigen Lea.

          Zweimal hatte Tabeas Herz schon in der vergangenen Woche aufgehört zu schlagen. Zweimal konnte Tabea ins Leben zurückgeholt werden. Den doppelten Todeskampf ihrer Schwester überstand Leas Kreislauf hingegen ohne Probleme. Trotzdem gönnten die Ärzte den Siamesischen Zwillingen aus dem westfälischen Lemgo über das Wochenende eine Pause. Am Samstag, abends um halb sieben (mitteleuropäischer Sommerzeit), hatten die Ärzte im Johns Hopkins Hospital in Baltimore mit der Operation begonnen.

          Siebeneinhalb Stunden später fiel die Entscheidung, den Mädchen, die am Kopf zusammengewachsen waren, die Zeit zu geben, die ihre Körper offensichtlich brauchten, um sich von den vergangenen Strapazen zu erholen. Insgesamt 82 Stunden wurde der Eingriff unterbrochen und erst am Mittwoch um 12 Uhr wieder aufgenommen. Am nächsten Morgen um 6.15 Uhr waren die Zwillinge schließlich getrennt. Tabea aber starb wenig später trotz umfangreicher Wiederbelebungsversuche.

          Die Eltern hatten keine andere Wahl

          Die Eltern, so schreibt der "Stern", hatten keine andere Wahl. "Jahre und Jahrzehnte auf maßgefertigten Liegen sind ihnen nicht zuzumuten." Lea und Tabea wären durch einen 180-Grad-Winkel ihrer Verwachsung niemals in der Lage gewesen zu sitzen oder zu gehen. Das bestätigte auch Benjamin Carson, Spezialist für die Trennung Siamesischer Zwillinge, Neurochirurg und der Mann, dem Nelly und Peter Block ihre Töchter anvertrauten.

          Vier Mal schon hatte Carson den Schädel zusammengewachsener Zwillinge durchtrennt. Vor einem Jahr waren die beiden erwachsenen Frauen Laleh und Ladeh Bijani nach 50 Stunden Operation unter seinen Händen in Singapur verblutet. Die Iranerinnen hatten die ständige Gemeinsamkeit nicht länger ertragen und sich aus freien Stücken für eine Trennung entschieden. In Deutschland waren Laleh und Ladan abgewiesen worden, Heidelberger Ärzte begründeten 1998 sogar in der Fachzeitschrift "Journal of Neurosurgery", warum sie den Eingriff im Erwachsenenalter zu riskant fanden.

          Eine Operation in Deutschland war unmöglich

          Der Fall aus Lemgo ist nicht zu vergleichen: Operationen im Kindesalter sind aus medizinischer Sicht weniger problematisch und wurden in den vergangenen Jahren immer wieder versucht. Allerdings bleibt das Risiko hoch: Nur die Hälfte überlebte bisher die operative Trennung, und von diesen 30 erfolgreich an der Schädeldecke getrennten Kindern sind siebzehn behindert. Zu ihnen gehören auch die beiden deutschen Jungen Patrick und Benjamin Binder aus Ulm, die Benjamin Carson bereits 1987 operierte. Zwei Patientinnen starben 1994 in Südafrika bei einer Operation, zwei sambische Brüder, denen Carson 1997 die Schädelknochen durchtrennte, überlebten den Eingriff weitgehend unbeschadet.

          Eine Operation in Deutschland, ausgeführt von einem deutschen Facharzt, war offenbar nicht möglich. Das zumindest bestätigt die Krankenkasse der am 9. August 2003 geborenen Schwestern Lea und Tabea, die "BKK Melitta Plus" in Minden. So entschlossen sich die Eltern, in die Vereinigten Staaten und zu dem Spezialisten Benjamin Carson zu reisen, schon vor einigen Monaten, an Pfingsten. Seither konnte, wer wollte, in einem "Tagebuch" in der Zeitschrift "Stern" und auf der Internetseite des Blattes nachlesen, wie es der Familie Block in ihrem "ruhigen Appartement an der amerikanischen Ostküste" geht, nachdem sie in einem "VIP-Flug" über den Atlantik befördert worden waren. "Spenden von ,Stern'-Lesern", so wurde hervorgehoben, "haben es ihnen ermöglicht."

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