https://www.faz.net/-gum-r0gj

Shuttle-Start : Für Amerika geht es um die bemannte Raumfahrt

  • -Aktualisiert am

Bereit zum Neuanfang: Discovery auf der Startrampe Bild: REUTERS

Der Schock der „Columbia“-Katastrophe saß tief. Fast zweieinhalb Jahre hat es gedauert, bis die Nasa wieder einen Shuttle-Start wagt. Für die Amerikaner geht es an diesem Mittwoch schlicht um die bemannte Raumfahrt.

          4 Min.

          Fast wäre es einem tropischen Wirbelsturm gelungen, der Nasa zu guter Letzt doch noch einen Strich durch die Rechnung zu machen. Kurz bevor Hurrikan „Dennis“ am Freitag Kuba erreicht hatte, erwogen die Manager der Raumfahrtagentur für einige Stunden, die Raumfähre Discovery von der Startrampe 39-B rollen zu lassen und sie in der großen Montagehalle des Kennedy-Raumfahrtzentrums vor dem Sturm in Sicherheit zu bringen. Doch die Nasa verließ sich auf die Vorhersagen des Hurrikan Warnzentrums und lag damit richtig: „Dennis“ verschonte Cape Canaveral. Und deshalb kann an diesem Mittwoch um 21.51 Uhr (MESZ) zum 114. Mal eine Raumfähre in eine erdnahe Umlaufbahn abheben - wenn es beim Countdown keine unvorhergesehenen Zwischenfälle mehr gibt.

          Ein solcher Zwischenfall trat zwar am Dienstag abend ein, doch die Nasa will sich davon nicht mehr aufhalten lassen. „Das Problem ist beseitigt, wir sind im Zeitplan für den Start“, sagte eine Nasa-Sprecherin nachdrücklich, und auch Nasa-Chef Michael Griffin betonte, die Discovery sei „startbereit“. Der Grund für die Aufregung ist verständlich: Die Raumfähre wurde am Dienstag leicht beschädigt, als sich eine Plastikabdeckung von einem der Shuttle-Fenster gelöst hatte und aus etwa 20 Metern Höhe auf eines der beiden Steuerungssysteme gefallen war. Dort beschädigte das Teil einige Hitzekacheln. Diese Kacheln schützen die Raumfähre beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre vor der enormen Hitze - und just durch einen beschädigten Hitzeschild war es vor 29 Monaten zur Explosion der Columbia beim Landeanflug auf die Erde gekommen.

          Letzte Chance für die Shuttles

          Der Vorfall zeigt, daß es auch nach mehr als 110 erfolgreiche Starts keine wirkliche Routine bei Shuttle-Starts gibt - und der Discovery ist ohnehin alles andere als alltäglich. Von diesem Flug wird es nicht nur abhängen, ob die Internationale Raumstation fertiggestellt werden kann oder ob sie als Bauruine im Orbit endet. Mit diesem Flug wird sich auch entscheiden, wie es mit der bemannten amerikanischen Raumfahrt weitergeht. Ein Mißlingen würde das Ende des mehr als 25 Jahre alten Shuttle-Programms bedeuten. Amerika wäre damit zum ersten Mal seit dem ballastischen Hüpfer von Alan Shepard im Jahre Mai 1961 nicht in der Lage, Astronauten mit eigenen Mitteln in den erdnahen Weltraum zu schicken.

          Allerdings ist die Zuversicht, die sowohl die Ingenieure und Manager der Nasa als auch die Astronauten zeigen, keineswegs nur zur Schau gestellt. Seit der Katastrophe der Raumfähre Columbia vor mehr als 29 Monaten hat man in den Forschungs- und Entwicklungszentren der Raumfahrtbehörde alles technisch nur Denkbare getan, um die Fähren sicherer zu machen. Und auch die sieben Astronauten, die heute unter dem Kommando von Eileen Collins in den Orbit starten sollen, flögen nicht, wenn sie sich in der Discovery nicht sicher fühlten. Von der Veranlagung her sind die Raumfahrer weder Haudegen noch Hazardeure. Kommandantin Collins ist Oberst der Luftwaffe, erfolgreiche Testpilotin und Mutter zweier Kinder. Sie würde sich nicht blindlings in ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang stürzen. Zu ihrer Mannschaft gehört auch Charles Camarda, ein promovierter Ingenieur für Luft- und Raumfahrt. Ihm können die Nasa-Manager kein X für ein U vormachen. Vielmehr hat er selbst an vielen der technischen Verbesserungen der Shuttle-Flotte mitgearbeitet.

          Ein Risiko fliegt immer mit

          Weitere Themen

          Der Nervenkitzel war Teil des Abenteuers

          Neuseeländischer Vulkan : Der Nervenkitzel war Teil des Abenteuers

          Kurz vor dem Unglück mit mindestens sechs Toten in Neuseeland hatten Experten die Warnstufe für den aktiven Vulkan heraufgesetzt. Hätte er überhaupt für Touristen zugänglich sein dürfen? Die Polizei ermittelt.

          Topmeldungen

          Olaf Scholz

          Aktiensteuer : Scholz’ Zerrbild

          Olaf Scholz wollte die Verursacher der Finanzkrise zu Kasse bitten. Doch Algo-Trader oder Derivate-Händler sind – im Gegensatz zu ETF-Sparern und Kleinaktionären – von seiner Steuer nicht betroffen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.