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Siamesische Zwillinge : Hunderte nehmen in Singapur Abschied

  • Aktualisiert am

Abschied von Laleh und Ladan Bild: AP

Mehr als 500 Menschen haben bei einer Trauerfeier in einer Singapurer Moschee am Mittwoch Abschied von den Siamesischen Zwillingen Ladan und Laleh Bijani genommen.

          Mehr als 500 Menschen haben bei einer Trauerfeier in einer Singapurer Moschee am Mittwoch Abschied von den Siamesischen Zwillingen Ladan und Laleh Bijani genommen. Die beiden Särge mit den aus dem Iran stammenden Schwestern wurden in der Ba'alwie-Moschee aufgebahrt, wo Landsleute und Singapurer Muslime Trauergebete sprachen. Auf jedem der Särge lag eine weiße Geranie. Duzende Trauerkränze wurden vor der Moschee niedergelegt. Auf einem Gebinde stand: „Getrennt. Möget ihr in Frieden ruhen.“

          Der Mut und Optimismus, den die Schwestern vor ihrer Operation gezeigt hatten, hatte Menschen in aller Welt ergriffen, und ihr Tod rief tiefe Trauer hervor. Ladan und Laleh hätten ein ganz anderes Bild von Iran vermittelt, erklärte der iranische Botschafter in Indonesien, Schaban Schahidi Moadob, in einer Pressekonferenz kurz nach ihrem Tod: Iran sei von den Vereinigten Staaten zu einem Teil der „Achse des Bösen“ erklärt worden, die Zwillinge seien dagegen „Botschafterinnen des Friedens und der Freundschaft“ gewesen.

          Am Donnerstag zurück in den Iran

          Freunde der Schwestern hatten den Angaben zufolge die Särge mit den Leichnamen bereits am Morgen aus dem Raffles-Krankenhaus abgeholt. Danach versammelten sich Mitglieder der kleinen iranischen Gemeinde in einer Privatwohnung zu einer Abschiedszeremonie. Anschließend wurden die sterblichen Überreste der Zwillinge zur Einbalsamierung in die Moschee gebracht, von wo aus die Särge zum Flughafen des Stadtstaats transportiert werden sollten. Wie der Singapurer Fernsehsender Channel News Asia meldete, sollen die am Vortag bei ihrer chirurgischen Trennung gestorbenen Zwillinge bereits am Donnerstag in ihre Heimat übergeführt werden.

          Kurz nach der Trennung gestorben

          Die 29 Jahre alten Schwestern waren am Dienstag nach einer mehr als 50-stündigen Operation an hohem Blutverlust bei der Trennung ihrer Gehirne gestorben. Es war der erste Versuch überhaupt, am Kopf zusammengewachsene Siamesische Zwillinge im Erwachsenenalter zu trennen. Erst starb Ladan und rund eineinhalb Stunden danach auch Laleh an den Folgen des Eingriffs. An der Operation war ein Team aus 28 internationalen Ärzten und rund hundert Assistenten beteiligt.

          Der Tod von Ladan und Laleh Bijani hatte weltweit Bestürzung ausgelöst und Fragen nach der Notwendigkeit des gefährlichen Eingriffs ausgelöst. Die Schwestern hatten jedoch mehrfach erklärt, daß es ihre größter Lebenstraum sei, endlich eigene Wege gehen zu können. Dafür seien sie auch bereit, ein hohes Risiko einzugehen.

          Mitleid aus aller Welt

          Singapurs Präsident S.R. Nathan sandte eine Beileidsbotschaft an seinen iranischen Amtskollegen Mohammed Chatami. Er sei tief bewegt vom Tod der Zwillinge, hieß es darin. Ladan und Laleh seien eine Quelle der Inspiration für alle Menschen um die herum gewesen. „Es löste tiefe Trauer aus, daß ihr Traum nicht wahr wurde.“ Die größte Singapurer Tageszeitung „Straits Times“ schrieb zum Tod der Zwillinge unter dem Titel „Am Ende sollte es nicht sein“ in einem Kommentar: „Es war ein Glücksspiel, und es wurde verloren.“ Jetzt sei zu erwarten, daß „die chirurgischen Techniken des internationalen Teams und das Wagnis der Ärzte, die Operation anzugehen, in medizinischen Fachjournalen und in den öffentlichen Medien für eine lange Zeit genau unter die Lupe genommen wird.“

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