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Shuttle-Flüge : Dicht oder nicht?

  • -Aktualisiert am

Discovery: Die Tests laufen nicht rund Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Die Starttests der Raumfähre Discovery laufen nicht rund. Zusätzlich versagt auf der ISS ein Sauerstoffgenerator. Müßte die Discovery-Crew im Notfall auf der Raumstation bleiben, wäre die Versorgung nicht gesichert.

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          Die amerikanische Weltraumbehörde Nasa hält an dem für den 13. Juli vorgesehenen Termin für den Start der Raumfähre "Discovery" fest, obwohl sich bei zwei umfangreichen Tests auf der Startrampe in den vergangenen Wochen technische Unregelmäßigkeiten zeigten, die bislang nicht erklärt werden konnten. Am Dienstag soll die Discovery für einen Umbau von der Startrampe in die große Montagehalle am Cape Canaveral zurückgebracht werden. Unterdessen wird immer deutlicher, daß die Internationale Raumstation wegen fehlender Ersatzteile in einen technisch fragwürdigen Zustand gerät. So haben die beiden Astronauten an Bord zur Zeit Schwierigkeiten, genügend Sauerstoff für ihre Atemluft herzustellen.

          Beim Start besteht ein Space Shuttle aus der eigentlichen Raumfähre, die auf einem großen, zylinderförmigen Tank montiert ist. An den Außenseiten des Tanks befinden sich noch zwei Zusatzraketen, die dem Shuttle beim Start überhaupt erst den Schub geben, der nötig ist, um die Erdanziehung zu überwinden. Der Tank ist etwa 50 Meter hoch und faßt etwa zwei Millionen Liter Wasserstoff und Sauerstoff in flüssiger Form. Während des Starts werden diese Flüssigkeiten als Treibstoff in die drei Triebwerke der Raumfähre gepumpt. In den vergangenen Wochen wurde dieser Tank zweimal in Probeläufen gefüllt. Dabei wollten die Nasa-Ingenieure feststellen, ob alle Pumpen und Ventile ordnungsgemäß arbeiten und ob alle Leitungen und Ventile dicht sind. Der letzte dieser jeweils mehr als 16 Stunden dauernden Tests fand am Freitag statt.

          Bisher keine Erklärungen

          In beiden Fällen zeigten sich technische Unregelmäßigkeiten, für die es bislang, so sagte Bill Parsons, der Manager des Shuttle-Programms, keine Erklärungen gibt. Dazu gehörte, daß einige Sensoren anzeigten, Ventile würden nicht vollständig schließen, obwohl keine Lecks gefunden wurden. Außerdem zeigte der flüssige Wasserstoff eine überhöhte Temperatur, sobald er in den Tank eingefüllt wurde. Man wisse noch nicht, ob diese Anomalien technische Hindernisse für den Flug der Discovery darstellten oder nicht, sagte Parsons. Das könne man erst einschätzen, wenn alle am Freitag aufgenommenen Daten des Betankungsversuchs ausgewertet seien.

          Dennoch wird die Discovery mitsamt dem Tank und den Zusatzraketen am Dienstag in die Montagehalle zurücktransportiert. In den kommenden Wochen werden dort der Tank und die Raketen abmontiert und durch eine neue Konfiguration ersetzt. Der neue Tank wird unter anderem ein Heizelement enthalten, das die Bildung von Eis an einer großen, vom Tank ausgehenden Treibstoffleitung verhindern soll. Während des Umbaus werden dann auch jene Sensoren und Ventile im neuen Tank überprüft, die bei den bisherigen Tests am alten Tank Unregelmäßigkeiten zeigten.

          ISS: Sauerstoffgenerator versagt

          Auf der Raumstation zeigen sich unterdessen immer mehr technische Schwierigkeiten. So hat die Besatzung, der russische Kommandant Sergei Krikalew und sein amerikanischer Bordingenieur John Phillips, inzwischen den aus russischer Produktion stammenden Sauerstoffgenerator wegen irreparabler Defekte aufgeben müssen. An diesem Montag geht auch der Vorrat an Sauerstoffkanistern zu Ende, mit denen die beiden Raumfahrer seither ihre Atemluft mit Sauerstoff angereichert haben. In den kommenden Wochen muß die Besatzung deshalb auf die sogenannten Sauerstoffkerzen zurückgreifen. Jeder dieser Stahlzylinder enthält ein kleines Brikett aus Lithiumperchlorat, das, einmal angezündet, Sauerstoff abgibt. Pro Tag müssen zwei dieser Briketts "abgebrannt" werden, um die beiden Raumfahrer ausreichend mit Sauerstoff zu versorgen. Insgesamt befinden sich etwa 100 Zylinder an Bord der Raumstation, so daß der darin enthaltene Sauerstoffvorrat theoretisch für sieben Wochen reicht.

          Sollte dann auch der Vorrat an Sauerstoffkerzen aufgebraucht sein, steht den Raumfahrern als letzte Rettung noch ein mit komprimiertem Sauerstoff gefüllter Tank zur Verfügung, der genug Sauerstoff für drei Monate enthält. Für die jetzige Besatzung ist die Lage also noch nicht prekär. Allerdings ist auf der Raumstation zur Zeit bei weitem nicht genug Sauerstoff vorhanden, um die aus sieben Astronauten bestehende Besatzung der Discovery im Notfall 45 Tage zu beherbergen. Das wäre nach der Notfallplanung der Nasa notwendig, wenn die Raumfähre während der Startphase ähnlich stark beschädigt würde wie die "Columbia" bei ihrem letzten Start Mitte Januar 2003. Die Besatzung der Discovery müßte dann auf der Raumstation ausharren, bis sie vom Shuttle "Atlantis" im Rahmen eines bislang nie geprobten Rettungsfluges zur Erde zurückgeholt wird.

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