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Belästigte Frauen in Ägypten : Es gibt kein Entkommen

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Auch Ahmed belästigte Frauen. Er fasste sie an den Brüsten und am Hintern an. Für ihn war das selbstverständlich: Frauen seien Menschen zweiter Klasse, die sich verhüllen und zu Hause bleiben müssen. Jene, die sich an diese Regeln nicht halten, dürfe man behandeln wie man will - so hatte er es gelernt. Er wuchs in Saudi-Arabien auf, wurde in seiner Kindheit oft selbst sexuell belästigt, von Lehrern und Predigern.

Als sich die sogenannte Arabellion in den Ländern Nordafrikas ausbreitete, begann Ahmed über Politik und Gesellschaft nachzudenken, zu lesen und in sozialen Netzwerken zu diskutieren. Über Demokratie und Freiheit und das, was damit verbunden war: gleiche Rechte, auch für Frauen. Er verliebte sich in eine Feministin. Sein Weltbild veränderte sich. Ahmed beteiligte sich an der Initiative „HarassMap“. Er bot Frauen, die zwangsverheiratet werden sollten, Zuflucht an; half ihnen, selbständig zu werden, veranstaltete Seminare, verteilte Flyer an der Uni, ging auf die Straße.

Heute, sechs Jahre nach der Revolution, ist sein Optimismus dem beklemmenden Gefühl gewichen, nichts ausrichten zu können. Das Problem scheint zu groß, um es zu lösen: Laut der Initiative „HarassMap“ gaben in Umfragen 77 Prozent der Männer an, bereits selbst Frauen sexuell belästigt zu haben.

Die Sicherheitskräfte machen mit

Es gibt keine einfache Erklärung, warum so viele Männer in Ägypten Frauen belästigen. Man weiß lediglich, woran es nicht liegt. So ergab eine Studie von „HarassMap“, dass der soziale und finanzielle Status eines Mannes keine Rolle dabei spielt, ob dieser belästigt oder nicht. Auch ob er verheiratet ist, hat keinen Einfluss auf sein Verhalten. Die Bildung des Täters scheint ebenfalls unerheblich: 75 Prozent der Befragten haben einen Universitätsabschluss. Auch Alter, Verhalten oder Kleidung der Frauen liefern keine Erklärung. So trugen nach einer Studie des „Egyptian Center for Women's Rights“ 72 Prozent der belästigten Frauen Kopftuch oder Nikab. Aber auf die Frage einer UN-Studie, warum sie Frauen belästigten, antworteten 73 Prozent der Männer, die Kleidung der Frauen sei zu aufreizend gewesen.

Sexuelle Belästigung ist für Aktivisten wie Ahmed vor allem Ausdruck von Aggression, Macht und Gewalt in einer hierarchischen Gesellschaft, in der Frauen als Schwächere betrachtet werden. Die hohe Bevölkerungsdichte und die Ungleichheit zwischen beiden Geschlechtern seien die Hauptgründe, wieso Frauen immer wieder widerlich angegangenen werden, sagt Helen Rizzo, Soziologin von der American University in Kairo: „Es hängen einfach sehr viele Männer auf den Straßen herum, die dann oft auch gegenüber Freunden angeben wollen.“ Den Männern sei laut Rizzo oft nicht klar, wo der Unterschied zwischen Belästigung und Flirten liege.

Teil des Problems sind die Sicherheitskräfte. In Ägypten sind die meisten Männer verpflichtet, Militärdienst zu leisten. Sie müssen in den Straßen der ägyptischen Städte patrouillieren. Manchmal liegen sie stundenlang auf den Ladeflächen der alten und oft auch verdreckten Militärfahrzeuge an der Strandpromenade Alexandrias und gaffen den vorbeilaufenden Frauen nach.

Einmal zielte ein Soldat Omnia auf der Tahrir-Straße in Kairo mit seinem Gewehr ins Gesicht und sagte: „Ich bring dich um.“ Dabei lachten er und seine Kameraden. „Diese Männer geben sich selbst die Lizenz zum Belästigen“, sagt Omnia.

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