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Siamesische Zwillinge : „Lea braucht uns jetzt“

  • Aktualisiert am

Chirurg Benjamin Carson erläutert die Operation Bild: dpa/dpaweb

Zum ersten Mal nach der Operation ihrer Siamesischen Zwillinge haben die Eltern über den Tod der einjährigen Tabea gesprochen. Ihre Sorge gilt der überlebenden Lea, die noch mehrfach operiert werden muß.

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          Drei Wochen nach der Operation der Siamesischen Zwillingsmädchen Lea und Tabea, bei der die einjährige Tabea starb, gibt es keine neuen Informationen über den Gesundheitszustand Leas.

          Das überlebende Zwillingsmädchen war nach der Trennung von seiner Schwester nochmals operiert worden. Seitdem gilt ihr Zustand als kritisch, aber stabil. Bei der zweiten Operation des einjährigen Mädchens wurde nach Angaben der Klinik das Gewebe „rekonstruiert“ das direkt über Leas Hirn liegt. Anschließend schloß das Team um den Neurochirurgen Benjamin Carson von der Kinderklinik der Johns Hopkins Universität in Baltimore die Kopfhaut des einjährigen Mädchens. Mit der jüngsten Operation hat Lea aber nicht zum letzten Mal im OP gelegen. Carson plant zusätzliche Eingriffe, um dem Schädel des Kindes eine normale Form zu geben.

          „Lea braucht uns jetzt“

          Im ersten Interview nach dem chirurgischen Eingriff sagten die Eltern gegenüber „Stern TV“, daß sie nun ihre ganze Kraft dem überlebenden Zwilling Lea widmen wollen. „Die braucht uns jetzt, und wir müssen jetzt auch für sie da sein“, sagte der Vater. Ihre glückliche Zeit mit Tabea werde sie nie vergessen, sagte die Mutter. Den Eltern gehe es derzeit recht gut. Nelly und Peter haben mit dem Magazin „Stern“ einen Exklusivvertrag abschloßen, um genug Geld für die aufwendige Operation zusammen zu bekommen.

          Die Bewältigung der dramatischen Operation nach der Rückkehr in die Heimat stehe jedoch noch bevor: „Wir haben vieles, was uns geschenkt wurde, viele Spielsachen doppelt bekommen. Das wird bleiben. Das wird auch lebenslang bleiben. Man kann ja nicht einfach ein Kind vergessen. Das geht ja gar nicht. Wir müssen lernen, damit umzugehen.“ Ihr Glaube sei ihnen eine Stütze gewesen, betonten beide. Die Eltern, gläubige Mennoniten, hatten aus innerer Überzeugung eine Abtreibung abgelehnt, als die schwere Behinderung der Zwillinge offenbar wurde.

          Das Beileid half

          Lea und Tabea waren am Kopf zusammengewachsen, eine der seltensten und am schwierigsten zu trennenden Verwachsungen bei Siamesischen Zwillingen. Beide einjährigen Kleinkinder hatten ein unabhängiges Hirn, teilten sich außer dem Schädelknochen aber auch die wichtigsten Blutgefäße im Kopf.

          Daß sie nicht beide Kinder verloren habe, sei ein enormer Trost. Tabeas Tod habe sie zudem nicht völlig unvorbereitet getroffen, sagte der Vater. Mit einem tödlichen Ausgang hätten sie allerdings nicht gerechnet, sondern gehofft, daß die Operation gelingt. Die zahlreichen Mitleidsbezeugungen aus der Bevölkerung hätten ihnen geholfen, das Schicksal anzunehmen.

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